LUXEMBURGSIMON LAROSCHE

Cliff Ross und Mathieu Fournel betreiben im NordenLuxemburgs einen recht ungewöhnlichen Sport: Skydiving

Das Interview findet in einem Büroraum statt, doch am liebsten würden Cliff Ross (29) und Mathieu Fournel (28) in der Luft über ihr Hobby, das Skydiving, reden. Dort oben fühlen sich die beiden guten Freunde nämlich am wohlsten. Den Großteil ihrer Freizeit verbringen sie nämlich damit, aus einem Flugzeug zu springen und durch die Luft zu sausen, um dann im richtigen Moment ihren Fallschirm zu öffnen. Was für die meisten Leute schier unvorstellbar scheint, ist für Ross und Fournel mittlerweile ein ganz gewöhnlicher, wenn auch zeitintensiver, Zeitvertreib geworden.

Kennen gelernt haben sich beide in der Sekundarschule, wo der etwas erfahrenere Ross Fournel überzeugen konnte, ihn zum einzigen Skydiving-Verein in Luxemburg zu begleiten, dem Cercle Para in Noertringen bei Wiltz. Der Verein zählt momentan etwa 100 Mitglieder.

Nicht alle springen so oft wie Ross, Fournel und rund 15 andere im Verein, die im Jahr immerhin 120 bis 130 Sprünge absolvieren, während viele Mitglieder sich auf zehn Sprünge pro Jahr beschränken. Warum entscheidet man sich als Jugendlicher, sich in 4.000 Meter Höhe aus einem Kleinflugzeug zu werfen anstatt einem „normalen“ Hobby wie etwa Fußball, Tennis, Karate oder der Musik nachzugehen?

„Wir haben alles versucht“, geben beide lachend zu, „allerdings fanden wir keine Sportart, bei der man wirklich so frei ist, als beim Skydiving.“ Fournel ergänzt: „Wir können bei unserem Hobby springen mit wem wir wollen, wann wir wollen. Es gibt nur wenige Vorgaben, an die man sich halten muss. In diesem Punkt ist Skydiving dem Skateboard, das ich auch regelmäßig fahre, irgendwie ähnlich.“

Nach zehn bis 15 Sprüngen mit direktem Fallschirmöffnung, der erste „Freefall“

Die beiden Freunde können sich noch ganz gut an ihren ersten Sprung erinnern, bei dem der Fallschirm sofort aufging, als sie aus der Propellermaschine kippten. „Eigentlich hatte ich erst beim vierten Sprung so richtig Angst“, erklärt Fournel, „bei den drei ersten war ich derart aufgeregt, dass sich alles wie in einem Film anfühlte. Ich konzentrierte mich einzig und allein auf die Anweisungen der Ausbilder.“ Nach zehn bis 15 Sprüngen sind Mitglieder dann in der Regel bereit für den absoluten Adrenalinkick: Den „Free Fall“, bei dem man zuerst tausende Meter durch die Luft saust, ehe man an der Reißleine zieht um den Fallschirm zu öffnen.

Einige Mitglieder, darunter etwa Fournel, sind jedoch erst nach 35 oder mehr Sprüngen zu diesen mutigen Schritt bereit. Neuerdings werden im Cercle Para-Verein aber auch Einführungskurse angeboten, bei denen Neulinge sofort im Freefall aus dem Flugzeug springen, begleitet von zwei erfahrenen Ausbildern mit AFF (Accelerated Free Fall) -Lizenz.

In Arizona Ausbildung zur US-Trainerlizenz absolvieren

Ross und Fournel besitzen im Moment lediglich die luxemburgische Trainer-Lizenz, Ende Dezember begeben sich die beiden für zwei Wochen nach Eloy im US-Bundesstaat Arizona, dem „Mekka“ des Skydiving (Ross).

Dort, in der weiten Wüste, wollen sie unter der Leitung des dort lebenden Luxemburger Skydiving-Fanatikers Georges Reuter nach einem Lehrgang den amerikanischen und besser angesehenen Trainerschein erhalten. Mit diesem Diplom könnten beide zu Hause in Noertringen dann René Klensch und Jean Karier entlasten, die beiden einzigen Luxemburger Trainer mit diesem AFF-Diplom.

Beim Skydiving gibt es neben den sehr strikten Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld eines Sprungs zwei weitere Faktoren, an die sich jeder Springer halten muss. Erstens ist da natürlich das Wetter.

Bei Regen kann nicht gesprungen werden, einige Wolken dürfen aber am Himmel sein. Um genau zu sein, darf der Himmel nicht mehr als 5/8 bewölkt sein, in der Luftfahrt wird das „Scattered Sky“ genannt.

Aber nicht jeder in Luxemburg ist vom Hobby der beiden fasziniert. Einige Leute, die in unmittelbarer Nähe zur Flugschneise des Skydiving-Zentrums in Noertringen leben, beschweren sich hin und wieder mal bei der Gemeinde oder gar der Polizei wegen Lärmbelästigung durch den kleinen Flieger des Cercle Para.

Nicht nur Freunde in der Bevölkerung

Um diese Menschen nicht weiter zu nerven, müssen Skydiver in Luxemburg strikte Flugzeiten respektieren, an Wochentagen und samstags ist das von 9.30 bis 20.00 Uhr, von 12.00 bis 13.00 Uhr ist eine obligatorische Mittagspause einzuhalten, sonntags und an Feiertagen dauert diese Mittagspause von 12.00 bis 14.00 Uhr.

Ihr Hobby sei zwar ein Extremsport, wollen Ross und Fournel zum Schluss des Gesprächs noch klar stellen, gefährlich sei er aber beileibe nicht. „Statistisch gesehen müssen Skydiver einmal pro tausend Sprünge ihren Reservefallschirm öffnen, nachdem es mit dem Hauptfallschirm irgendein Problem gegeben hat.

Einen Todesfall gibt es jeden 50.000 Sprung und davon sind 99% auf menschliche Fehler zurückzuführen“, erklärt Cliff Ross, der noch eine weitere interessante Statistik liefer: Man könne jeden Chef fragen, montags seien mehr Arbeitnehmer wegen Verletzungen bei einem Fußballspiel am Wochenende krank gemeldet als wegen eines Vorfalls beim Skydiving. Allerdings braucht man beim Fußball auch weniger Mut.


Alle weiteren Informationen über Schulung und Tandemsprünge in Luxemburg gibt es bei:
Cercle Para Luxembourg, B.P. 735, L-2017 Luxembourg, Tel.: +352 661 51 15 40, E-mail: mail@cerclepara.lu, Web: www.cerclepara.lu, www.facebook.com/cerclepara