LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

„Extrem verletzt“: Jean Colombera verlässt ADR sofort und macht als Unabhängiger weiter

Aus, Schluss, Sense: Mit sofortiger Wirkung will der Nord-Abgeordnete Jean Colombera seine Partei verlassen, wie er gestern ankündigte. Eigentlich hatte Colombera bis Ende 2013 bleiben wollen und sein Mandat dann an
den Nächstgewählten im Norden, Jeff Engelen
abgeben wollen.

Doch der sei bei einer Sitzung des ADR-Nordkomitees dermaßen forsch über ihn hergefallen dass er beschlossen habe, als unabhängiger Abgeordneter weiter zu machen, erklärte Colombera, der bei der genannten Sitzung nicht zugegen war, gestern. „Ich bin extrem verletzt und in meinen Fundamenten erschüttert“, sagte er dem Radiosender DNR.

Damit bleiben mit Fernand Kartheiser - der ja diese Woche wegen erheblicher interner Parteidivergenzen zurück treten musste - und Gast Gibéryen nur noch zwei ADR-Abgeordnete in der Abgeordnetenkammer. Jacques-Yves Henckes war bereits vor einer Woche ausgetreten, wegen unüberbrückbarer Differenzen mit Kartheiser, dem er eine ultrakonservative, stockkatholische und europaskeptische Haltung vorwirft. Auch Henckes macht als unabhängiger Abgeordneter weiter.

ADR-Führung: Wer sein Mandat nicht zurück gibt, begeht Betrug am Wähler

Die ADR reagierte gestern per Pressemitteilung auf Colomberas Entscheidung, die man „mit Erstaunen“ zur Kenntnis genommen habe.

„Dës Aussoe stinn a Kontradiktioun mam Verspriechen, dat de Jean Colombera gemaach hat, fir säi Mandat am Norden un den Nächstgewielte weiderzeginn. D’ADR bedauert dëse Schrëtt, virun allem well d’Parteiféierung op d’Konditioune vum Här Colombera fir weiderhi mat der ADR zesummenzeschaffen, agaangen ass“, unterstreicht die Parteiführung und dementiert „formell“ Colomberas Aussagen laut denen er bei der Komiteesitzung der ADR Norden diffamiert oder beleidigt worden sei.

Die ADR-Führung unterstreicht denn auch noch dass im Luxemburger Wahlsystem Parlamentsmandate nach dem Proporzwahlsystem gewonnen werden und demgemäß der Partei zustehen, die diese Mandate aufgrund ihres Wahlprogramms und mithilfe von allen Kandidaten und vielen freiwilligen Wahlhelfern errang. „Wien dat net respektéiert, begeet Bedruch um Wieler“, heisst es ferner in der Pressemitteilung, „wann d’Häre Colombera an Henckes dem Personal vun der Fraktioun d’Chrëschtfest tatsächlech net verdierwe wëllen, da sollen se hir Mandater un hir Nofolger ofginn, da kann d’Personal rëm roueg schlofen. Wann se dat net maachen, stellen se „Eigennutz vor Allgemeinwohl““. Der nächste Akt der ADR-Selbstzerfleischung folgt bestimmt.