LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Luxemburg-Limpertsberg: Erster Spatenstich für „Le Verger Ermesinde - Vivre sans Voiture“

Es war wohl keine „utopische Spinnerei“ (Zitat Bausch) als der damalige erste Schöffe François Bausch 2010 die Idee für das Projekt „Wohnen ohne Auto“
auf die Tagesordnung der Stadt Luxemburg setzte.

Gestern stand derselbe François Bausch als Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister gut gelaunt am Rande einer Baugrube in der Avenue Pasteur und war Gast des symbolischen ersten Spatenstichs für das neue Wohnviertel „Le Verger Ermesinde - Vivre sans Voiture“ auf dem Limpertsberg. Auch wenn es etwas gedauert hat, die in der ersten blau-grünen Schöffenratsvereinbarung 2005 festgehaltene Idee vom autolosen Wohnen biegt jetzt in die Zielgerade ein. Bauen geht bekanntermaßen schneller als die Bewältigung des Instanzenwegs. Diese Feststellung traf Marco Sgreccia Mitgründer des Bauträgers Tracol Immobilier, als er die Gäste, darunter zahlreiche zukünftige Bewohner, zum ersten Spatenstich begrüßte. Sein Unternehmen hatte 2011 gemeinsam mit der Architektin Tatiana Fabeck den internationalen Wettbewerb um dieses Projekt gewonnen.

Ein kleines ökologisches Quartier

Mitten im gewachsenen Stadtviertel Luxemburg-Limpertsberg entsteht nun ein eigenes kleines Viertel, das zwischen der Avenue Pasteur (Nr. 63) und der rue Ermesinde liegt, in direkter Nachbarschaft zum historischen Haus „Bourg-Gemmen“ - dort wird nach einer entsprechenden Renovierung eine Kinderkrippe einziehen. Der Kampf um den Erhalt des historischen Gebäudes hatte auch zu den Verzögerungen beigetragen, weil eine Umplanung nötig wurde, nachdem man den ursprünglich geplanten Abriss verworfen hatte. Für Bürgermeisterin Lydie Polfer ist das Baudenkmal ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte des Stadtviertels Limpertsberg.

51 Wohnungen und Einfamilienhäuser

In „Ermesindes Obstgarten“ werden in sechs Mehrfamilienhäusern 42 Appartements entstehen, deren Größe reicht von 27 bis zu 204 Quadratmetern. Hinzukommen neun Einfamilienhäuser von jeweils rund 200 Quadratmetern. Das Bauprogramm wird durch vier Ladenlokale abgerundet.

Der von der Stadt Luxemburg vorgegebene Preis liegt bei 4.000 Euro/Quadratmeter. Der Baugrund wurde von der Stadt Luxemburg im Rahmen eines Erbpachtvertrags für 75 Jahre zur Verfügung gestellt. Die ersten Bewohner sollen 2020 einziehen können. Die Nachfrage übersteigt - zur Überraschung aller Skeptiker - das Angebot und schon jetzt sind für alle Wohneinheiten, egal ob Wohnung oder Haus, Vorverträge (compromis) unterzeichnet worden.

Was es nicht gibt, sind Garagen oder Stellplätze für Autos. Unter dieser Adresse werden auch keine Vignetten für das Anwohnerparken ausgestellt werden. Es ist der Stadt und den Bauherren ernst mit der Idee des „Leben ohne Auto“.

Der perfekte Standort

Sowohl Minister Bausch als auch Bürgermeisterin Polfer unterstrichen die Herausforderungen für dieses Projekt. Es sei nötig gewesen, einen Standort zu finden, der das Leben ohne Auto auch möglich macht. Zu den Kriterien gehörten eine gesicherte Nahversorgung, fußläufige Erreichbarkeit, und eine gute Anbindung an den ÖPNV - jetzt sogar an die Trambahn. Der mitten in Limpertsberg gefundene Standort erfüllt alle diese Voraussetzungen. Hinzu kommt mittlerweile eine in der Nähe eingerichtete Car-Sharing-Station, wenn dann doch einmal ein Auto gebraucht werden sollte.