LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Eine Gender-Konferenz betonte die Vorteile für Unternehmen mit Chefinnen

Als Aude Lemogne anfing zu arbeiten, war jeder Gang zur Toilette eine Tortur. Sie musste durch einen Saal, in dem sie 2.999 Konkurrenten anstarrten - alles Männer. Es hagelte sexistische Bemerkungen von allen Seiten. „Ich war 1999 die erste Traderin in New York“, berichtet sie. Lemogne reichte es eines Tages und sie bewarb sich bei einem Hedge Fonds, wo sie für ein Portfolio von 300 Millionen Dollar verantwortlich war. „Der Manager sagte mir, jeder Mann in New York wolle diesen Job. Er würde ihn mir geben - aber mir viel weniger zahlen.“

Lemogne war gestern eine der Rednerinnen auf der Veranstaltung „Invest Differently - The Women Effect, investing with a gender Lens“, die mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums und der Europäischen Investitionsbank (EIB) in den Räumen der letzteren stattfand. Es ging darum, was Investitionen in Frauen bringen; sowohl in Entwicklungsländern als auch in Industrieländern und was sich dadurch erreichen lässt. Gastrednerin Suzanne Biegel, die nach einer Karriere bei Konzernen und Start-ups zur Angel Investorin wurde, trat dafür ein, Gender-Fragen als Vorteil zu sehen. Dafür gebe es viele gute Gründe, sagte die Rednerin aus Großbritannien, die auch die Nike Stiftung berät.

Höhere Rendite, weniger Risiko

„Öffentliche Unternehmen mit Frauen im Vorstand erzielten einen um 46 Prozent höhere Eigenkapitalrendite und ein um 51 Prozent höheres EBIT, also Vorsteuergewinn“, erklärte sie vor den rund hundert Gästen des hochkarätig besetzten Saales. Es waren in der Mehrzahl Frauen, die gekommen waren. Biegel machte klar, dass Gender-Fragen kein Thema eines Quoten-Feigenblatts mehr sind. „Das wird zu einem relevanten Standard.“ Schon jetzt würden Unternehmen wie Robecosam, Ellevate, U.S. Trust, Morgan Stanley, Bloomberg, Aperico oder Equileap den Gender-Aspekt zu ihren Auswahl-Kriterien zählen. „Dabei geht es weniger darum, USB-Aufladegeräte in Form einer roten Puderdose mit Beleuchtung herzustellen“, resümierte Biegel, in dem sie ein solche Produkt dem amüsierten Publikum zeigte, „sondern darum, Frauen Produkte designen zu lassen, die sie selbst benutzen wollen würden.“

Veranstalter des Events war der 2009 gegründete „Luxembourg Microfinance and Development Fund“ (LMDF), hinter dem der Staat, ADA sowie etliche luxemburgische Finanzinstitutionen wie die Banque International à Luxembourg (BIL), Quilvest, Foyer, Spuerkeess oder die Banque de Luxembourg stehen. Der LMDV finanziert Frauenprojekte in Entwicklungsländern. „Dort sind mehr als 70 Prozent der Kleinunternehmen von Frauen unterversorgt mit Kapital“, gibt LMDF-Direktor Kaspar Wansleben zu bedenken.

Den Teilnehmerinnen des Panels ging es aber auch um die Situation in Luxemburg. „Im sozialen Bereich arbeiten viele Frauen. Aber die Entscheider sind in der Mehrheit noch immer Männer“, stellte beispielsweise Claudine Lorang fest. Nach einer Karriere im Finanzwesen arbeitet sie nun in leitender Position für das Œuvre Grand Duchesse Charlotte, sitzt aber auch in einer Reihe von Verwaltungsräten. Dort hat sie festgestellt: „Männer denken in schwarz und weiß, nicht in Grautönen. Frauen beachten andere Aspekte und stellen andere Fragen.“

Sarah Khabirpour, die in ihrer Eigenschaft als Strategie-Vorstand der BIL am Panel teilnahm, betonte, dass die Diskussion mit den Männern geführt werden müsse. „Wir müssen Männer viel mehr in die Diskussion einbeziehen, damit sie das positiv sehen können und verstehen.“

Aude Lemogne regte an, dass persönliche Erfahrungen wichtig seien und deshalb viel mehr Männer im Top-Management die Möglichkeit haben sollten, das Mentor zu arbeiten. Der Vorschlag fand allgemeine Zustimmung.

Hintergrund

Frauen in Luxemburg

- 11 Prozent weibliche Vorstände und Aufsichtsräte
- 23 Prozent Anteil Frauen in Regierungsämtern
- 24 Prozent Gehalt weniger für Frauen als für Männer im Durchschnitt
- 25 Prozent der öffentlichen Management-Positionen in der öffentlichen Verwaltung
- 52 Prozent der Frauen zwischen 30 und 34 Jahren haben einen höheren Schulabschluss
- 64 Prozent der Frauen in Luxemburg arbeiten

#InvestDifferently