CONTERN
CORDELIA CHATON

Die 25. Jubiläumsausgabe des „Internationalen Comic-Festivals Contern“ zeigt die Beliebtheit

Früher als Schund verschrien, werden sie heute zu Millionen gehandelt und haben Fans weltweit: Comics sind längst kein Kinderkram mehr, sondern Kult. Dementsprechend groß war der Andrang in Contern, das schon vor 25 Jahren dem Genre ein eigenes Festival gewidmet hat.

„Breit aufgestellt“

Jean-Jacques „Ari“ Arrensdorff ist als Präsident des „Internationalen Comic-Festivals“ vom Konzept überzeugt

Das „Internationale Comic-Festival“ findet in diesem Jahr zum 25. Mal statt. Es ist zu einer festen Einrichtung in der Kulturlandschaft geworden. Jedes Jahr kommen rund fünfzig Autoren in die Sporthalle nach Contern. Neben Widmungen gibt es auch Poster, Neuheiten, Figuren oder Sammler-Gegenstände. Die Straßen von Contern sind gesperrt und immer mehr Besucher pilgern in das „Dorf des Comics“. Was haben sich die Organisatoren in diesem Jahr einfallen lassen? Der Präsident Jean-Jacques „Ari“ Arrensdorff antwortet.

 

Herr Arrensdorff, welche Besonderheiten gibt es zur 25. Auflage des Festivals?

JEAN-JACQUES ARRENSDORFF Wir fangen schon am Samstag an mit der „Nacht der BD“. Damit die Leute bleiben können, spielt ab 18.00 die Band „Dreamcatcher“, deren Sänger John Rech auch selbst einen Stand hat. Danach spielen die „Boyz Bande Dessines“, deren Texte sich auch rund um Comic drehen, weil sie aus Comic-Autoren besteht. So können die Besucher schon am Samstag in die richtige Stimmung für den Sonntag kommen. Weil es schon ein besonderer Termin ist, haben wir auch drei Ausstellungen, die während des Festivals besucht werden können: „Au fil du temps“ findet in der Scheune der Distillerie Muller-Lemmer statt. Hier stellt Charel Bauer, einer der großen Sammler mit über 15.000 Comics und Mitinitiator des Festivals, Comics aus der Zeit der 30-er bis 70-er Jahre aus. Dann gibt es eine Ausstellung über religiöse Comics in der Kirche, bei der wir mit einem kirchlichen Verein aus Brüssel zusammenarbeiten. Und Philatelisten und anderen bieten wir eine Ausstellung von Briefmarken, die mit Comics zu tun haben, im Sitzungssaal der Gemeinde an.

Kommen in diesem Jahr mehr Aussteller?

ARRENSDORFF Mehr als 50 oder 60 können nicht kommen, weil nicht mehr in die Halle passen. Wir können nicht alle nehmen, die fragen, aber es kommen auch nicht alle, die wir wollen. Wir versuchen immer, eine große Bandbreite an Kinderbüchern, Science Fiction und anderen Themen abzudecken. Wir sind jedoch stolz, dass in diesem Jahr vier Zeichner kommen, die mit Spirou, dem Zeichner des „Marsipulami“ zu tun haben. Batem, unser Ehren-Festivalpräsident, ist einer davon. Er hat das Zeichnen des Marsipulami übernommen. Auch Fournier, der nach dem 1997 verstorbenen André Franquin die „Spirou“-Serien zeichnete und Yann, ebenfalls „Spirou“-Zeichner, sind da. Ebenso wie Janry, der Zeichner des kleinen Spirou. Das ist flott, weil die Spirou-Magazine in diesem Jahr 80 Jahre alt werden.

Wie haben sich die Comics verändert?

ARRENSDORFF Sie sind heute viel breiter aufgestellt. Allein in Frankreich gibt es rund 1.200 Zeichner; die machen wirklich alles. In Belgien und Frankreich gibt es Comics durchaus auch für ernstere Themen, beispielsweise ist einer über die französische Politikerin Simone Veil erschienen, der sehr schön gestaltet ist und sich auch gut verkauft.

Warum vergibt das Festival keinen Preis?

ARRENSDORFF Wir haben das Thema oft diskutiert. Aber es war kompliziert, einen Laureaten zu finden. Wir haben dann davon abgesehen. Denn wir denken, wenn wir die Zeichner bitten, dass sie Poster machen, ist das schon Auszeichnung genug. Und wenn einer einen Preis erhält, erhalten 49 andere keinen. Es ist schwer, einen herauszusuchen, zumal es ja so große Unterschiede zwischen den Stilen gibt. Wir wollen, dass jeder sich wohlfühlt. Die Zeichner kommen gern und werden auch verwöhnt, denn wir übernehmen die Reise und das Hotel, sorgen für Kaffee und haben immer einen Ansprechpartner in der Nähe.

Arbeiten Sie mit anderen Festivals zusammen?

ARRENSDORFF Wir sind in Kontakt mit anderen Festivals in Straßbourg, Illzach, Colmar und Knokke, Vertreter der vier Events kommen auch zu uns. Aber das ist keine Zusammenarbeit, eher ein über die Jahre gewachsener Kontakt, um Erfahrungen auszutauschen.