SVEN WOHL
LUXEMBURG

RFID sind fast überall zu finden – welche Vorteile oder Gefahren bringt die Technik mit sich?

RFID-Chips kommen in unzähligen Bereichen zur Anwendung. Doch was kann man sich alles von der Technologie versprechen und wie steht es um ihre Zukunft? Um uns davon einen Eindruck zu machen, führten wir ein Gespräch mit Professor Benny Mantin, Direktor des „Luxembourg Centre for Logistics and Supply Chain Management “(LCL) der Universität Luxemburg.

 

RFID werden als sehr vielfältige Geräte beschrieben. Was können die eigentlich alles?

Prof. Benny Mantin  RFID gibt es bereits seit einiger Zeit und es gab mehrere Phasen der Implementierung. Für Unternehmen ist es zunächst interessant, sich einen Überblick zu verschaffen, wie ihr Inventar aussieht.

Die nächste Stufe besteht daraus, zu wissen, wo sich das Inventar entlang der Wertschöpfungskette befindet. In diesem Fall ist es möglich, den RFID-Sender zu orten.

Eine Stufe weiter sind die RFIDs dann mit Sensoren ausgestattet.  Dann weiß man nicht nur über das Inventar Bescheid, sondern beispielsweise auch über die Temperatur.

 

Wie sieht es da mit der Sicherheit aus?

Prof. Mantin  Innerhalb eines Unternehmens ist das nicht wirklich ein Problem, weil man nicht davon ausgeht, dass jemand ins Lager kommt, um dein RFID-Tag abzulesen. Eher, wenn sich die RFID außerhalb des Firmengeländes befinden. Wenn da jemand nah genug kommen kann, besteht schon ein Problem. Die Firmen müssen hier abwägen, wofür sie RFID benutzen, und welche Informationen hier vorhanden sind, ehe man zu viel von sich Preis gibt.

Es hängt auch vom Funktionsbereich des Tags ab. Wenn diese beschrieben werden können, dann kann es Probleme geben – etwa dann wenn Übertragung abfangen wird.

 

Für das Internet der Dinge ist RFID sehr wichtig. Kommen die unterschiedlichen Standards miteinander zurecht?

Prof. Mantin  Es gibt viele unterschiedliche Akteure und wir stehen vor einer neuen Phase, in der alles mit dem Internet verbunden ist.  Es ist jedoch schwierig vorherzusagen, wie sich das entwickeln wird. Es gibt viele verschiedene Techniken und jeder möchte dominieren. Unternehmen versuchen auch, intern ihre eigenen Standards zu nutzen, doch sobald man sich außerhalb des Unternehmens befindet, muss man sich auf Standards einigen.

Es wird auch in Deutschland aktuell danach geforscht, Blockchain-Technologie hier einzubauen. Dadurch würden die einzelnen Einheiten des Inventars unabhängiger agieren, wovon man sich neue Lösungsansätze verspricht.

 

Welche Begrenzungen ergeben sich für die RFID-Technologie?

Prof. Mantin Eine Frage, die geklärt werden muss, ist: Wem gehören die Daten? Da lassen sich unzählige Bereiche vermuten, wo dies zum Problem wird. Nehmen wir an, ein Arzt empfiehlt seinem Patienten, regelmäßiger joggen zu gehen. Ein RFID-Chip in den Schuhen könnte die Aktivität messen. Doch früher oder später wird die Versicherung auf diese Daten zugreifen. Wenn die feststellen, dass Sie nicht genug trainiert haben, obwohl es der Arzt verschrieben hat, wäre es denkbar, dass die Versicherung die Zahlung von Therapien verweigert.

 

Wie passen da Bodyhackers, die sich selbst Chips in den Körper einfügen, rein?

Prof. Mantin Es ist schwer zu sagen, ob sich die Menschen damit anfreunden könnten, sich so etwas dauerhaft implantieren zu lassen. Viele Menschen sind da eher vorsichtig. Doch Unternehmen könnten Wege finden, es einem schmackhaft zu machen.

Ein Beispiel dafür findet sich in Disneyworld. Dort wollen sie mit einem Armband die Besucher verfolgen. Natürlich kann man immer noch ablehnen, doch sie lassen sich einiges einfallen, um es schmackhaft zu machen: Das Armband kann als Zahlungsmethode, als Schlüssel und dergleichen funktionieren, oder man darf nach vorne in die erste Reihe. Im Gegenzug erhält der Park dann die Lokalisierungsdaten und weiß zu jeder Zeit, wo man ist.

 

Ist damit eine neue Möglichkeit der Massenüberwachung geschaffen?

Prof. Mantin Massenüberwachung kann auf vielen unterschiedlichen Wege erreicht werde. RFID ist dafür nicht notwendig. Das Smartphone erreicht jetzt schon mehr: Man kann sie damit lokalisieren, man kann damit aufnehmen, mit wem sie sprechen, die Kameras lassen sich aktivieren und so weiter.  Hier geht die größere Gefahr von bereits bestehenden Technologien aus. 

Was ist RFID?

RFID („Radio-Frequency Identification) ist eine kontaktlose Technologie, bei der ein Funketikett Informationen an ein Lesegerät weitersenden kann. Der dafür benötigte Strom wird vom Lesegerät übertragen. Die Etiketten, auch Transponder genannt, sind klein, unauffällig und kostengünstig in der Produktion.

Anwendungsmöglichkeiten

- In der Logistik kommen die Chips zum Einsatz, um jederzeit zu wissen, wo sich gerade ein bestimmtes Paket befindet - Auch unsere heutigen Pässe für den öffentlichen Transport greifen auf eine Art des RFID zurück
- Wer kennt es nicht? Wurde der RFID-Chip nicht deaktiviert, geht das Piepen im Eingangsbereich des Ladens los
- Innovative Werbekampagnen dank RFID: Wer mit den Biergläsern anstößt, befreundet sich damit gleichzeitig bei Facebook
- In einigen europäischen Ländern ist der Personalausweis mit RFID-Chip bereits Normalität
- Um Nutztiere besser verwalten zu können, wird bereits seit Jahrzehnten auf RFID-Chips zurückgegriffen
- RFID-Chips können in den Patientenarmbändern schlummern, um eine Identifizierung zu erleichtern
-Wer seine interaktiven Elemente in Museen liebt, kommt nicht an den nützlichen Chips vorbei