HANOI
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Ein vietnamesisches Gericht hat eine Frau wegen staatsfeindlicher Videos zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Haft solle die 40-Jährige Tran Thi Nga fünf Jahre unter Hausarrest gestellt werden, sagte deren Anwalt Ha Huy Son am Dienstag. Das Urteil sei ungerecht, denn seine Mandantin habe keines der Verbrechen begangen, die ihr zur Last gelegt wurden. Es gebe keinen Beweis, dass die 13 im Prozess angeführten Videos von ihr stammen.

Die Angeklagte versicherte in dem eintätigen Prozess in Ha Nam 60 Kilometer südlich der Hauptstadt Hanoi, sie sei keine Oppositionelle, sondern gegen Korruption und Ungerechtigkeit. Nga hatte gegen Umweltverschmutzung, Polizeigewalt und illegale Landenteignung protestiert und eine härtere Haltung Vietnams gegen Gebietsansprüche Chinas im Südchinesischen Meer verlangt.

Staatliche Medien berichteten, Nga sei im Januar festgenommen worden, als sie im Internet mehrere Videoclips und Artikel gegen den Staat veröffentlichen wollte. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach sich für die sofortige Freilassung der 40-Jährigen aus.

Vor einem Monat hatte ein Gericht in der Provinz Khanh Hoa die prominente Bloggerin Nguyen Ngoc Nhu Quynh wegen staatsfeindlicher Propaganda zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Vietnam hat eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaften in Asien. Die kommunistische Regierung zeigt aber kaum Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Internationale Menschenrechtsgruppen und einige westliche Regierungen kritisieren Vietnam häufig dafür, Personen ins Gefängnis zu bringen, die friedlich ihre Ansichten zum Ausdruck brächten. Hanoi sagt, es würden nur Gesetzesbrecher bestraft.