LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Nationalkongress der „Jonk Demokraten“ in Bartringen - Tom Strauch neuer Generalsekretär

Streckenweise sehr emotional ging es am Samstag beim Nationalkongress der „Jonk Demokraten“ im „Centre ArcA“ in Bartringen zu. Denn zwei Pfeiler der Jugendorganisation aus den letzten Jahren traten bei den statutarischen Wahlen nicht mehr für ihre Nachfolge an: Kassenwart Sven Bettendorf, der über die Jahre an verschiedenen Posten der JDL tätig war, sagte nach acht, Generalsekretärin Claudine Michels nach vier Jahren „Tschüss“. Ihre Lebenssituationen hätten sich geändert, sie müssten ein wenig kürzertreten bei ihren außerberuflichen Aktivitäten begründeten die beiden - mit einer dicken Träne im Knopfloch - ihre Entscheidung. Und gelobten, den Jungen Demokraten auch weiterhin mit gutem Rat zur Verfügung zu stehen.

Der neue Vorstand der JDL setzt sich nun wie folgt zusammen: Präsident: Claude Schommer, Vizepräsident: Michael Agostini, Generalsekretär: Tom Strauch, bisheriger beigeordneter Generalsekretär, 2. Sekretär: Thierry Faber, Kassenwart: Kevin Schoos, International Officer: Stéphanie Goerens, Mitglieder: Géraldine Welkenbach, Lou Linster und Loris Meyer.

121 Mitglieder auf DP-Listen für Gemeindewahlen

Die „Jonk Demokraten“ zogen eine positive Bilanz ihrer Arbeit im vergangenen Jahr, das von den Gemeindewahlen geprägt war und die Gründung neuer Sektionen erlebte. 121 JDL-Mitglieder zogen auf DP-Listen mit in den Wahlkampf. 20 von ihnen konnten sich ein Gemeinderatsmandat sichern.

Die JDL bezog in den letzten Monaten etwa Position zur Legalisierung von Cannabis, zu den Arbeitszeiten, zu den Öffnungszeiten im Handel, zur Förderung des Luxemburgischen, zur Prostitution und zu den Frauenquoten, deren Einführung sie für einen kontraproduktiven „historischen Fehler“ hält und die sie wieder abgeschafft sehen will.

Damit stehen sie in Opposition zur DP/LSAP/Déi Gréng-Regierung, die die Frauenquote in der Politik 2016 in einem Gesetz verankerte. Beim Kongress wurde mehrfach betont, dass die JDL-Stellungen sich nicht immer mit jenen der DP decken und man als unabhängige Jugendorganisation nicht mit seiner Überzeugung hinter dem Berg halte. So fordern die „Jonk Demokraten“ auch weiterhin die Legalisierung von Cannabis auch zu rekreativen Zwecken. „Das muss im kommenden DP-Wahlprogramm stehen“, unterstrich Präsident Claude Schommer, der auch für das Recht für Homosexuelle, nach einer individuellen Risikobewertung Blut zu spenden, streitet, sowie für die Individualbesteuerung und ergo die Abschaffung der Vorzugsbesteuerung verheirateter Paare - wobei Steuerabschläge bei Kindern weiter gewährleistet und auch Abschläge eingeführt werden sollen, wenn pflegebedürftige Familienmitglieder im Haushalt sind.

Debatte über Leihmutterschaft undLebensarbeitszeitkonten

Die „Jonk Demokraten“ fördern auch eine Debatte über die Leihmutterschaft, die in Luxemburg ermöglicht werden solle. Und in der Wohnungsbaupolitik, ein Thema, das viele Jugendliche wegen der hohen Wohnkosten umtreibt, solle endlich auch daran gedacht werden, in die Höhe zu bauen. „Das Ästhetische darf dem Praktischen nicht im Weg stehen“, meint Claude Schommer.

Dem Kongress lagen zwei Entschließungsanträge vor. Zum einen zur Arbeitszeitflexibilität. Für die „Jonk Demokraten“ ist das Modell „nine to five“ überlebt, die Arbeitnehmer würden heute stärker mitentscheiden wollen, wie sie ihren Arbeitsalltag gestalten wollen. Die JDL, die flexiblere Arbeitszeiten im privaten und öffentlichen Sektor fordert sowie die Förderung der Telearbeit, möchte ein System von „Lebensarbeitszeitkonten“ eingeführt sehen, auf die etwa Überstunden und Urlaubstage „eingezahlt“ werden könnten, zwecks Nutzung für andere Lebensprojekte. Dazu gehört auch der frühere Rentenantritt.

Eine zweite Motion befasste sich mit Organspenden. Die JDL fordert, dass das Gesetz von 1982 angewendet wird, laut dem ein Bürger, der ums Leben kommt, dann automatisch als Organspender angesehen wird, es sei denn, er habe das zu Lebzeiten schriftlich verboten. Die „Jonk Demokraten“ sind überzeugt, dass die Anwendung dieses Gesetzes die Kampagnen des Gesundheitsministeriums für Organspenden überflüssig machen und vor allem den Luxemburgern deutlich helfen würde, die auf einer Warteliste für ein Spenderorgan stehen. Das sind im Durchschnitt 65. Allerdings wurden im vergangenen Jahr lediglich acht Transplantationen durchgeführt. Damit steht Luxemburg europaweit an letzter Stelle. Die Motionen erhielten mehrheitlich grünes Licht.

Corinne Cahen: „Wir müssen über dieReferenzperiode sprechen“

DP-Präsidentin Corinne Cahen bedankte sich bei den „Jonk Demokraten“ für ihre permanenten Anregungen, das Leben der Bürger in Luxemburg zu verbessern. Besonders die „work life balance“ sei ein wichtiges Feld, das die Regierung in den letzten Jahren unter den Impulsen der DP konsequent beackert habe.

Sie erinnerte dabei vor allem an die Reform der Elternzeit, die ein großer Erfolg sei, würden sich doch auch immer mehr Väter für ein Elternzeitmodell entscheiden. „Wir müssen über die Referenzperiode sprechen“, meinte Corinne Cahen bezüglich der Diskussion über Arbeitszeitflexibilisierung. Die derzeitige Regelung über die gesetzlichen Arbeitszeiten stelle nicht nur die Arbeitgeber nicht zufrieden, sondern vor allem auch nicht die Arbeitnehmer.

„Wir machen keine Politik gegen etwas, sondern für die Bürger“, unterstrich die DP-Vorsitzende, die am kommenden Sonntag mehr Details über das Wahlprogramm der Demokratischen Partei enthüllen wird. Dann findet ab 10.00 nämlich im „Tramsschapp“ in Limpertsberg der Nationalkongress der Liberalen statt.
www.jdl.lu