LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Gestern fiel der Startschuss für den Aufbau von 800 „Chargy“-Ladestationen bis 2020

Früher fuhr man mit dem „Charly“ durchs Land, ab dem kommenden Frühling wird es der „Chargy“ sein, der den elektrischen Automobilen das Überlandfahren ermöglicht.

Schluss mit den Wortspielen. Was lange als überzogene Idee belächelt wurde, wird jetzt Realität. Der Aufbau von landesweit 800 Ladestationen, die jeweils die Batterien von zwei Elektrofahrzeuge aufladen können, hat begonnen.

Gestern wurde die erste der „Chargy“-Stationen von Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) und Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch („déi gréng“) auf dem Parkplatz der Zentrale des Stromversorgers Creos in Strassen eingeweiht.

Ein Konsortium von fünf Stationen

Hinter dem Verteilernetz „Chargy“
steckt ein Konsortium von fünf privaten und kommunalen Unternehmen, bestehend aus den Netzbetreibern Creos, Südstroum (Stadt Esch/Alzette), Electris (Stadt Mersch) und den Städten Ettelbrück und Diekirch.

Nachdem jetzt die ersten zehn Stationen für eine Testphase geliefert wurden, sollen bis 2020 alle vorgesehenen 800 Stationen in Betrieb gehen. Insbesondere im Rahmen der großen Infrastrukturprojekte, wie dem P+R „Héienhaff“ am Flughafen. Auch an anderen Knotenpunkten, die das multimodale Mobilitätskonzept vorsieht, sollen Ladestellen realisiert werden.

Die Stationen sind auf Ladekapazitäten von 3,7 bis 22 Kilowatt ausgelegt. Der Wermutstropfen liegt derzeit noch im Missverhältnis zwischen angemeldeten vollelektrischen Autos - 900 - und den geplanten 1.600 Ladeplätzen.

Der Netzbetrieb wird über die gesamten Netzkosten abgerechnet, der Verbrauch des ausschließlich „grünen“ Stroms muss über den, vom Autobesitzer ausgewählten, Dienstleister abgerechnet werden. Für Inländer kann das über die häusliche Stromrechnung erfolgen, für Grenzpendler mit Hilfe von Prepaid-Karten oder ähnlichen Systemen.

M-Kaart als Allroundmittel

Die „Chargy“-Ladestationen selbst werden mit einer „M-Kaart“, der so genannten Mobilitätskarte aktiviert. Die „M-Kaart“ wird nach den Vorstellungen von Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch zu einer echten Mobilitätskarte, die nicht nur die Nutzung von Bussen und Bahnen erlaubt, sondern auch die Teilnahme am Car-Sharing, Zufahrt zu den P+R-Plätzen und ab dem Frühjahr 2017 auch das Aufladen der eMobile möglich macht

Teil einer Rifkin-Empfehlung

Für Wirtschaftsminister Schneider gehört die Förderung der Elektromobilität zu den 229 Empfehlungen der „Rifkin-Studie“ um Wachstum und Erhalt der Lebensqualität in Luxemburg unter einen Hut zu bringen. Er räumte aber ein, dass in Sachen Netzausbau und Digitalisierung der Stromkapazitäten noch einiges zu tun bleibt, damit beim Aufladen vieler Elektroautos das Stromnetz keinen Zusammenbruch erlebt.

Leasing-Firmen als Vorreiter

Nach Auskunft von Minister Bausch warten die großen Leasing-Firmen, 50 Prozent der luxemburgischen Autos seien geleast, nur auf einen entsprechenden Startschuss, der spätestens mit der Steuerreform komme, um ihren Kunden ganze Flotten mit Elektroantrieb anzubieten. Bausch kündigte noch für Dezember einen großen Event rund um das eAuto an.