LUXEMBURGSVEN WOHL

„Koppeges & Bosseges“ von Henri Losch

Wer Henri Loschs „Koppeges & Bosseges“ nach dem Durchlesen
zuklappt, der wird sich wahrscheinlich fragen, ob nicht doch vielleicht die eine oder andere Geschichte schlicht erfunden war. Der Autor schildert, wie er vorgibt, jedenfalls seine eigenen Erfahrungen als Lehrer im Großherzogtum in der Nachkriegszeit und erzählt dabei allerlei kleine Ereignisse, die nicht immer etwas miteinander zu tun haben, aber doch interessante Einblicke gewähren.

Hohes sprachliches Niveau

Einblicke, die durchaus wertvoll sind, vor allem dann, wenn man diese Zeit selbst nicht miterleben konnte. Losch ist in seinen Beschreibungen nicht allumfassend, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche. Im Rampenlicht stehen wohl die diversen illustren Figuren, die ihm während seiner Laufbahn begegnet sind, seien dies nun Leute aus den Dörfern, Kollegen oder seine Schüler - Unikate waren überall zu finden und mit ihnen entstehen die bemerkenswertesten Geschichten, die meist leicht ironisch verklärt dem Leser schmackhaft gemacht werden. Losch beherrscht die luxemburgische Sprache dabei auf einem bemerkenswert hohen Niveau, das nur sehr schwer zu vergleichen und von einer überaus sicheren Wortwahl geprägt ist, die sich fast nie im Ton vergreift. Dabei verliert sich der Erzähler allerdings oft genug in allzu ausschweifendem Erzählen.

Unaufdringlich

Gelegentlich lässt sie eine gewisse kritische Reflexion vermissen, was dem ein oder anderen Leser den Vorteil bieten mag, nicht allzu schwer die Ereignisse präsentiert zu bekommen, die mitunter durchaus ernster Natur sind. Für Jugendliche ist die im Buch geschilderte Vergangenheit ohnehin nicht wesentlich näher an unserer Gegenwart als der handelsübliche Fantasy- oder Science-Fiction-Roman es ist. Umso wertvoller natürlich die Schilderungen vom Dorf- und Schulleben, komplett mit den damals noch sehr eingeschränkten Transportmöglichkeiten, die sich einem damals boten.

Nicht alle Geschichten sind gleich lesenswert, einige Längen kommen durchaus vor, aber die kurz gehaltenen Kapitel erleichtern den Lesefluss natürlich allgemein. Einige Passagen vermitteln kurzzeitig ein „früher war es besser“-Gefühl, doch wirklich aufdringlich ist diese Note nicht. Damit ergibt sich hier eine einzigartige literarische Zeitreise, die sich mit etwas mehr Reflexion zu einem Klassiker hätte mausern können..