LUXEMBURG
SANDY KUBAJ

Dieses Jahr feiert die „HIV Berodung“ 30 Jahre. Über die drei Jahrzehnte hat sich vieles geändert, allerdings sind nach wie vor viele Menschen nicht gut genug informiert über HIV und AIDS oder glauben, sie müssten sich nicht schützen, da sie nicht dem Risiko einer Infizierung ausgesetzt seien. Hierzu Sandy Kubaj von der „HIV Berodung“.  

„Jeden betrifft das Thema HIV. Schließlich sind es nicht nur Randgruppen, wie etwa Drogenkonsumenten oder Prostituierte, die sich mit dem HI-Virus anstecken können. Das realisieren allerdings viele Menschen nicht. Besonders heterosexuelle Menschen fühlen sich nicht von dem Thema betroffen und schützen sich auch nicht immer entsprechend. 

Auch in den Schulen, wo das Thema HIV klar angesprochen wird, stellen wir oft fest, dass Jugendliche nicht mehr wirklich gut informiert sind, wissen oft nicht was HIV und AIDS überhaupt ist und wie beides zusammenhängt. So glauben einige Personen, dass das Virus nur übers Blut übertragen werden kann oder gehen von anderen Falschannahmen aus.

Um den Menschen zu zeigen, dass sie nicht gut genug informiert sind, füllen wir beispielsweise dort, wo wir mit einem Stand vertreten sind, mit ihnen Fragebögen aus. In denen werden unter anderem die Übertragungswege abgefragt und immer wieder zeigen sie sich einige Personen überrascht, dass etwa durch Sperma oder auch Vaginalflüssigkeit das Virus übertragen werden kann. Die Wissenslücken sind deutlich. 

Mit Blick auf die Zahl der Neuinfektionen, die angestiegen ist, wird klar, dass rund die Hälfe über heterosexuellem Geschlechtsverkehr zustande kamen. Das ist angesichts des Umstands, dass viele Heterosexuelle sich eben nicht mit dem Thema HIV beschäftigen, nachvollziehbar. Interessant ist dabei, dass diese Neuinfektionen  sich quer durch alle Altersgruppen ziehen. Es sind also auch die über 45 klar betroffen. Das ist etwa dadurch zu erklären, dass viele dieser Personen über Jahre oder Jahrzehnte mit demselben Partner zusammen waren und sich daher keine Gedanken über HIV machen mussten. Nach der Trennung von diesem sind sie wieder ‚auf dem Markt’, wissen aber nicht wirklich Bescheid und schützen sie nicht, wenn es zu neuen sexuellen Kontakten kommt. Diese Entwicklung sehen wir auch im Ausland, wo auch die Zahl der Infektion mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten in dieser Altersklasse wieder ansteigt. 

Damit eine HIV-Infektion aber auch festgestellt werden kann, ist es wichtig, sich testen zu lassen. Das kann unter anderem bei uns in der ‚HIV-Berodung’ aber auch in den Krankenhäusern gemacht werden, ist dabei auch anonym und kostenlos. Um sich und seine Sexualpartner nicht zu gefährdend, sollte man einen solchen Test alle drei bis sechs Monate durchführen, besonders wenn es zu ungeschütztem Verkehr gekommen ist. Nur wenn das Bewusstsein für HIV steigt, wie man sich schützt und reagieren soll, wird die Zahl der Neuinfektionen wieder sinken.“