LUXEMBURG
NANCY LAMBERT

„Girls in ICT Day“ soll junge Frauen zur Arbeit im IKT-Sektor ermutigen

Jobs im IKT-Bereich (Informations- und Kommunikationstechnik) sind in Europa bei Frauen weiterhin unbeliebt: Von den 8,4 Millionen Angestellten im IKT-Sektor sind gerade einmal 17 Prozent Frauen (Stand: 2017). Wie eine rezente Studie des europäischen Statistikamts Eurostat ergeben hat, liegt Luxemburg mit 12,5 Prozent deutlich unter dem Europadurchschnitt. Um vor allem Schülerinnen auf dieses Ungleichgewicht aufmerksam zu machen und neue Talente zu fördern, fand am Donnerstag im „Lycée des Arts et Métiers“ der internationale „Girls in ICT Day“ statt - Konferenzen und Workshops inklusive.

Das volle Programm

In Anwesenheit von Lydia Mutsch, Ministerin für Chancengleichheit, Vera Jourová, EU-Justizkommissarin, und zahlreichen Experten aus dem IKT-Sektor fanden am Donnerstagnachmittag sechs unterschiedliche Workshops statt. Die Teilnehmerzahl war auf 50 Mädchen und junge Frauen zwischen 13 und 19 Jahren begrenzt. Cathy (18), Schülerin des „Lycée Aline Mayrisch“, findet solche Workshops „wichtig“ und „interessant“ zugleich: „Man erfährt hier Informationen über ein Thema, das in der Schule kaum behandelt wird.“ Sie selbst hat sich beim Workshop „Cybersecurity“ angemeldet. Zusammen mit etwa einem Dutzend weiteren jungen Frauen nimmt sie zuerst an einem Multiple-Choice-Quiz teil, in dem das Allgemeinwissen zum Thema Cyberkultur getestet wird und Begriffe wie „Phishing“, „Spyware“ und „Social Engineering“ erläutert werden. Anschließend sollen die Schülerinnen sich selbst googeln, um herauszufinden, welche persönlichen Informationen für die Öffentlichkeit sichtbar sind. Das Ziel der interaktiven Aktivitäten besteht darin, zu lernen, wie man online am besten seine Privatsphäre schützt und Hackerangriffe vermeiden kann.

Das Thema „Cybersecurity“ ist allerdings nur ein kleiner Bestandteil des „Girls in ICT“-Tages. Auf dem Programm stehen unter anderem auch Videospieldesign, Robotik und 3D-Printing. Am letzteren Workshop nimmt Elisa (16) aus Italien teil. „Ich interessiere mich für die 3D-Projektion von Bildern und würde gerne lernen, wie man 3D-Programme bedient“, erklärt sie. Gefolgt werden die Workshops von einer Konferenz, die nicht nur den Schülerinnen, sondern auch Eltern, dem Lehrpersonal und Interessierten ermöglicht, sich über Experten des IKT-Bereichs zu informieren. Die Konferenz wurde von der gemeinnützigen Organisation WIDE (Women in Digital Empowerment) veranstaltet, die sich für die Förderung der Talente junger Frauen im IKT-Bereich einsetzt.

Frauen und Technik - Ja, das geht!

Auch Vera Jourová und Lydia Mutsch unterstützen diese Initiative. „Wenn ich mich mit Angestellten des IKT-Bereichs unterhalte und sie frage, weshalb sie fast keine Frauen einstellen, antworten sie mir: ‚Wir brauchen unbedingt mehr Frauen‘“, erzählt Vera Jourová. An Frauen fehle es vor allem, wenn es darum ginge, neue Ideen vorzuschlagen oder zu erweitern. Lydia Mutsch zufolge dürfe der Mangel an Frauen im IKT-Sektor nicht mit Klischees verwachsen sein: „Wenn junge Frauen sich beruflich den Stereotypen anpassen würden, dann würden jede Menge junge Talente verloren gehen.“ Es sei daher enorm wichtig, Frauen im IKT-Sektor zu unterstützen, da sie für andere Frauen oder Mädchen ein Vorbild darstellen. Außerdem nehme der IKT-Bereich in der Ökonomie einen immer wichtigeren Stellenwert ein.

Doch wie viele der an den Workshops teilnehmenden Mädchen sind wirklich dazu bereit, später einen Beruf im IKT-Sektor auszuüben? Bei dieser Frage gehen die Meinungen der Schülerinnen auseinander. Cathy sieht sich nicht im IKT-Sektor. Zwar befürworte sie die Workshops, doch um als IKT-Beschäftigte durchzustarten, fehle es ihr an Interesse und Begeisterung. Elisa kann sich dagegen durchaus vorstellen, IKT-Beschäftigte zu werden. Sie habe sich noch nicht auf einen bestimmten Beruf festgelegt, doch auf der Liste ihrer möglichen Berufsziele stehe „Ingenieurwesen, erneuerbare Energie und Produktdesign“.


Mehr Informationen unter www.wide.lu