LUXEMBURG
SVEN WOHL

DVD-Kritik:The Dark Knight Rises

Der Nachfolger einer der wichtigsten Filme der letzten Jahre zu sein ist nicht einfach. Der Nachfolger zu einem genredefinierenden Epos zu sein ist ähnlich schwierig. „The Dark Knight Rises“ konnte wenigsten an den Kinokassen überzeugen. Doch wie steht es mit der inhaltlichen Seite?

Viel Text, wenige Aussagen

Der Films setzt sieben Jahre nach dem Vorgänger an. Gotham ist, mithilfe eines auf Lügen aufgebauten Gesetzes, weitgehend von Verbrechen gesäubert. Batman ist in Rente, weil des Mords verdächtig und eigentlich könnte alles schön und gut sein, wenn da nicht der Söldner Bane wäre. Bane gehörte, wie Batman auch, zur Schattenliga und hat, wie soll es anders sein, nichts gutes im Sinn für Gotham City. So verwundert es nicht, wenn diese sich schnell unter der Besatzung seiner Privatarmee befindet.

Was folgt ist die übliche Aufstiegsstruktur: Der zurückgezogen lebende Bruce Wayne muss überzeugt werden, wieder zu Batman zu werden. Das wäre an und für sich spannend, wenn es nicht schon vorher geschehen wäre. „Batman Begins“, der Start der Trilogie, beschäftigte sich ausführlich mit dem Thema, wie man eigentlich zu Batman wird. Den Zuschauern zu zeigen, wie Bruce Wayne wieder in die Rolle zurückfindet, wirkt dann ein wenig uninspiriert. Trotzdem macht Bane den Anfang des Filmes spannend, vor allem weil man noch nicht wirklich weiß, worauf es hinausläuft und vor allem, weil er sich konzeptuell sehr stark vom Joker des Vorgängers unterscheidet. Bane wirkt kühl und berechnend. Zudem besitzt er, eben gerade im Gegensatz zum Joker, eine enorme physische Präsenz. Seine Muskelberge kontrastieren zudem mit seinem Intellekt und seiner Rhetorik, die frisch aus der „Occupy Wallstreet“-Bewegung zu stammen scheint. Tatsächlich schreibt sich das Drehbuch der Nolan-Brüder in diese Diskurse ein, wobei es der Handlung in dieser Hinsicht enttäuschenderweise an Subtilität mangelt. Alles wird sehr direkt deutlich gemacht, es gibt keine wirkliche Kommentarebene und es wird nichts ausgelassen oder doppeldeutig gemacht. Der Film berührt zahlreiche Themen, für die er dann blind ist.Das lässt die Handlung leider sehr stark abflachen. Das ist natürlich schade, denn Bane ist ein imposanter und anziehender Antagonist, der mit der Zeit nur an Tiefe gewinnt.

Dreifach gemoppelt hält besser?

Aber zurück zum eigentlichen Problem des Filmes: Dem Thema des Aufstiegs. Dieses wird nämlich auf drei mal ausgespielt. Einmal gleich zu Beginn, wo Batman wieder Batman wird, dann nochmal in der gesamten Mitte des Films, wo Bruce Wayne seinen gebrochenen Rücken ausheilt und, im wahrsten Sinne des Wortes, aufsteigen muss, um wieder Batman werden zu können. Der Aufstieg des Batman-Nachfolgers ist hingegen der gekonnteste Zug der Geschichte, auch wenn er dem Ende seiner tatsächlichen Finalität beraubt. Dieser Aufbau hat zur Folge, dass die Handlung repititiv wirkt und Batman zu kurz kommt. Für den Rest des Films sieht man nur Bruce Wayne und den jungen Cop, der versucht, in der besetzten Stadt eine Resistenz aufzubauen. Ein Batman-Film, der zu wenig Batman hat, verfehlt schon irgendwo das Thema.

Dennoch ist der Film spannend, gut gespielt und gelegentlich hat man sogar den Eindruck, dass Nolan den einen oder anderen Batman-Comic gelesen hat, um sich zu inspirieren. Seine Interpretation der Bane-Figur übertrifft alles bisher Dagewesene und setzt Akzente für den gesamten Film. Außerdem sind die Kampfszenen das Beste, was in der Trilogie zu sehen war. Endgültig verschwunden sind die wackeligen Prügeleien aus „Batman Begins“! Trotzdem enttäuscht das Ende der Trilogie, auch wenn es sich, gegenüber den Batman-Filmen der 1990er, um einen der Besseren handelt. Innerhalb der Trilogie ist es auf jeden Fall der schwächste und kann, vor allem wegen der Handlung , nicht wirklich überzeugen.