LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Die Cousins Lukas Heimbach und Jacques Weis starten ihr Foodtruck-Unternehmen in Köln

Journalismus und Hotelmanagement? Auf Dauer zu schnöde, dachten sich Lukas Heimbach aus Köln und Jacques Weis aus Ettelbrück. Die beiden Dreißigjährigen wollen ihren Traum leben und mit gutem Essen viele Leute glücklich machen. Ihr Konzept verspricht viel: innovative, ausgefallene Chili-Rezepte in der rollenden Gastronomie. Wie der Arbeitsalltag der beiden aussieht und was sich die Jungs von ihrer Zukunft mit „Bambule & Con Carne“ erwarten, verraten sie im Interview.

Das Gastronomiegewerbe ist kein einfaches Pflaster, habt ihr genug Know-How, um euch da zu etablieren?

LUKAS HEIMBACH Wir sind beide Quereinsteiger, deswegen könnte man meinen, wir bringen nicht genug Know-How mit. Jacques hat Hotel- und Tourismusmanagement in Brüssel studiert und hat in großen Hotels in Zürich, Basel und Berlin gearbeitet. Ich habe Medienwirtschaft in Köln studiert und war dann erst im Werbungs- und PR-Bereich tätig. Dann bin ich zum Journalismus gewechselt und habe viereinhalb Jahre über Fußball geschrieben. Das wurde aber auch irgendwann langweilig. Die Idee, ein eigenes Gastrokonzept zu verwirklichen war schon lange da: Kochen, Streetfood, Reisen! Die Idee, dies alles miteinander zu verbinden, wollen wir in die Wirklichkeit umsetzen. Wir waren jetzt zwei Wochen im Pop-Up-Restaurant ‚Laden Ein‘ und haben da sehr viel gelernt. Den Rest haben wir uns eigentlich autodidaktisch beigebracht. Seit zehn Jahren sind wir passionierte Hobbyköche, was ja schon eine gute Grundvoraussetzung ist. Die gastronomischen Kniffe lernen wir gerade dazu. Durch das ‚Laden Ein‘ sind wir echt gut vorbereitet, um mit dem Food Truck starten zu können.

Wie seid ihr auf die Idee mit dem Chili-Foodtruck gekommen?

HEIMBACH Ursprünglich hatte ich die Idee, weil ich immer was mit Essen und Reisen machen wollte. Es musste ein Grundrezept sein, das man auf alle Länder der Welt anwenden kann. Je nach Gewürzen und Zutaten ist es dann mal marokkanisch, asiatisch oder vielleicht mexikanisch. In Washington gibt es ein berühmtes Chili-Restaurant, in welchem auch Barack Obama des öfteren zu Gast war. Als man mir davon berichtete, war mir klar, Chili ist unser Ding. Das Grundkonzept hatte ich also schon im Kopf und habe dann Jacques angerufen. Der hat nicht lange überlegt und war dann dabei. Dann hieß es nach einiger Reflexion noch Jobs kündigen, und los geht’s!

Wie gestaltet sich die Rezeptsuche?

HEIMBACH Auf Reisen haben wir viele Ideen für Rezepte gesammelt. Jacques war zum Beispiel in Argentinien, wodurch dann das argentinische Chili mit Chimi Churri entstanden ist. Ich bin nach Texas und Mexiko, um dem Ursprung des Chilis auf die Schliche zu kommen. Natürlich haben wir auch viele Kochbücher gewälzt.

Welche Chilis bietet ihr an?

JACQUES WEIS Da gibt es natürlich das klassische Chili mit Hack, Bacon, Schokolade und unserer eigenen Gewürzmischung. Dann eine vegane Version mit Süßkartoffeln und viel Gemüse. Es gibt diverse Variationen aus aller Welt, wie zum Beispiel libanesisch mit Zitronenhuhn in Schawarma-Gewürz, marokkanisch mit Lamm und Kürbis oder schottisch mit Whiskey, Kaffee, Bacon und Rauchsalz.

HEIMBACH Wir haben auch ein anatolisches Chili, mit Rinder- und Lammhack und Sucuk, einer typisch türkischen Rinderknoblauchwurst, Ajvar und Kichererbsen. Ziemlich fettig und ziemlich lecker! Wir nehmen auch keine Dosenbohnen oder Kichererbsen, sondern weichen die getrockneten über Nacht ein. Den Unterschied schmeckt man wirklich raus, sie sind schön knackig. Im Sommer wird es auch ein kaltes Gazpacho-Chili geben.

WEIS Unser Fleisch kommt übrigens ausschließlich aus artgerechter Haltung aus der Region. Wir versuchen sehr nachhaltig zu agieren und Müll zu vermeiden. Teller und Besteck sind aus Maisstärke und komplett abbaubar, ebenso wie die Servietten. Wir haben auch fast nur Getränkemarken mit nachhaltigem Konzept im Angebot. Zudem spenden wir ein Prozent unseres Gewinns an Kumanga e.V. in Düsseldorf, die Brunnen in Afrika bauen. Und wir fahren ein sparsames Autogas-Auto!

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus?

WEIS Morgens müssen wir frische Sachen für unsere Toppings kaufen. Um sieben gehen wir einkaufen und bringen alles zur Küche. Die Toppings werden frisch vorbereitet, die Chilis kochen wir aber am Vortag. Dann laden wir alles ein und fahren so gegen zehn unseren Standort an. Wir verkaufen dann drei Stunden und fahren wieder zurück. Wenn wir nicht gerade am Kochen sind, kümmern wir uns um Marketing oder Administratives.

Gab es bei der Gründung von Bambule & Con Carne Schwierigkeiten?

HEIMBACH Wirklich schwierig war es letzten Endes nicht, da man eigentlich immer nur irgendeinen Wisch ausfüllen muss. Die Bürokratie ist auf jeden Fall ein Hindernis. Man wartet ewig auf Bescheide und muss zwischen sechs Ämtern rumlaufen. Es ist halt viel Arbeit, weil man an tausend neue Sachen denken muss. Wir machen im Moment jeden Tag irgendwas, was wir noch nie zuvor gemacht haben. Man lernt jeden Tag wieder aufs Neue dazu und fällt manchmal auch kurz auf die Schnauze. Wir hatten aber mehr positive Momente als negative.

Wie war das Feedback im Pop-Up Restaurant ‚Laden Ein‘?

WEIS Wir hatten super viel Arbeit und haben sehr gute Erfahrungen gemacht. Es kam alles gut an und wir haben konstruktives Feedback bekommen. Wir haben natürlich auch einige Kleinigkeiten bemerkt, an denen wir arbeiten müssen, aber im Großen und Ganzen war alles durchweg positiv. Die Leute waren begeistert, sie hätten nicht gedacht, was man alles aus Chili rausholen kann. Das Libanesische mit eingelegtem Hühnchen fanden alle super, weil es etwas komplett anderes ist. Generell war es echt gut besucht. Die letzten drei Tage hatten wir quasi durchgehend volle Bude.

Auf was freut ihr euch in der Zukunft?

WEIS Wir freuen uns, jetzt richtig loszulegen. Wir haben auch schon einige Kooperationen in Planung.

HEIMBACH Der weitere Plan wäre dann, vielleicht im nächsten Jahr noch einen Anhänger dazu zu mieten. Irgendwann haben wir vielleicht auch mal Angestellte. Und so ein bisschen haben wir den Traum, vielleicht eines Tages ein kleines Chili-Restaurant aufzumachen. Und ansonsten wir lassen uns überraschen!

www.bambulechili.de