LONDON/LUXEMBURGCORDELIA CHATON

Die Britin Emily Penn macht weltweit gegen Plastik mobil

Die britische Aktivistin Emily Penn stieß eher zufällig auf die Plastikverschmutzung der Ozeane - und war so berührt, dass sie zur Aktivistin wurde. Als Mitgründerin von „eXXpedition“ veranstaltet sie Reisen mit Frauen zu den Plastik-Hotspots der Ozeane. Rund eine Dekade lang hat Penn selbst mit „Pangaea Exploration“ auf ihrem Segelschiff „Sea Dragon“ einen Eindruck von der Verschmutzung vor Ort gewonnen und arbeitet seither mit zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen zusammen. Penn hat auch die größte jemals stattgefundene Reinigungsaktion auf den Inseln des Königreichs Tonga im Südpazifik durchgeführt, Mikroplastik in der Arktis erforscht und auf einem Segel-Cargoschiff gearbeitet. Sie arbeitet mit Konzernen, Verbänden, Instituten, Wissenschaftlern und Regierungen. Als Rednerin tritt sie weltweit auf Konferenzen, in Universitäten und Schulen auf, aber auch in Unternehmen. Penn, die auch schon in Luxemburg einen Vortrag hielt, gab uns von London aus ein Interview.

Frau Penn, China hat erklärt, dass es keinen Plastikmüll mehr aus Europa importieren will. Allein 2016 hat die Volksrepublik rund 7,3 Millionen Tonnen Plastikmüll im Wert von 3,7 Milliarden Dollar eingeführt - mehr als die Hälfte der weltweiten Importe. Was halten Sie von der Entscheidung der Chinesen?

Emily Penn Ich denke, das ist ganz verständlich. Es war verrückt, dass wir unseren Müll dahin gebracht haben, statt uns selbst darum zu kümmern. Ich denke auch, dass wir solche Aktionen, aber auch das Zustandekommen solcher Müllmengen überdenken müssen. Wir können das jetzt nicht mehr einfach wegschieben. Wir haben am Ende ja nur einen Planeten.

Die EU hat eine Strategie gegen Plastikmüll präsentiert, 2030 soll sämtlicher Plastikmüll recycelt werden. Was halten Sie davon?

Penn Es ist ein gutes Ziel, aber wir könnten mehr Tempo zulegen und mehr Ambitionen zeigen. Die Frage ist so drängend, dass wir in deren Beantwortung mehr Energie stecken müssen.

In Ihrer Heimat Großbritannien hat Theresa May Plastikmüll den Kampf angesagt, auch Supermarkt-Ketten wie Iceland wollen Plastik in Zukunft vermeiden. Ist das eine Modewelle oder eine Bewegung?

Penn Ich denke, es ist gut, dass das Thema auf der politischen Agenda steht. Es ist großartig, dass wir endlich dahin kommen. Ich denke, wir stehen aber weiter unter Zeitdruck. Die Leute haben ein gutes Gefühl, hier in Großbritannien steigt das Bewusstsein für die Probleme, die durch Plastik entstehen, Es gab in den vergangenen Wochen viele Ankündigungen. Zahlreiche Leute springen auf den No-plastic-Zug auf. Die Herausforderung besteht jetzt darin, aus diesen guten Ansätzen etwas zu machen.

Was tun Sie persönlich?

Penn Wir organisieren zurzeit im Rahmen von eXXpedia zehn Reisen um Welt, bei denen wir uns auch für die Gesundheitsfolgen interessieren. Im Juli 2018 werden den Nordpazifik von Vancouver bis Seattle auf unserem Segelschiff „Sea Dragon“ bereisen, weil wir dort die höchste Plastikkonzentration haben. Wir werden auch wissenschaftlich arbeiten. An Bord sind 14 Frauen aus verschiedenen Ländern und Berufen: Filmemacherinnen, Wissenschaftlerinnen, Produktdesignerinnen und viele andere. Durch die Reise wollen wir auf das Thema aufmerksam machen, aber es geht auch um die Wissenschaft. Frauen spielen hier eine besondere Rolle, denn wir untersuchen den Zusammenhang zwischen ihrer Gesundheit und Mikroplastik.

Ist das die Lösung?

Penn Ich denke, im Moment gibt es ein Bewusstsein für das Problem, aber noch keinen Ansatz, all diese winzigen Plastikstücke, die oft nur fingernagelgroß sind, aus den Ozeanen zu holen. Wir brauchen die Reiseteilnehmer als Wandler der öffentlichen Meinung. Neben den Reisen bieten wir in London auch Workshops an. Wir arbeiten viel mit Seglern, beispielsweise bei der „Volvo Ocean Race“. Da haben wir auch viel über Plastik gesprochen und die Weltumseglerin Dee Caffari hat die Kampagne „Turn the Tide on Plastic“ gestartet. Im März reden wir mit den olympischen Seglern. Gerade die Segler sind sich des Problems sehr bewusst. Alle fragen: Was können wir tun? Daher veranstalten wir Workshop zusammen.

Was raten Sie denn in Ihren Workshops?

Penn Ich stelle fest, dass es nicht eine einzige Einbahnstraße auswärts gibt. Es wird Milliarden kleiner Lösungen und Ansätze brauchen. Wir arbeiten an diesem komplizierten Knäuel. Darüber hinaus trete ich oft öffentlich als Sprecherin auf. Kommenden Dienstag gibt es die „London Ocean Drinks“, da geht es mehr um Networking. Insgesamt gibt es eine starke Bewegung, die mich optimistisch stimmt. Aber die harte Zeit kommt noch. Ich denke, statt Plastik aus den Ozeanen raus zu holen, sollten wir unser Verhalten und das Produktdesign ändern.

Wir brauchen für den Kampf gegen Plastik viele Mittel und die Industrie als Partner. Ich bin von Industriekonzernen kontaktiert worden, aber auch von anderen. Derzeit arbeite ich beispielsweise mit „Sky“. Die haben ein eigenes Team, das daran arbeitet, Verpackung ohne Plastik zu organisieren. Auch andere wie Marks&Spencer arbeitet daran. Aber es ist noch sehr viel zu tun.


www.emilypenn.co.uk - www.expedition.com