LUXEMBURG
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Was innerhalb von 60 Sekunden so alles im Netz der Netze passiert

Wie Tim Berners-Lee das Netz der Netze schuf

„Eine vage Idee, aber sehr spannend“

„Eine vage Idee, aber sehr spannend“. Das bekam der damals 33-jährige britische Ingenieur Tim Berners-Lee zu hören, als 1988 sein Chef an der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) seinen Forschungsantrag für die Verknüpfung von Informationen im Internet vorlegte.
Berners-Lee, der natürlich die ganzen Netzwerkentwicklungen seit den 1970ern mit verfolgt hatte, hatte damals schon viel an „Hypertext“ geforscht - heute würde man sagen an der „Verlinkung“ von Informationen. Er sah diese Technologie als wegweisend, die Daten auf allen Computern zu vernetzen - damals waren übrigens weltweit knapp 33.000 Rechner im Internet - ein System, das seit Anfang der 1970er zunächst zu militärischen Zwecken aufgebaut worden war.
Der junge Ingenieur bekam zwar wenig Geld, dafür aber Zeit, seine Ideen weiterzuentwickeln. Bis Oktober 1990 hatte er drei grundlegende Technologien entwickelt, die erst das „World Wide Web“ wie wir es heute kennen, ermöglichten: der „Uniform Resource Identifier“, eine einzigartige Adresse für jeden Computer, die „HyperText Markup Language“, eine „Sprache“, die Informationen durch Auszeichnungen (Markup) strukturiert und das „Hypertext Transfer Protocol“, das eingesetzt wird, um Informationen zwischen Rechnern abzufragen.
Aus der „vagen Idee“ waren die Grundlagen des WWW geworden, das heute zu einem unverzichtbaren Teil unserer Wirtschaft und sogar Gesellschaft geworden ist. Was aber auch damit zu tun hat, dass Berners-Lee, der seine genialen Erfindungen zunächst auf Computern an den verschiedenen CERN-Standorten in der Schweiz und Frankreich austestete, diese aber nicht etwa an ein Unternehmen verkaufte, um daraus Profit zu schlagen, sondern sie öffentlich machte und so zur Weiterentwicklung freigab. Kombiniert mit immer erschwinglicheren Telekommunikationswegen und Rechnern erfuhr das Weltnetz einen unvergleichlichen Boom und fachte die Innovation unglaublich an. Einige Etappen: 1993 startete Netscape den ersten kommerziell nutzbaren Internet-Browser. 1995 gründete Jeff Bezos den Online-Händler Amazon. 1998 kam die Suchmaschine Google. 2001 die Web-Enzyklopädie Wikipedia. Facebook gibt es erst seit 2004, acht Jahre später überschritt die Firma von Mark Zuckerberg bereits die Marke von einer Milliarde Nutzer weltweit. Durch milliardenschwere Einkäufe (Instagram, WhatsApp) wurde der Konzern zum unbestrittenen „Social Media“-Marktführer - eine unheimliche Macht, die viele Fragen aufwirft.
Auch Tim Berners-Lee beobachtet die Entwicklung des „World Wide Web“ heute mit Sorge. Vor einigen Wochen sagte er dem US-Magazin „Vanity Fair“: „Wir haben bewiesen, dass das Web der Menschheit nicht gedient hat, wie es sein sollte und an vielen Stellen versagt hat“. Den WWW-Erfinder beunruhigen die Monopolgelüste großer Datenkonzerne, die Verletzungen der Privatsphäre, die Beeinflussung von Wahlen oder „Fake News“.
Die fortschreitende Zentralisierung des Web habe etwas „Anti-Menschliches“ geschaffen. Aber Berners-Lee ist zuversichtlich, dass die menschlichen Fehler, die dazu führten, auch durch Menschen wieder behoben werden können, „mit gutem Willen“. Er selbst arbeitet seit geraumer Zeit am „Massachusetts Institute of Technology“ an einer Plattform namens „Solid“, die das Web wieder dezentralisieren und den Nutzern die Kontrolle über ihre persönlichen Informationen zurückgeben soll. Die Informationen über das Projekt sind derzeit noch vage. Aber Tim Berners-Lee hat ja schon einmal bewiesen, dass aus einer vagen Idee eine Revolution entstehen kann. 

Die Statistik wird bereits seit einigen Jahren veröffentlicht, nun liegt auch eine Version für 2018 vor: „Die Internet-Minute“ zeigt, was für enorme Datenmengen in nur 60 Sekunden über verschiedene Web- und Telekommunikationsdienste ausgetauscht werden.

Hier einige Beispiele:

266.000 Stunden bei Netflix angesehen

973.000 Logins bei Facebook

174.000 Ansichten bei Instagram

25.000 GIFs via Messenger gesendet

38 Millionen Messages bei WhatsApp

67 Digitale Assistenten geliefert

187 Millionen Emails gesendet

1,1 Millionen Swipes bei Tinder

481.000 Tweets bei Twitter gesendet

375.000 Apps bei Google Play/App Store heruntergeladen

862.823 Dollar im Ecommerce ausgegeben

4,3 Millionen Videos auf Youtube gesehen

2,4 Millionen Snaps bei Snapchat

18 Millionen SMS gesendet

3,7 Millionen Suchbefehle bei Google 

Wie gigantisch sie sind, erkennt man noch besser, wenn sie etwa auf einen Monat hochgerechnet werden: über acht Billionen Emails, 1,6 Billionen WhatsApp-Nachrichten, 160 Milliarden Google-Suchbefehle, 42 Milliarden Facebook-Logins.... Das alles ist freilich nur ein Bruchteil dessen, was ins Web kommt, wo sich Zehntausende Dienste unterschiedlichster Art tummeln. Jede Minute gelangen etwa 243.000 Fotos ins Internet und 400 Stunden YouTube-Videos. Abschließend noch ein Vergleich mit der „Internet-Minute“ von 2016: Damals wurden in 60 Sekunden etwa 20,8 Millionen WhatsApp-Messages abgesetzt und rund 150 Millionen Emails, es wurden 69.444 Stunden Netflix-Videos angesehen, 2,4 Millionen Google-Recherchen gestartet und 347.222 Tweets gepostet.