COLETTE MART

Dieses Wochenende fand die 22. Ausgabe der Walferdinger Büchertage statt, traditionsgemäß einen Monat nach der Frankfurter Buchmesse, und hiermit kann Luxemburg mit einem zwar kleinen, aber doch erfolgreichen Buch-Event aufwarten, und den aktuellen Entwicklungen unserer Gesellschaft in Richtung digitale Medien und Oberflächlichkeit etwas entgegensetzen.

Die Welt und unser Alltag veränderten sich wohl nie so radikal als in den letzten 15 Jahren, in denen unsere Online-Aktivitäten, sowie unsere Facebook- und SMS-Kontakte ernsthafte Fragen darüber aufwerfen, wieviel Zeit wir denn noch für unsere realen Kontakte haben, sowie für uns selbst, und die Konzentration auf eigene Gedanken und Gefühle.

In diesem Kontext beständiger äußerlicher Reize kämpft die Schule für den Platz des Buches im Leben der Kinder, was ein Must ist in einer Gesellschaft, in der bei der jungen Generation das richtige Schreiben verloren geht, und dadurch dann auch Fähigkeiten verschwinden, die für einen wesentlichen Aspekt unseres Zusammenlebens, nämlich die geschriebene Kommunikation, unerlässlich sind.

Die Welt des Lesens und des Schreibens scheint also aktuell zu schrumpfen, wird allerdings in der Schule gehegt und gepflegt, jenseits aller Öffentlichkeit, jenseits aller spektakulärer Events, die von wesentlichen humanistischen Werten ablenken können.

Die Walferdinger Büchertage setzen diesen Entwicklungen etwas entgegen: Hier wird alljährlich liebevoll eine Begegnung organisiert, bei der Autoren lesen und ihre eigenen Bücher verkaufen, Leser ihre alten Bücher tauschen, Verlage aus der Großregion sich bekannt machen können, und wo alle Generationen rundum die Literatur und die Musik miteinander ins Gespräch kommen können.

Neben dem Lesen und Schreiben geht nämlich auch das Gespräch verloren, und hiermit ist jene Kommunikation gemeint, in der der andere zählt, in der Empathie mitspielt, in der Gedanken zum Gegenüber angeregt werden, in der nicht jeder Satz einen opportunistischen Nutzen, eine Strategie oder eine Manipulation verbirgt. Durch das Buch und das Lesen werden also Räume der Ruhe und des Nachdenkens geschaffen, es werden Brücken zu anderen Zeiten, anderen Generationen oder auch anderen Ländern gebaut, die unsere Gesellschaft mittelfristig weiterbringen, dies allen modernen Trends zum Trotz.

Auch wenn die Einsicht über die Bedeutung der Literatur und des Buches nicht unbedingt in Frage gestellt wird, und die Bücherproduktion allgemein blüht, wachsen heute viele junge Menschen ganz ohne jeden Bezug zum Buch auf.

Darüber hinaus wäre zu sagen, dass die aktuelle Debatte um den Platz unserer Sprache in der Gesellschaft durchaus an das Luxemburger Buch und die Literatur gekoppelt werden kann. Das Luxemburger Buch sollte unbedingt als Integrationsfaktor für alle hier lebenden Nationalitäten, sowie ebenfalls als identitätsstiftend für junge Menschen eingesetzt werden. Ansonsten diese Debatte der gesellschaftlichen Kohäsion entgegen wirkt, was nie die Aufgabe des Buches und der Literatur sein kann.