LUXEMBURGPATRICK VERSALL

Gast Groeber belegte mit „Eng Duerfidyll“ den dritten Platz beim Concours littéraire national

Gast Groeber durfte gestern Abend im Centre national de littérature (Cnl) in Mersch den dritten Preis des Nationalen Literaturwettbewerbes 2012 für seine Kurzgeschichte „Eng Duerfidyll“ entgegen nehmen. Im Jahr 2010 veröffentlichte er sein erstes Werk „De Griss“ bei „Op der Lay“; vor ein paar Wochen hat er sein neues Buch „Manu“ auf den Walfer Bicherdeeg vorgestellt. Der 1960 geborene Autor verdient keineswegs das Etikett „Spätzünder“;
publiziert hat Groeber bereits in den Achtziger in alternativen Zeitungen wie „Kregéilert“ oder „Zoustänn“.

Keine druckreife Geschichte aus der Schublade

Er schickte seine siebenseitige Kurzgeschichte ohne große Ambitionen an das Kulturministerium. Es sei halt, so Groeber, ein Versuch wert gewesen. „Man versucht es, gelingt es einem, ist die Freude umso größer“. Das Ministerium für Kultur hatte 2012 aufgerufen, Kurzgeschichten für den Wettbewerb einzureichen. Kurzgeschichten verfasst der Autor seit jeher; er betrachtet diese als eine Art Merkblatt, auf dem er Ideen für längere Geschichten zwischenparkt, die er irgendwann niederschreiben möchte. Das jetzt prämierte Werk habe jedoch keinesfalls druckreif in einer Schublade gelegen.

Wie es der Zufall jedoch wollte, arbeitet Groeber an einer Kurzgeschichte, als er auf den diesjährigen Schreibwettbewerb aufmerksam wurde. Er hat zum richtigen Moment an der richtigen Textform gearbeitet. Seinen Beitrag hat Gast Groeber auf Luxemburgisch verfasst, obwohl er eigenen Angaben zufolge die meisten Bücher auf Deutsch und Französisch liest. Es sei ein Versuch wert gewesen, eine Geschichte auf Luxemburgisch zu verfassen, mit allen erdenklichen sprachlichen Mitteln, die einem zu Verfügung stehen, ohne allerdings anachronistisch zu wirken. Sein erstes Buch „De Griss“ richtet sich an eine junge Leserschaft; die Kurzgeschichte „Eng Duerfidyll“ überwiegend an erwachsene Leser. Der Hauptprotagonist lebt alleine in einem kleinen Dorf; bei der Lektüre merkt der Leser sehr schnell, dass dieser sich unwohl in seiner Haut fühlt. Nach und nach erfährt man, dass der Mann im Dorf in einen Autounfall verwickelt war, bei dem ein Kind ums Leben gekommen ist. Das gerichtliche Verfahren wurde jedoch eingestellt.

In „Eng Duerfidyll“ wird die Frage aufgeworfen, ob ein Verfahren eingestellt werden kann, wenn ein Kind zu Tode gekommen ist. Kann er als „Unschuldiger“ weiter innerhalb der Dorfgemeinschaft leben, obschon er im Auto gesessen hat? Der Plot hat die Jury des Literaturpreises überzeugt; das Urteil des Lesepublikums steht noch aus, da noch nicht feststeht, in welcher Form und auf welchem Medium die Kurzgeschichte veröffentlicht wird. Vielleicht, so der Laureat, werde er die Kurzgeschichte gemeinsam mit Werken der anderen Preisträger publizieren.