LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Schweizer Expertenbericht dient als Grundlage für neuen Krankenhausplan -Datenerhebung in Luxemburg so wie in Frankreich und Deutschland vor 20 Jahren

Aufgrund des Expertenberichts „Plan hospitalier 2013“ der Züricher Beratungsfirma Lenz laufen derzeit die Vorbereitungen für den neuen Krankenhausplan auf Hochtouren. Ein Jahr lang haben die Berater dafür den stationären Sektor des Luxemburger Gesundheitssystems analysiert. Die zentralen Inhalte des Berichts wurden in einer Sonderausgabe des Informationsblatts „InSight SantéSécu“ kürzlich veröffentlicht.

Standen in den letzten Jahren Fusionen und Synergien im Vordergrund, so geht es nun um eine vermehrte Spezialisierung: Nicht mehr alles an jedem Klinik-Standort anbieten, sondern in Konzentrationsfeldern bündeln ist das Hauptprinzip. Unnötige Doppelstrukturen sollen so vermieden und die Kooperation der verschiedenen Leistungserbringer gestärkt werden. Die Konzentration von Kompetenzen und Leistungen soll nicht nur die Qualität der Gesundheitsversorgung, sondern auch eine effizientere Nutzung der Mittel fördern.

Finanzielle Auswirkungen sind schwer abzuschätzen

In welcher Höhe sich der Krankenhausplan auf den gesamten Gesundheitsetat auswirken wird, können die Experten allerdings nicht angeben. Aufgrund der noch mangelhaften Datenlage in Luxemburg sei das zur Zeit sehr schwierig, sagen sie. Und damit ist man auch schon bei einem der Hauptprobleme unseres Gesundheitssystems. „Die heutige Datenlage in Luxemburg entspricht derjenigen vor 1998 in der Schweiz und denjenigen vor dem Jahr 1990/1991 in Frankreich und Deutschland. Hier besteht dringender Handlungsbedarf!“, heißt es von Seiten der Experten.

In Zukunft werden nun von den Krankenhäusern Zahlen über Leistung und Kosten gefordert. Es werden aber auch spezifische Qualitätsdaten in Form von Registern sowie Struktur-, Prozess- und Outcomedaten für jedes Konzentrationsfeld erhoben. Damit können dann in Zukunft auch EU-Bürger grenzüberschreitend medizinische Leistungen vergleichen, so wie die Patientendirektive es vorsieht.

Konzentrationsfelder: Tumor- und komplexe Chirurgie sowie Schlaganfälle

Die Leistungsbereiche, die sich für eine solche Bündelung eignen sind solche mit geringen Fallzahlen, Anfälligkeit für Komplikationen und hohen Personal- und Infrastrukturanforderungen. Sie betreffen bestimmte Bereiche der Krebschirurgie, wie Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, Lebertumore, Enddarmkrebs, Brustkrebs, aber auch die komplexe Chirurgie von Fettleibigkeit und gefäßchirurgische Eingriffe an der Halsschlagader und am Gehirn.

Sie machen weniger als zehn Prozent aller operativen Eingriffe aus. Die Behandlung des Schlaganfalls soll ebenfalls nur mehr in wenigen Zentren durchgeführt werden, damit die nötige Fallzahl pro Zentrum erreicht werden kann und die komplexe Infrastruktur in personeller und apparativer Hinsicht 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr auch angeboten werden kann. Der neue Krankenhausplan wird bestimmen müssen, welche Krankenhäuser in welchen Feldern aktiv sein werden. Einzelne Ärzte werden also bestimmte Behandlungen nicht mehr, zumindest nicht mehr im angestammten Krankenhaus durchführen können.