LUXEMBURG
MARCO MENG

Jeder Siebte bei der KBL muss gehen - Erster Schritt Richtung Verschmelzung mit der BIL?

Die KBL European Private Bankers SA baut 150 Stellen ab. Wie die Bank gestern mitteilte, aus „wirtschaftlichen Gründen“. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres hatte die im Sommer vom katarischen Fonds Precision Capital übernommene Bank einen Gewinneinbruch zu vermelden: Das Resultat war im ersten Semester des laufenden Jahres auf unterm Strich 9,2 Millionen Euro eingebrochen. 2011 hatte die Bank im ersten Halbjahr noch einen Gewinn von 61,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Der erwartete Wirtschaftsaufschwung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 sei, so begründete die Bank nun ihre Maßnahme, noch immer nicht festzustellen. Man habe in den Jahren 2010-2012 einen Rückgang der Einnahmen zu verzeichnen, einmal aufgrund des niedrigen Zinsniveaus, zum anderen wegen der Zurückhaltung der Anleger. Dennoch seien die Personalkosten stetig gewachsen. Verhandlungen für einen Sozialplan sollen am Mittwoch beginnen. Marc Glesener von der Bankengewerkschaft ALEBA geht davon aus, dass sich angesichts des eingebrochenen Gewinns diese Rationalisierungsmaßnahme nicht vermeiden ließ und ist glücklich darüber, dass es nicht die spekulierte Zahl von 400 ist. Ab morgen beginnen die Verhandlungen zum Sozialplan.

McKinsey legt ihren Bericht im Januar vor

Glesener verweist darauf, dass der jetzige Arbeitsplatzabbau nicht auf die Studie der Bewertergesellschaft McKinsey zurückzuführen ist: Die wird erst im Januar vorgelegt. Es habe vielmehr mehrere Prüfungen gegeben, wobei die von McKinsey darauf ausgelegt sei zu eruieren, welche strategische Richtung das Geldhaus nehmen soll. Zudem habe die lange Dauer der Übernahme durch einen neuen Eigentümer die Bank zusätzlich daran gehindert, sich zu entwickeln. Im 2010 hatte die belgische KBC mit der indischen Hinduja Group den Verkauf ihrer luxemburgischen Tochter KBL für 1.35 Milliarden vereinbart.

Das hatte damals indes die Finanzaufsicht CSSF untersagt, ohne die Gründe dafür näher darzulegen. Von der KBC-Gruppe hieß es damals nur: „Die CSSF ist zu diesem Schluss gekommen, indem die gesetzlich vorgeschriebenen Kriterien angewendet wurden, und nach einer Abstimmung mit anderen relevanten Behörden.“ Die KBL wurde dann von den Kataris aufgekauft. Die Bank beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter in Luxemburg. Kurz zuvor hatte man bereits mehr als hundert Angestellten die Kündigung ausgesprochen. Der alte Sozialplan sei noch nicht richtig umgesetzt, da stehe schon der nächste ins Haus, so Véronique Eischen vom OGBL.

„Und es ist zu befürchten, damit ist es noch nicht vorbei.“ Eischen verweist darauf, dass die Berater von McKinsey derzeit auch die ebenfalls dem katarischen Investor Precision Capital gehörige BIL prüfen. Da nun vor allem Stellen im Backoffice- und IT-Bereich gestrichen werden, geht der OGBL davon aus, dass das der erste Schritt in Richtung Verschmelzung der beiden Banken KBL und BIL ist, die ebenfalls zu 90% dem katarischen Investor gehört. Eischen geht dabei mit Finanzminster Luc Frieden hart ins Gericht: der habe zuerst geprahlt, man habe die Banken gerettet, doch nun erweise sich das Gegenteil.

2011 hatte die KBL einen Gewinn von 119,2 Million gemacht, 2010 von 67,7 Millionen. Im Krisenjahr 2008 war es ein Verlust von 145,9 Millionen Euro gewesen.