LUXEMBURG/CAMBRIGDE
CORDELIA CHATON
Malik Zeniti, Direktor des „Cluster for Logistics“, über den Standort für Pharmalogistik

C4L im Pharmabereich

„Luxemburg war der erste Flughafen in der Europa, der ‚Good distribution practices‘ (EU GDP) zertifiziert war. Jetzt ziehen andere Flughäfen nach und zertifizieren Ihre Aktivitäten auch. Die Kühlkette und der Prozess sind besonders professionell organisiert von Luxair Cargo und Cargolux sowie den anderen Akteuren und Logistikprovidern am Standort. Das ‚Pharma Health Center‘ platzt aus allen Nähten und dürfte in Zukunft beim Werben um Aktivitäten von hoch qualifizierten Unternehmen aus dem ‚Life Science‘ und Pharmabereich ein wichtiges Argument sein. Das C4L organisiert alle zwei Jahre eine internationale Aktivität im Nischengeschäft mit höchsten Anforderungen für die Logistik der Pharmalogistik. Flughäfen wie Dallas in den USA oder Zengzhou in China mit Luxemburg in Verbindung zu setzen, dürfte neue Impulse geben. Eine Teilnahme auf der IQPC Konferenz ‚Cool Chain Europe‘ in Frankfurt 2017 hat dazu beigetragen, die Vorzüge im Ausland bekannt zu machen und wird vermutlich 2019 in einem anderen Land oder einem anderen Kontinent organisiert, um die hiesigen Kompetenzen ‚auf die Karte‘ zu setzen.“ CC

Seit über 20 Jahren ist Amy Shortman, Chief Executive Officer ihres Unternehmens ASC Associates, im Bereich Pharma und Healthcare-Logistik tätig. Hier erklärt sie, was dahinter steckt und woraus ihre Arbeit besteht.

Was macht Ihr Unternehmen?

Ich habe ASC 2011 gegründet und habe vorher rund 21 Jahre in der „Health Care“-Industrie verbracht. Mein erster Job war schon in der temperaturkontrollierten Logistik. Es war früh eine Technologiefrage. Auch temperaturkontrollierte Verpackung und Elektronik waren ein Thema. Mein Geschäftspartner hat genau so viel Erfahrung in diesem Bereich. Wir decken also die Erfahrung aller Marktteilnehmer ab. Wir sehen uns als Berater, die den Unterschied machen. Wir arbeiten mit allen in der Pharma-Logistik, von der Reederei bis zum Pharmaunternehmen. Vieles ist Projekt-Arbeit, manches auch ein Expertise-Thema. Wir wollten erweiterter Partner sein. Wir bewerten viel und bringen Leute zusammen, vor allem Unternehmen, die etwas davon haben werden.

Wer sind Ihre Kunden?

Apotheken, Pharma-Unternehmen, Hersteller, Logistiker, Groundhandling Agencies, jetzt auch Reedereien, Verpackungskontrolleure und „Data Monitoring“-Unternehmen. Was Temperatur und Verteilung angeht, war das Interesse sehr früh da. Die Regulatoren haben in den vergangenen zehn Jahren weniger auf die Hersteller geachtet als auf die Pharmaindustrie. Sie wollten, dass ab der Verladung Zutaten und Medikamente kein Risiko darstellen. Viele verschiedene Marktteilnehmer machen da mit. Den Regulatoren - bei uns also der EU - ist die Logistik wichtiger geworden. Daher wollen sie, dass alle nach den strengen Regeln arbeiten. Die letzte Direktive in dieser Hinsicht ist von 2013. Aber es gab schon vorher welche.

Was müssen Pharma-Unternehmen nachweisen?

Sie müssen nachweisen, wie das Produkt transportiert wird und dass es innerhalb der Temperaturregel bleibt. Wenn es Probleme mit dem Produkt gibt, dann wird geprüft und die ganze Wertschöpfungskette durchforstet. Im Zweifel wird den Unternehmen bei Problemen die Produktlizenz entzogen, zumindest zeitweise.
Welche Produkte sind davon betroffen?

Shortman Zum Beispiel Impfungen: Wenn hier die Temperatur nicht eingehalten wird, dann leiden die Proteine, dann kann sie nicht mehr wirken. Andere Medikamente können in ihrer Wirkung stärker oder schwächer werden oder sie können auch gar keinen Effekt mehr haben. Die Sicherheit der Logistik-Kette ist in den USA schon lange Status quo, wird in der EU aber zunehmend wichtiger. Es ist auch der Kampf gegen die Mafia und gegen Fälschungen, die ein großes Problem sind. Es geht also auch um den Schutz von Marken und Produkten, aber auch um „Due Diligence“.
Sind heute alle Flughäfen mit Temperaturzonen ausgestattet?

Shortman Es wird besser, aber es gibt immer noch Unterschiede. Das „International Air Transport Association Center of Excellence Indepedencent Validators“ (IATA CEIV) hat sich die Frage angesehen und versucht, Flughäfen zu standardisieren. Es geht vor allem um Produkte, die zeit- und temperatursensitiv sind. Die Internationale Flugtransport-Vereinigung IATA versucht, einen weltweiten Standard zu schaffen. Was durch Heathrow oder den Findel geht, soll auch in Sao Paulo den gleichen Standard haben. Aber da sind wir noch nicht überall. Doch die Industrie nimmt das jetzt endlich ernst - zumindest, was Flughäfen angeht. Denn die Pharmazeutika können auch verschifft werden, daher legen Flughäfen heute Wert auf ein höheres Niveau, um die Reedereien als Konkurrenten auszuschalten.

Wie gut sind die Temperaturzonen am Findel?

Pharma ist derzeit noch ein Nischen-Service. Wenn Flughäfen spezielle Akkreditierungen nachweisen können, ist das ein Vorteil. Auch das Tracking, also die Verfolgbarkeit, ist wichtig, gerade bei Cargo. Ich glaube, dass der Findel außergewöhnlich gut ist. Die Fähigkeit, die sie haben, Kunden anzuziehen, ist hoch. Sie haben einen guten Standard und ein gutes Management. In der Vergangenheit haben wir Kunden deshalb schon zum Findel geraten.

Wann wird aus der Nische ein Markt?

Ich denke, im Moment ist es noch eine Nische. Aber die wächst mit der Zeit. Vor rund fünf Jahren war es nur eine Handvoll Flughäfen, die Pharma-Produkte in Temperaturzonen verladen konnten. Wegen IATA und anderen Initiativen merkt jetzt jeder, dass er mitmachen muss. Da gibt es mehr Wettbewerb. In der Zukunft werden wir eine Saturierung des Markts sehen, gleichzeitig werden die Kosten sinken.

Welcher Trend kommt als nächstes?

Ein anderer interessanter Trend ist die Nachfrage nach mehr Sichtbarkeit. Es gibt einen Mangel an Sichtbarkeit, dahingehend, wo genau die Fracht im Flughafen ist. Im Hinblick auf das Risiko ist das wichtig. Daher haben wir eine Plattform geschaffen, damit wir das verfolgen können. Wir arbeiten mit Fotos und Daten in der „Cloud“. Das ist das nächste, was auf Airlines zukommt.

www.ascassociates.co.uk