DUBAI
CORDELIA CHATON

Luxemburg unterzeichnet als erstes Land die Teilnahme an der Weltausstellung Dubai 2020

Aus dem weißen Sand ragen Kräne, erste Eisengeflechte wachsen aus Betonpfeilern empor, eine Metrolinie entsteht gleich daneben. Die Baustelle für die Weltausstellung in Dubai 2020 hat begonnen. Luxemburg ist nicht nur dabei, sondern unterzeichnete gestern als erstes Land seine Teilnahme an der Weltausstellung. Es soll eine Expo der Superlative werden, mit mehr 180 teilnehmende Nationen. Das Ereignis steht unter dem Motto „Connecting minds, creating the future“ und befasst sich mit den drei Themen „Opportunity“, „mobility“ und „sustainability“. 25 Millionen Besucher werden erwartet.

Wirtschaftsminister Etienne Schneider, der zu Zeit mit einer Delegation in Dubai und Abu Dhabi unterwegs ist, kam gemeinsam mit Infrastrukturminister François Bausch und der Expo-Beauftragten Maggy Nagel zur Unterzeichnung auf das Messegelände nach Dubai, an der auch Erbgroßherzog Guillaume und seine Frau Stéphanie sowie von der Seite der Vereinigten Arabischen Emirate Scheich Ahmed bin Saeed Al Maktoum als Präsident des Expo-Leitungskomitees sowie ihre Exzellenz Frau Reem Al Hashimy als Generaldirektorin der Expo teilnahmen.

Im Gepäck hatte Schneider zwei Neuigkeiten: Der Pavillon wird nach der Messe zurück nach Luxemburg kehren und dort als Space Agency dienen. Darüber hinaus soll ein Wettbewerb an Schulen die Themen der Expo und Nachhaltigkeit in Luxemburg bekannt machen und Siegerklassen den Weg nach Dubai ermöglichen.

Während Luxemburg bei der Expo in Mailand nicht dabei war, will die Politik an Dubai gern teilnehmen. „Hier passen die Themen“, betont Schneider. „Wir wollen unsere Erkenntnisse und Modelle präsentieren und natürlich über unsere Erfahrung mit Rifkin sprechen.“

Teurer als gedacht

Bausch bedauerte, dass der Pavillon des Architekten Sharham Agaajani von Metaform zehn bis 15 Prozent teurer als geplant geworden sei. Grund seien die Baukosten, die in Dubai höher lägen. Andere Quellen sprechen sogar von bis zu 30 Prozent mehr. „Aber wir haben das neutralisiert“, versichert Bausch. Das Grundstück sei jetzt etwas kleiner als die geplanten 3.500 Quadratmeter. Dort soll nach einer europaweiten Ausschreibung 2019 mit dem Bau begonnen werden. Als Budget sind bislang 31 Millionen Euro geplant, ursprünglich waren es 25 Millionen Euro. Je 2,5 Millionen Euro kommen von den drei Hauptsponsoren SES, Post Luxembourg und der Handelskammer. Aber anders als in Shanghai soll nicht jedes Unternehmen, das mitmacht, Produkte ausstellen. „Es geht eher darum, eine Zukunftsvision zu erklären, kombiniert mit Heimat und was das bedeutet“, erläutert Schneider. Zur Erinnerung: der Pavillon in Shanghai hatte insgesamt 15 Millionen gekostet. Sechs Millionen aus dem alten Budget sind über und kommen Dubai zugute. Weltausstellungen haben sich verändert von der Leistungsshow der Industrie hin zu einem Wettstreit der Konzepte. Schneider sieht die Expo 2020 auch als Vitrine für das Land und Möglichkeit des Nation branding. „Wenn nur acht Prozent der geschätzten 150.000 Besucher täglich zu uns kommen, wäre das gut“, ergänzt Nagel. Immerhin hat Luxemburg sich ein Eckgrundstück in der Nähe eines der vier Eingänge gesichert.

Derzeit gibt es mehrere Arbeitsgruppen dazu, was im Pavillon zu sehen ist. „Die Besucher sollen alle fünf Sinne nutzen, um unser Land zu entdecken“, meint Nagel. Sie setzt auf ein Kulturprogramm, das sieben verschiedene Bereiche wie Tanz, Musik oder Film abdeckt, aber auch auf Gastronomie. Von Horesca über die Hotelschule bis zu Eurotoques sollen viele luxemburgische Institutionen eingebunden werden. Auch das Thema digitale Gesundheit könnte von der Universität vorbereitet werden. Da über 70 Prozent der Besucher nicht aus Europa kommen werden, muss auch deren Kultur berücksichtigt werden. In Dubai selbst gibt es eine sehr internationale Gastroszene.

Charta für Sozialstandards

Im Hinblick auf Nachhaltigkeit unternimmt der Wüstenstaat viel. Das Wasser kommt aus Entsalzungsanlagen, der Strom von Solarpanels, der Straßenschotter für die 17 Kilometer Straßen auf dem Gelände ist Bauschutt. Jeder Investor verpflichtet sich, soziale Standards für die Bauarbeiter einzuhalten. Derzeit arbeiten 7.000 Bauarbeiter auf dem Gelände, wo zur Zeit im Wüstenwinter 36 Grad Celsius bei hoher Luftfeuchtigkeit herrschen. Im Sommer können es 50 Grad werden - und bis zu 30.000 Bauarbeiter werden erwartet. Dubai will keine Negativschlagzeilen, wenn die Expo am 20. Oktober 2020 für sechs Monate öffnet. Der Wüstenstaat feilt selbst an seinem Image. Laut einer Umfrage ist er jetzt „Happiness State“. Die Expo-Beauftragte Nagel meinte, dass Dubai die Expo als Chance nutzt. „Ich selbst habe auch ein anderes Bild, seit ich hier mit den Menschen arbeite.“

www.expo2020dubai.ae