LUXEMBURG │ SOPHIA SCHÜLKE

Jeanny Kratochwil macht kahle Bühnen sehenswert

Manchmal kennt sie das Stück schon gut, andere Male wälzt sie erst einmal Sekundärliteratur, dann wiederum steigen die entscheidenden Bilder beim Spazierengehen oder während eines Konzertes vor ihrem geistigen Auge auf. Jeanny Kratochwil arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freischaffende Bühnenbildnerin hauptsächlich in Luxemburg.

Hat sie ihre Idee in ein Design und in Modelle gegossen, werden diese in den Werkstätten des Theaters auf Machbarkeit überprüft; Bauprobe, technische Abnahme und Beleuchtungsproben folgen, bis das Bühnenbild auch wirklich bühnenreif ist. Doch wie sie letztendlich arbeitet, hängt von der Herangehensweise des Regisseurs ab. Einige wollten schon fertige Konzepte geliefert haben, andere haben selbst präzise Vorgaben für das Bühnenbild. „Ich finde es wichtig, dass der Regisseur sich am Ende damit auf der Bühne wohl fühlt, das ist erste Aufgabe“, sagt Kratochwil. Allerdings ist das Entstehen des Bühnenbildes auch immer ein Prozess, bei dem eine gegenseitige Beeinflussung stattfindet und auch während der Proben noch einmal Veränderungen vorgenommen werden, damit das Bühnenbild auch tatsächlich praktikabel ist. Selbst zimmern und streichen muss man nicht, aber für Kratochwil hat es Vorteile, wenn man sein entworfenes Bühnenbild auch herstellen könnte. „Kleinere Theater haben kaum Werkstätten, da arbeitet man dann mit anderen Leuten zusammen.“

„Ups und Downs“

Kratochwils Ausbildungsweg verlief über mehrere künstlerisch-kreative Stationen: Nach dem „Lycée des Arts et Métiers“ mit Wahl von Innenarchitektur und Grafikdesign und einem Theaterpraktikum in Trier, studierte sie Bühnenbild am Mozarteum in Salzburg. Als sie nach dem Studium zurückkehrte, gab es im Großherzogtum keine ausgebildeten Bühnenbildner, sondern nur solche, die den Job am Theater gelernt hatten. Das hat sich inzwischen geändert. „Mittlerweile gibt es auch Bühnenbildner aus dem Ausland, die hier arbeiten, das macht das Ganze professioneller.“

Ganz bestimmte Stücke, für die sie unbedingt das Bühnenbild entwerfen möchte, hat sie nicht auf der Wunschliste. Sie liebäugelt aber damit, ihre Ideen wieder für eine Oper einzubringen. „Die Oper sehe ich als ganz schöne Theaterform, die einen zwar durch das Musikalische vom Rhythmus her einengt, aber auch offener ist, weil man sich aus dem Realismus herauslösen kann.“ Bisher hat sie Opernbühnenbilder entworfen, als sie in Deutschland an verschiedenen Bühnen gearbeitet hat. Diese Arbeit beschreibt sie als etwas sehr Spannendes und Aufregendes. Ansonsten schlägt ihr kreatives Bühnenbildnerherz auch für moderne Stücke, vor allem aufgrund der zwischenmenschlichen Situationen, die dort thematisiert werden, und mit denen sie sich bei ihrer Arbeit eben kreativ auseinandersetzt.

Finanziell gesehen bringt der Beruf keine dicken Traumgehälter ein. Kratochwil hat es geschafft, auch wenn es „Ups und Downs innerhalb der Jahre“ gab, aber mit „Beamten und Bankern“ könne man sich in diesen Beruf nicht vergleichen. „Man muss das anders sehen, man hat ja auch Freiheiten, man hat nicht diesen Achtstundentag im Büro. Aber man muss mit dem, was man macht, eins sein.“