LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Asteroiden, Mond, Mars, Satelliten und „Space Forces“: Neue Technologien und Strategien spornen die Weltraumindustrie an

Abgeschlagen auf dem Weg ins All“: So betitelte Ende August die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ einen Artikel über Kritiken der deutschen Industrie an der Weltraumpolitik der Bundesregierung. Letzere plane zwar ein Weltraumgesetz, wolle aber erst einen international verbindlichen Rahmen für den Abbau von außerirdischen Ressourcen abwarten. Klar ist, dass der Weltraumvertrag aus dem Jahr 1967 - 1979 ergänzt durch den „Mondvertrag“ - der die Okkupation von Himmelskörpern durch einzelne Staaten verhindert, die Positionierung von Atomwaffen im All und den Aufbau von militärischen Basen im Weltraum verbietet und die Nutzung der unendlichen Weiten durch Menschen nur zu friedlichen Zwecken gestattet, reformiert werden muss.

Interpretationsdivergenzen

Auf eine Anpassung an die modernen Rechtslagen und den momentanen Stand der Technologie dieser Verträge aus dem Kalten Krieg drängen viele Staaten seit langem. „Die Ausgangslage kann man nun so interpretieren, wie es die Bundesregierung tut: Was nicht geregelt ist, ist nicht erlaubt“, schreibt die „Welt“, „man kann es aber auch so wie die USA und eine Reihe anderer Staaten sehen: Was nicht verboten ist, ist erlaubt“. So schnürten die Vereinigten Staaten 2015 ein eigenes Weltraumgesetz: Das All wird praktisch zum Verwaltungsraum der USA, die dort also Rohstoffabbau betreiben dürfen. Dieser Schritt der Obama-Administration, die übrigens über die weltweit bei weitem am stärksten dotierte Weltraumagentur verfügt, hat eine Menge anderer Staaten angespornt, in die gleiche Richtung zu ziehen. Darunter auch Luxemburg, das 2017 den rechtlichen Rahmen für den Rohstoffabbau im All festzurrte. Bis eine Nation oder eines der zahlreichen privaten Space-Unternehmen, von denen sich bereits manche im Großherzogtum niedergelassen haben, einen der rund 16.000 erdnahen Asteroiden anbohren wird oder gar Minen auf dem Mond eröffnet, dessen Geheimnisse die Forschung nach und nach aufdeckt, werden noch einige Jahre vergehen. Aber die Technologie ist reif, ihr Einsatz im wesentlichen eine Frage des Geldes.

Amerikaner auf dem Mond, Inder im All

Manche Weltraumnationen und Privatunternehmen blicken allerdings längst weit über den Mond hinaus. Der immer besser erkundete Mars ist eine Destination der Begierde. Mitte Juni erneuerte US-Präsident Trump sein Bestreben, die USA, deren Weltraumagentur NASA in diesem Jahr ihr 60. Jubiläum feiert, sollten eine neue bemannte Mission zum Mond unternehmen und auch eine zum Mars anstreben. Dass Tech-Visionär Elon Musk mit seiner Firma Tesla eine solche Reise von langer Hand plant, ist bekannt. Momentan haben nur Russland und China aktive bemannte Weltraumprogramme. Zu ihnen will bis 2022 auch Indien aufschließen, wie Premier Modi Mitte August ankündigte.

Kriegsführung in der Schwerelosigkeit

Aber es gibt nicht nur ein Rennen um Rohstoffe oder um den ersten Astronauten auf dem Mars: Im Orbit, in dem immer mehr Satelliten - nebst Tonnen um Tonnen von Weltraumschrott - umher schwirren wird ordentlich aufgerüstet. Die USA kündigten im Juni den Aufbau einer „United States Space Force“ bis 2020 an. Das sei eine Reaktion auf die Entwicklung von „Weltraumwaffen“ durch Russland und China, die vermögen, US-Satelliten zu bedrohen und Navigationssysteme wie GPS zu stören. „Es ist nicht genug, nur eine amerikanische Präsenz im Weltraum zu haben. Wir müssen amerikanische Dominanz im Weltraum haben. Und das werden wir“, lautete die Kampfansage von Vizepräsident Mike Pence. Die französische Armeeministerin Florence Parly enthüllte letzte Woche den Abhörversuch eines französischen Satelliten durch einen russischen und forderte im gleichen Atemzug eine Aufstockung der Mittel für französische Verteidigungskapazitäten im All im Rahmen einer Strategie, die 2019 vorgelegt werden soll. Präsident Macron lud derweil vergangene Woche in Luxemburg die europäischen Partner dazu ein, eine EU-weite zivile und militärische Weltraumstrategie zu schmieden um auf diese Weise auch die Kosten für den Bau von Weltraummaterial und Trägerraketen zu mindern. Eine neue Raumfahrtpolitik hat die EU-Kommission allerdings bereits 2016 vorgeschlagen, inklusive Bestrebungen, um den Zugang von Unternehmen und Start-ups zu Weltraumdaten zu verbessern und Raumfahrtindustrie-Hubs in der EU aufzubauen. Insgesamt rund 12 Milliarden Euro wurden und werden zwischen 2014 und 2020 in die Entwicklung hochwertiger Weltraumprojekte in die EU gesteckt.