LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

In Luxemburg gibt es gleich mehrere deutsche Wirtschaftsverbände - und neue Ansätze

Gestern Abend fand der Empfang der Deutsch-Luxemburgischen Wirtschafts-Initiative (DLWI) im Cerclé Cité statt. Das Grußwort sollte der deutsche Botschafter Heinrich Kreft sprechen, der verhindert war und das bedauerte. Häppchen, Crémant und Freundlichkeit waren angesagt. Und doch: Ganz so harmonisch ist es nicht.

Denn in Luxemburg gibt es eine Vielzahl von Wirtschaftsvertretern, die deutsche Interessen repräsentieren. Statt einer starken Stimme sind es gleich mehrere. Während es für ein Land wie Polen eine Außenhandelskammer (AHK) gibt, existiert für Deutschland ein Strauß an Initiativen, Vereinen und Verbänden.

Die älteste Vereinigung, die deutsche Interessen mit Luxemburg wahrnehmen soll, ist die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Außenhandelskammer (AHK Debelux), die bereits 1894 gegründet wurde. Sie verfügt über ein großes Büro in Brüssel mit einem guten Dutzend Mitarbeitern und ein weiteres, kleineres in Köln. Luxemburg - hier gibt es bis dato keine Vertretung - spielte bislang eine mehr als nebensächliche Rolle.

Auf dem Markt aber fehlte eine Struktur für den Austausch der Wirtschaftsteilnehmer. Deshalb setzte sich Krefts Vor-Vorgänger im Amt, Dr. Hubertus von Morr, für die Schaffung der Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsinitiative ein, die 2010 gegründet wurde. AHK konnte sie sich nicht nennen. Denn wer zum AHK-Netzwerk mit rund 130 Standorten in 90 Ländern gehört, wird in Berlin entschieden. Voraussetzungen sind Dienstleistungen und Selbstfinanzierung. Finanziert werden die AHKs zu rund 20 Prozent aus dem Wirtschaftsministerium, das allein 2017 rund 43,8 Millionen Euro im deutschen Haushalt dafür veranschlagte. Die DLWI gründete sich also als Initiative mit ehrenamtlichem Vorstand und Mitgliedsbeiträgen.

„Wir sind eine Netzwerkplattform“, betont DLWI-Präsident Ralf Britten. Er hat selbst Erfahrung bei der AHK in Jakarta gesammelt und bringt diese ein. Britten und seine Vorstandskollegen setzen auf Kontakte und Veranstaltungen im Land. „Was fehlt ist eine außenpolitische Stelle, eine stärker Stimme der deutschen Wirtschaft in Luxemburg bei Bedarf“, weiß Britten.

Das sah auch Krefts Amtsvorgängerin Christine Gläser so. Ihr Versuch, den damaligen Hauptgeschäftsführer der AHK Debelux, Hans-Joachim Maurer, zu einer Zusammenarbeit mit der DLWI zu überreden, scheiterte allerdings. Maurer sah sich als alleiniger Interessenvertreter.

Mit dieser Haltung schlägt sich nun sein Nachfolger Hans-Wolfgang Busch herum, der eine ganz andere Haltung einnimmt als sein Vorgänger. „Mir ist klar geworden, dass man aus Belgien heraus nicht erfolgreich in Luxemburg agieren kann“, seufzt er. Seit gut eineinhalb Jahren führt Busch Gespräche. „Wir wollen mit der DLWI zusammenarbeiten. In welcher Form, hängt davon ab. Wir versuchen zunächst, gemeinsame Projekte zu identifizieren“, berichtet er. Immerhin, sagt der Mann aus Brüssel, mache er ja schon viel für luxemburgische Unternehmen, die in Deutschland aktiv sind. „Wir helfen ihnen in Köln beispielsweise mit der Lohn- und Gehaltsbuchhaltung.“

Busch weiß: Wäre sein Vorgänger aktiver gewesen, gäbe es die DLWI nicht. Jetzt aber ist sie da - und hat 130 Mitglieder in einem Land, in dem er elf Mitglieder zählt. Auch die Strukturen - hier Ehrenamt, dort Angestellte - passen nicht so recht. Und einer einfachen Fusion will die DLWI nach jahrelanger Kärrnerarbeit nicht zustimmen. Busch wiederum will nicht einfach ein Büro eröffnen, das er wieder schließen muss. „Es gibt Leute, die von einer eigenen AHK träumen. Aber das wird es nicht geben“, sagt Busch, der zuvor im Berliner Wirtschaftsministerium für den Bereich AHKs zuständig war.

Ein weiteres Problem ist das Angebot. Während AHKs woanders Geld mit Beratung machen, bieten die Handelskammer und die Handwerkskammer in Luxemburg dies schon lange gratis an. „Der konkrete Mehrbedarf für Beratung ist unklar“, meint DLWI-Präsident Britten.

Ein Interesse an Luxemburg hat auch die Industrie- und Handelskammer Trier. Deren Hauptgeschäftsführer Dr. Jan Glockauer, der vom Bodensee kommend bereits Erfahrungen mit grenzüberschreitenden Maßnahmen gesammelt hat, hat im vergangenen Jahr zwei Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftsabende veranstaltet. „Die Hälfte der rund 150 Gäste kam aus Luxemburg“, freut er sich. Die IHK hat eigens eine Gesellschaft namens „eic trier - IHK/HWK Europa- und Innovationscenter“ gegründet. „Auch wegen des Bedarfs aus Luxemburg“, wie Glockauer versichert. Seine Vorstellung: Busch und die AHK DeBeLux könnten das Angebot der eic bewerben.

Britten, Busch und Glockauer reden miteinander. Doch neben ihren Verbänden gibt es seit Februar 2017 auch noch einen Ableger des CDU-nahen Wirtschaftsrates in Luxemburg. Deutschland ist nicht umsonst das Land mit der höchsten Vereinsdichte der Welt.

Der derzeitige deutsche Botschafter Kreft ist an einer „Stärkung der Präsenz der deutschen Wirtschaft in Luxemburg interessiert und an einer Fortsetzung der engen und guten Zusammenarbeit mit den entsprechenden luxemburgischen Institutionen“. Kurz: Am liebsten hätte er einen Ansprechpartner.

Doch der deutsche Verbandsknoten wird sich so schnell nicht lösen. Aber immerhin stehen die Zeichen jetzt auf Kooperation. Eine Zusammenarbeit und möglicherweise sogar ein eigenes Büro sind denkbar; zumindest bei den Hauptakteuren. Für die Unternehmen beider Länder ist das in jedem Falle positiv.