LUXEMBURG
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Vor gut einem Jahr stellte der Wirtschaftsminister die neue Vermarktungsstrategie und das „Trade and Investment Board“ vor - jetzt zog er mit den Partnern eine positive Bilanz

Luxemburg hat eine Vermarktungs-Strategie, die funktioniert und bei der alle Partner - der Industrieverband FEDIL, die Handelskammer, Luxinnovation und vor allem das Wirtschaftsministerium - gut zusammen arbeiten. So lässt sich die Botschaft der gestrigen Pressekonferenz zur Bilanz des dritten Treffens des „Conseil du commerce extérieur et des investissements“, der für die Umsetzung der Strategie zuständig ist, zusammen fassen. Dieser war im Februar 2017 von den genannten Partnern als Public-Private-Partnership gegründet worden, um das Land besser als Standort zu vermarkten. Anlässlich des Boards-Treffs wurde die Bilanz präsentiert. Dabei ging es allerdings weniger um Fakten wie konkrete Unternehmen, die herkommen - hier will sich niemand zu früh aus dem Fenster lehnen, vor allem nicht, nachdem der Steinwollefabrikant Knauf sich nicht hier ansiedelt -, sondern eher um die allgemeine Funktionsweise. Die Partner lobten sich gegenseitig. Ein Hauch von Wahlkampf lag in der Luft, während sich im Ministerium alle zufrieden zeigten und Arbeiter draußen an der Fassade eine Folie mit dem rot-blauen „Let´s make it happen“-Muster anbrachten.

Professioneller Empfang

„Wenn ein Unternehmen herkommen will, ist ein professioneller Empfang wichtig“, unterstrich Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider. „Deshalb haben Luxinnovation und das House of Entrepreneurship ein Programm ausgearbeitet, das von der Besichtigung eines Geländes bis hin zu Kontakten mit möglichen Partnern reicht.“ Das nennt sich „Investor Care Plattform“.

Eine weitere Plattform betrifft Mitarbeiter. „Wir wollen Talente anziehen“, insistierte Schneider. „Wir arbeiten mit der Einwanderungsbehörde zusammen und sind sehr viel professioneller in der Abwicklung.“ Auch habe sich etwas bei der Gesetzgebung getan. So haben ausländische Studenten, die in Luxemburg studiert haben, nun zwei Jahre Zeit, um sich hier einen Job zu suchen. „Aber die sind meist sofort engagiert“, meint der Wirtschaftsminister.

Michel Wurth, Präsident der Handelskammer, zeigte sich ebenfalls ehr angetan von der Initiative. „Das ist ein Erfolg, weil es klare Ziele gibt“, urteilt er. „Das Erscheinungsbild nach außen ist sehr wichtig.“ Für Luxemburg, das selbst ein kleiner Markt sei, sei Export unabdingbar. „Unser zweiter Auftrag ist der, Investoren, die herkommen, gut zu empfangen“, betonte Wurth. Nicolas Buck, Präsident der FEDIL, lobte die Initiative ebenfalls. „Hier ist eine richtige Verkaufsorganisation von Luxemburg entstanden. Verbesserungen waren allerdings auch nötig.“

Das Programm soll auch dazu führen, dass Schlüsselbereiche wie Automobil, ICT, Logistik, Cleantech oder Space aktiv gefördert werden. „Ohne Strategie würden wir einfach dahin gehen, wo wir eingeladen sind“, meinte Schneider, der auf die internationale Unterstützung durch Wirtschaftsvertreter im internationalen Netzwerk verwies. Wurth hob die Business-Clubs in den Nachbarländern hervor.

Unklar bleibt die Rolle der Gemeinden. Zwar verfügt das Wirtschaftsministerium über Flächen in Gewerbegebieten, wartet jedoch dringend auf einen neuen sektoriellen Plan, um mehr Flächen anbieten zu können. Wenn sich jedoch die Gemeinde - wie im Fall Knauf und wohl auch bei der Joghurtfabrik in Bettemburg - quer stellt, hat das Ministerium bislang keine Handhabe.