LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Der Musikunterricht bleibt an den Lyzeen praktisch inexistent

In den letzten 30 Jahren hat sich in der Musik weltweit sehr viel getan. Neue Genres sind entstanden, ältere Gattungen haben ein Revival erlebt oder haben sich im Zusammenspiel mit anderen Stilrichtungen zu etwas Neuartigem entwickelt. Unter anderem haben viele Musiker in den letzten Jahren unorthodoxe Instrumente in der Rock- und Popmusik benutzt sowie Elemente der klassischen Musik in ihre Kompositionen einfließen lassen, ohne dass dies in irgendwelcher Hinsicht aufgesetzt gewirkt hat.

Mindestens drei Jahre ohne musikalische Erziehung

Eine ähnliche Entwicklung würde man sich auch im hiesigen Sekundarunterricht wünschen. Dem ist aber leider nicht so. Auch mit der angekündigten Reform wird sich die Situation nicht verbessern. Die Septimaner im klassischen und technischen Lyzeum haben knapp eine Stunde Musikunterricht pro Woche und danach erwarten die Schüler mindestens drei Jahre ohne irgendeine musikalische Ausbildung. Derweil durchgehend Kunst unterrichtet wird, müssen sich die Jugendlichen nach ihrem ersten Jahr am Gymnasium über einige Jahre ohne pädagogische Unterstützung im musikalischen Dschungel zurechtfinden. Je nach Ausrichtung werden sie gar keinen Unterricht mehr in der fünften Kunst erfahren.

60 Jahre Rock- und Pop-Geschichte

Sicher soll jeder nach seinem Geschmack fündig werden, allerdings sollte es wenigstens eine grobe Einführung in die vielen Genres der Musik und die Geschichte ihrer Hauptakteure geben. Schließlich können wir inzwischen schon auf rund 60 Jahre Rock- und Pop-Geschichte zurückblicken. Weiter müsste, ähnlich wie im Kunstunterricht, mehr Wert auf die Kreativität und auf das Vermitteln produktionstechnischem Wissens gelegt werden.

Im technischen Lyzeum werden die angehenden Erzieher in den letzten beiden Jahren darauf vorbereitet, mit Kindern, Behinderten oder älteren Menschen zu arbeiten. Ausdrucks- und Animationstechniken werden ihnen beigebracht, die im beruflichen Alltag dienlich sind.

„Musique Concrète“, elektronische Musik und „Minimal Music“

In der vor allem auf Musik spezialisierten F-Sektion im klassischen Gymnasium stehen auf der „3ème“ vorrangig die klassische Musikgeschichte und Notentextlehre im Vordergrund. Immerhin gibt es in den A- und E-Sektionen auf „2ème“ noch einmal Musikkurse, die sich (…) vor allem mit Werken vom Mittelalter bis zur Klassik befassen.

Absolventen der F-Sektion werden in ihrem letzten Gymnasialjahr dann doch mit Begriffen wie „Musique Concrète“, elektronische Musik und „Minimal Music“ konfrontiert. Den meisten Schülern der anderen Sektionen werden solche Ausdrücke immer Fremdwörter bleiben, es sei denn sie entwickeln ein außerschulisches Interesse für Musik die so nicht in der Schule behandelt wird.