LUXEMBURG
ELISABETH SEIMETZ

Manchmal traurig sein, bedeutet nicht, an einer Depression zu leiden. Eine Depression ist vielmehr eine psychische Krankheit, durch die Gehirn und Körper beeinträchtigt werden. Warum es so wichtig ist, dass diese Krankheit behandelt wird und warum die Chancen auf Linderung sehr gut sind, erklärt Dr. Elisabeth Seimetz, Diplom-Psychologin beim „Service Information et Prévention de la Ligue“.

„Depression ist eine verbreitete Erkrankung. Manchmal tritt sie ohne erkennbaren Grund auf. Manche bemerken erst, dass sie ein ernsthaftes Problem haben, wenn sich die Erkrankung negativ auf ihren Alltag auswirkt oder das Leben sinnlos erscheint. Innere Leere, Hoffnungslosigkeit sowie Verlust von Interesse sind Hauptfaktoren einer Depression. Doch das heißt nicht, dass das für Außenstehende klar erkennbar ist, das ist trügerisch. Für Angehörige und Freunde kann es erst sichtbar werden, wenn sich Betroffene zurückziehen und alles, sich und die Welt, sehr negativ sehen. Es kann auch sein, dass sie reizbar, aufgeregt und rastlos sind.

Wenn noch eine andere psychische Komorbidität besteht, also weitere Erkrankungen wie Suchtverhalten oder Angststörungen hinzukommen, erschwert sich die Behandlung. Schließlich handelt es sich um eine gefährliche Krankheit des Gehirns: Mit der Dauer kommen andere psychische Störungen hinzu und je länger man wartet, umso mehr erhöht sich das Suizidrisiko. Deshalb ist es wichtig, so früh wie möglich in Behandlung zu gehen. Das erhöht den Erfolg enorm. Eine Behandlung ist auch deswegen wichtig, weil Betroffene ein erhöhtes Risiko für körperliche Beschwerden wie Herzkreislauferkrankungen, Migräne und Diabetes haben.

In der luxemburgischen Gesellschaft sind Depressionen immer noch ein Tabuthema oder werden noch nicht so ernst genommen, wie sie es sollten. Depression wird immer noch nicht als Krankheit gesehen, sondern als ein Sich-Hängenlassen verharmlost. Es ist eine Erkrankung vom Gehirn und bei den Betroffenen sind viele Schuld- und Schamgefühle vorhanden. Daher sind gut gemeinte Ratschläge schwierig, denn die betroffene Person hat ja schon für sich alles Mögliche versucht. Man sollte die Betroffenen darauf ansprechen und die Dinge, die derjenige sagt, annehmen und ihn ermuntern, sich professionelle Hilfe zu holen. Dann braucht es Geduld, eine Behandlung benötigt Zeit.

Wichtig ist aber auch die Erkenntnis, dass bei einer Depression die Chancen auf Besserung sehr gut sind. Es gibt heute gute Behandlungsmöglichkeiten: Die Psychotherapie hat extreme Fortschritte gemacht und Antidepressiva sind verträglicher geworden. Mehr als 80 Prozent der Erkrankten kann geholfen werden.“

 

Informationen über Symptome, Behandlung und Therapie sowie ein Selbsttest und eine Liste mit Hilfsadressen unter www.prevention-depression.lu