LUXEMBURG
SVEN WOHL

Das Visual Novel „Virtue’s last Reward“ überwindet zahlreiche Mediengrenzen

Virtue’s Last Reward ist weder Videospiel, noch handelsüblicher Roman, noch multimediale Erfahrung. Die Japaner
haben den Begriff Visual Novel für eben diese ganz eigene Medien-Gattung geschaffen und versuchen damit, einer Art medialer Zwischenstufe eine eigene Schublade zu geben. Nur selten schafft es ein Vertreter dieser Art in westliche Gefilde, doch nach dem Kult-Hit von „Nine Hours, Nine Persons, Nine doors“ gelingt auch „Virtue’s last Reward“ in die internationalen Gewässer.

Die Vorzüge mehrerer Medien

Visual Novel sind an und für sich Literatur, die durch andere Medien unterstützt werden. Das heißt, dass es neben dem
Text auch Bild, Animation, Musik und spielerische Elemente gibt. All diese Zahnräder greifen ineinander, um eine einzigartige, nur so mögliche Geschichte zu erzählen. Denn das spielerische
Element erlaubt es, im Rahmen der
Geschichte Entscheidungen zu treffen. Diese beeinflussen den Handlungsverlauf so stark, dass es insgesamt 16 verschiedene Enden gibt. Und alle müssen
gesehen werden, um das 17. Ende und
Finale zu sehen.

Das klingt jetzt kompliziert, aber das Szenario vereinfacht es: Neun Personen wurden entführt und werden in einem Komplex gefangen gehalten. Hier sollen sie an einem Spiel teilnehmen, in dem sie zum einem dank der Lösung von Rätseln aus abgeschlossenen Räumen entfliehen sollen, und indem sie durch ein Votum Punkte gewinnen können. Dabei besteht die Wahl zwischen Allianz und Verrat, was jeweils unterschiedlich viele Punkte ergeben kann. Dadurch, dass es immer mehrere Räume zur Auswahl gibt und entweder die Allianz oder der Betrug gewählt werden kann, entstehen verschiedene narrative Stränge. Der Clou ist natürlich, dass das Bewusstsein des Protagonisten,
Sigma, nach dem Ableben immer an
den Startpunkt der Geschichte zurückreisen kann. Da er gewisse Informationen mittransportieren kann, kann er Sackgassen in anderen Handlungssträngen umgehen, wodurch sich eine Kettenreaktion
ergibt. Obwohl die Handlung etwas abgehoben wirkt und teilweise Science-Fiction Elemente sehr plötzlich auftauchen, wissen runde Figuren und glaubhafte
Dialoge zu überzeugen. Die Rätsel
brechen wunderbar die langen Erzählpassagen auf und fügen sich zugleich gelungen in das gesamte Werk ein. Animationen sind eher spärlich, werden jedoch
gelegentlich eingesetzt, um Handlungen dynamischer wirken zu lassen. Die Musik hält sich stark zurück, unterstützt
die Stimmung jedoch, wo sie nur kann. Insgeheim ist das Visual Novel eben für alle interessant, die eine packende
Geschichte miterleben wollen. Aufgrund einiger drastischer Gewaltszenen ist
der Titel jedoch auch an ein eher reiferes Publikum ausgerichtet. Erhältlich
für Nintendo 3DS und PlayStation Vita