LUXEMBURG
MARIA WIMMER

Amir Vesali (19), frisch gewählter Präsident des Jugendparlaments, stellt neuen Vorstand vor

Eines der Ziele des Jugendparlaments war es, mehr Jugendliche mit ausländischen Wurzeln zur Mitarbeit zu bewegen - und das ist geglückt. Rund ein Viertel der etwa 180 Mitglieder stammen nicht aus Luxemburg - neuerdings auch der frisch gewählte Präsident Amir Vesali, der sich und die Ziele des neuen Vorstands (siehe Infokasten) gestern bei einer Pressekonferenz in der Abgeordnetenkammer vorgestellt hat. Der 19-jährige Amir Vesali kam mit elf Jahren aus dem Iran nach Luxemburg und wird den bisherigen Präsidenten Elisha Winckel ablösen. Gewählt wurde das neue Exekutivbüro beim großen Gipfel („Sommet“) vor einer Woche. Insgesamt hatten sich drei Jugendliche um das Präsidentschaftsamt beworben, einer hatte jedoch seine Kandidatur wieder zurückgezogen. Schließlich setzte sich Amir Vesali, der das „Lycée du Nord“ in Wiltz besucht, gegen Clémentine Rixhon durch, die aber ebenfalls in den Vorstand gewählt wurde. Amir Vesali ist seit 2014 Mitglied des Jugendparlaments, weil er beweisen möchte, dass Jugendliche sich sehr wohl für Politik interessieren. „Jugendliche wollen gehört werden“, ist er überzeugt.

Jugendparlament setzt auf Snapchat

Aber auch Integration hält Amir für ein wichtiges Thema - sein Vater flüchtete aus politischen Gründen mit der Familie aus dem Iran, so dass Politik ihn schon seit seiner Kindheit beschäftigt. Inzwischen hat Amir die luxemburgische Nationalität und will Vorurteile entkräften und zeigen, dass Menschen, die nicht von hier sind, sehr wohl Luxemburger sein können und wollen. Das Präsidentschaftsamt sieht er als große Herausforderung an, weil „viel zu tun ist“ und er noch dazu im kommenden Jahr sein „Bac“ am „Lycée du Nord“ machen wird. Danach will er Medizin oder Politikwissenschaft studieren. „Viele Jugendliche haben das Gefühl, keine Stimme zu haben. Die Meinung der Jugendlichen muss ernst genommen werden. Zudem wollen wir die Botschaft des Jugendparlaments stärker nach außen tragen“, sagt Amir.

Loris Laera (17) ist ebenfalls zum ersten Mal im Vorstand, war jedoch schon vorher für das Media-Team und die mediale Kommunikation verantwortlich. Im Vorjahr gab es demnach zwei Neuerungen: Das Jugendparlament setzte vermehrt auf Snapchat, um Jugendliche zu erreichen. „Für Jugendliche ist es meist interessanter, sich ein Video anzuschauen, in der jemand etwas erklärt, als sich vier Seiten Dokumente durchzulesen“, meint Loris. Die kurzen Videos, die nur ein paar Sekunden sichtbar sind, wurden meist nach Sitzungen verschickt und wären sehr gut angenommen worden, weitaus besser als der Newsletter, weshalb man dann stärker auf dieses Format gesetzt hätte. Zudem hat das Jugendparlament Ende April zum ersten Mal eine einstündige Radiosendung auf Radio Ara präsentiert, die nächste ist Ende Juli geplant. In der ersten Sendung wurde unter anderem ein Interview mit dem LSAP-Abgeordneten Marc Angel gesendet, in dem er zum Austausch mit dem Jugendparlament und den drei verabschiedeten Resolutionen befragt wurde.

Lob von Chamber-Präsident Di Bartolomeo

Die drei Resolutionen wurden bei der Pressekonferenz ebenfalls kurz vorgestellt. Darunter eine siebenseitige Resolution, die einen möglichen EU-Beitritt der Türkei kritisch beleuchtet und sich mit der Frage des Rechtsstaates und der Menschenrechte in dem Land auseinander setzt. Chamber-Präsident Mars Di Bartolomeo zeigte sich beeindruckt von der „seriösen Arbeit“ an „sensiblen Themen“ wie der Türkei-Resolution und lobte die gute Recherche sowie die „ausgeglichene, nicht einseitige Herangehensweise“.

Eine weitere Resolution setzt sich mit der Rolle der Sprachen im luxemburgischen Schulsystem auseinander. Sie fordert unter anderem eine Stärkung der internationalen Sprache des Englischen, aber auch eine bessere Vermittlung der luxemburgischen Sprache, erklärte Loris Laera, der zudem mehr optionale Sprachkurse forderte.

Mediale Präsenz des Jugendparlaments stärken

Die dritte Resolution, entstanden nach der Ablehnung des Wahlrechts ab 16 in dem Referendum vom Juni 2015, fordert eine stärkere Einbindung von Jugendlichen ins politische System sowie auch eine bessere Vorbereitung und Bildung darüber in der Schule.

Der neue Vorstand des Jugendparlaments will das Jugendparlament stärker in die Medien bringen und die Politik für Jugendliche „erreichbar“ machen, erklärte Clémentine Rixhon, die ebenfalls neu gewählt wurde. „Die Fußstapfen, in die wir treten, sind riesig. Es wird eine Herausforderung, das so gut zu machen“, sagte Loris Laera. Eine Vision des neuen Vorstandes sei, das Jugendparlament zu dezentralisieren, da es für Jugendliche aus dem Norden, wo auch der neue Präsident wohnt, schwierig sei, für ein paar Stunden nach Luxemburg zu kommen. Geplant seien Ausbildungen im Internet anzubieten („Webinare“) sowie Treffen über ein Wochenende („Weekender“) zu organisieren, damit die jungen Leute sich besser kennenlernen können. Auch der Austausch mit Schulklassen soll verstärkt werden.