MARC GLESENER

Allein in der EU haben 7,5 Millionen Jugendliche keinen Job

Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist weltweit eine der wichtigsten politischen Herausforderungen überhaupt. Es geht schlichtweg darum, jungen Menschen Zukunftsperspektiven zu bieten und so vor allem auch den Generationenvertrag abzusichern, auf dem die sozialen Gleichgewichte der meisten Industriestaaten beruhen.

Doch trotz politischer Initiativen, steigt und steigt die Erwerbslosenquote bei der Jugend. Mittlerweile gibt es auch in Europa Staaten, in denen jeder zweite Jugendliche keinen Job hat.

Die direkten und indirekten Folgen einer solchen Entwicklung können verheerende Ausmaße haben, schreibt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem jüngsten Bericht über das Phänomen der Erwerbslosigkeit bei jungen Menschen. Die ILO spricht von einer tatsächlichen Bedrohung des Grundsatzes der Chancengleichheit zwischen den Generationen. Eine derartige Verschlechterung der Wirtschafts- und Beschäftigungsaussichten für Jugendliche könnte auch der Vorbote für wirtschaftliche Stagnation oder sogar Rezession sein.

Die ILO-Experten unterstreichen in diesem Zusammenhang, dass die Arbeitslosenquoten der Jugendlichen empfindlicher auf ökonomische Schocks reagieren als die Quoten der Erwachsenen.

Die globale Jugendarbeitslosenquote ist so im Zeitraum 2008-2010 um 0,9 Prozentpunkte angestiegen. Das bedeutet weltweit vier Millionen mehr
Jugendliche, die erwerbslos sind. Die allgemeine
Erwerbslosigkeit stieg deutlich langsamer an:
Plus 0,5 Prozent.

Ein noch tieferes Absinken in die Krise durch immer mehr Jugendarbeitslosigkeit? Ja, eben das ist es, vor dem Wirtschaftsexperten warnen. Dies dürfte denn auch der Hintergrund der jüngsten europäischen Initiative sein.

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union
sollen laut Kommissionsvorschlag allen Menschen im Alter von weniger als 25 Jahren künftig innerhalb von vier Monaten irgendeine Form von
Beschäftigung zusichern.

Das Prinzip heißt Jugendgarantie und sieht vor, dass Jugendliche spätestens vier Monate nach Ende ihrer Ausbildung oder nach dem Verlust ihres
Arbeitsplatzes eine neue Stelle, einen neuen
Ausbildungsplatz oder aber zumindest einen Praktikumsplatz haben.

In der EU suchen momentan insgesamt 5,5 Millionen junge Menschen einen Job. Das sind mehr als ein Fünftel der Altersgruppe unter 25 Jahren. 7,5 Millionen Menschen unter haben weder eine Stelle noch irgendeine Form von Ausbildungsplatz.

Das ist mit enormen Kosten verbunden: Die Brüsseler Behörde spricht von jährlich mehr als 150 Milliarden Euro oder rund 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung Europas.

Die Spitzenplätze bei der Jugendarbeitslosigkeit belegen Griechenland und Spanien: Die Quote liegt bei mehr als 55 Prozent. In Italien, Portugal, Irland, Bulgarien, Zypern, Lettland, Ungarn und der Slowakei beträgt sie mehr als 30 Prozent. Ein Drittel der jungen Menschen in diesen Ländern ist seit mehr als zwölf Monaten arbeitslos.

In Luxemburg liegt die Jugendarbeitslosenquote mit 18,6 Prozent vergleichsweise niedrig. Der
EU-Mittelwert wird von Eurostat mit 23,4 Prozent veranschlagt.