CORDELIA CHATON

Es gibt zwei Welten in Luxemburg, die sich dringend brauchen und doch nicht zueinander finden. Das eine ist der Finanzsektor. Mit rund 45.000 Mitarbeitern - davon rund 26.000 in den Banken - ist er die Branche schlechthin im Land, die für Einkünfte sorgt. „Wenn der Finanzplatz Schnupfen hat, hustet Luxemburg“, heißt es deshalb nicht umsonst. Dieser Sektor steht vor großen Veränderungen durch regulatorische Auflagen, Kryptowährungen, Fintech, weltweite Konsolidierung und lokale Gesetze. Er braucht dringend geschulte Mitarbeiter, die mehr können, als nur Kontobewegungen eintragen, was früher lange gereicht hat.

Die andere Welt ist die Universität. 2003 gegründet, wird sie von mehr als 6.000 Studierenden aus über hundert Ländern besucht und gliedert sich in drei Fakultäten. Zu diesen gehört auch die Fakultät für Recht, Wirtschaft und Finanzen. Genau diese und der Finanzplatz können nicht miteinander. Dabei bräuchten sie sich dringend.

Wie jeder alte Streit hat auch dieser eine Vorgeschichte. 2002, also vor der Uni-Gründung, wurde die „Luxembourg School of Finance“ (LSF) gegründet, deren erklärte Aufgabe es war, Menschen für den Bankensektor aus- und weiterzubilden. So sagte Germain Dondelinger, ehemaliger Regierungskommissar für die Universität Luxemburg, bei der Eröffnung im Oktober 2002, dass „viele Bankangestellten in der Finanzschule eine notwendige Voraussetzung ihrer Karriere sehen. Es kam schon vor, dass Banker nicht in Luxemburg arbeiten wollten, weil diese Möglichkeit nicht bestand.“ Doch später wurde die LSF in die Universität eingegliedert. Das sehen viele Vertreter vor allem des Bankenplatzes, der die LSF finanziell unterstützte, als Übel. Denn Professoren müssen, um anerkannt zu sein, so genannte A-Level-Papers veröffentlichen. Diese wissenschaftlichen Texte haben aber nur sehr entfernt etwas mit einer konkreten Aus- und Weiterbildung zu tun. Während die Banker bemängeln, dass die Professoren im Elfenbeinturm sitzen und die Beine baumeln lassen, derweil sie kein Personal finden, verbittet sich die Universität eine Einmischung in ihre akademischen Angelegenheiten und möchte nicht als schnöde Weiterbildungsstätte wahrgenommen werden.

Resultat: Die Lager sind gespalten, man spricht kaum miteinander. Wenn über Lösungen geredet wird, dauert deren Umsetzung meist mehr als ein Jahr und kostet natürlich Geld. Das genau hat die Universität aber nicht mehr so üppig, hing doch eine ganze Weile ein Einstellungsstopp über ihr. Der Finanzsektor würde zahlen - aber nur gegen Konkretes. Eine Sonderrolle kommt auch hier der LSF zu, weil sie Studiengebühren von rund 17.500 Euro jährlich pro Student einnimmt. Sie will sich als Marke etablieren. Vor ihrer Tür aber steht der Finanzsektor und klingelt. Vergebens.

Es ist sehr schädlich für das Land, seine Wirtschaft und die Außenwirkung, dass dieser Zwist schon so lange andauert. Die Banken haben ihre Haltung seit Jahren nicht verändert. Aber ihr Frust ist gestiegen. Nicht auszudenken, wenn sie sich von der Universität ganz abwenden. Diese hat mit einer neuen Leitung auch neuen Elan. Jetzt muss sie die Baustellen angehen, bevor die Schäden noch größer werden, und Brücken zwischen den Welten schlagen.