DALHEIM
CLAUDE KARGER

Projekt ARmob ermöglicht, archäologisches Erbe per „Augmented Reality“ zu entdecken

Wo heute nur noch die Umrisse von Grundmauern zu sehen sind, war vor rund 2.000 Jahren ordentlich was los: Im gallo-römischen „Vicus Ricciacus“ auf dem „Pëtzel“-Plateau südlich von Dalheim wurde eifrig Handel getrieben, Durchreisende auf der „Via Agrippa“, der Fernstraße aus dem Mittelmeerraum über Lyon, Dijon, Metz und Trier bis nach Köln machten hier Rast und füllten ihren Proviant auf. Um den Etappenort entstand im Laufe der Jahrhunderte eine Siedlung, die zu ihrer Blütezeit eine Ausdehnung von rund 35 Hektar erreichte.

Bis zu 2.000 Menschen lebten zu der Zeit hier, wo es sogar Thermen und ein Theater gab. Knapp vier Jahrhunderte lang, lebten und arbeiteten hier Menschen, der Untergrund, der seit 1977 systematisch erforscht wird, dürfte noch so manchen Schatz bergen.

Einige davon werden nun wieder aufleben. Mit digitaler Unterstützung im Rahmen des grenzübergreifenden Projekts „ARmob - Antike Realität mobil erleben“. Sechs Lokale Aktionsgruppen aus Rheinland-Pfalz und drei aus Luxemburg - sie setzen das europäische LEADER-Konzept für die Entwicklung der ländlichen Gemeinschaften um - haben sich zusammen getan, um in engster Zusammenarbeit mit der Uni Trier eine Anwendung zu entwickeln mit dem Ziel, die Besucher über 100 archäologische Stätten mittels „Augmented Reality“ (AR) ganz anders entdecken zu lassen als bisher. Ab Ende kommenden Jahres kann so etwa ein Teil der Gebäude des Dalheimer „Vicus“ auf einem Smartphone visualisiert werden. Die Anwendung blendet die Bilder der Bauten detail- und standortgetreu ein. Zugleich wird der Betrachter Informationen abrufen können, und zwar in Luxemburgisch, Englisch, Deutsch, Französisch und Niederländisch.

„Champions-League“ der transnationalen Kooperation

Von dem Projekt, das seit Sommer 2017 läuft, versprechen sich die Teilhaber viel, vor allem auch eine Belebung des Tourismus, kann doch mit AR das archäologische Patrimonium relativ kostengünstig attraktiver valorisiert werden. Es wird auch einen Routenplaner geben, in dem alle ARmob-Stätten verzeichnet sind und Interessierte etwa gezielt Touren planen können - wobei ihnen sicher auch Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten in der Nähe aufgezeigt werden können. Ein Tourismuskonzept rund um ARmob befindet sich derzeit in Ausarbeitung. Unter den zahlreichen Gästen aus Luxemburg und Rheinland-Pfalz, die gestern von der Dalheimer Gemeindeführung um Bürgermeister Jos Heisbourg empfangen wurden, um dem Start der Schlussphase des Projekts in Dalheim beizuwohnen, herrschte jedenfalls allgemeine Begeisterung. Nicht nur darüber, dass mit der digitalen Hilfe das hochattraktive archäologische Erbe der Region valorisiert wird, sondern auch über die gelungene grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. „Mit ARmob sind wir in der ‚Champions League‘ der transnationalen Kooperation“, freute sich etwa der luxemburgische Landwirtschaftsminister Fernand Etgen.

Andy Becht, der Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, zeigte sich begeistert, die Zusammenarbeit mit Luxemburg noch weiter zu vertiefen. Projekte wie ARmob seien besonders wichtig in einer Zeit, da immer Zeitgenossen meinen würden, Abgrenzung sei eine Lösung, würden sie doch beweisen, wie positiv sich grenzüberschreitende Kooperationen auswirken.