LUXEMBURG
JEFF KARIER

„Labyrinth Psychotica“ lässt Teilnehmer Schizophrenie besser verstehen

Sich in andere Menschen hineinversetzen, wenn diese etwas er- oder durchleben, das nur schwer zu begreifen ist, gelingt nur wenigen Menschen. Das gilt zum Beispiel für Schizophrenie. „Dabei sind ein Prozent der Bevölkerung betroffen“ erklärt Vincent Navet, Direktionsbeauftragter der „Ligue Luxembourgeoise d’Hygiène Mentale“. Auf Luxemburg bezogen entspricht das fast 6.000 Personen, bei denen diese Krankheit jedoch nicht immer diagnostiziert wurde. Um auf diese und andere psychische Erkrankungen aufmerksam zu machen und aufzuklären, wird auch dieses Jahr wieder die „Semaine de la Santé Mentale“ organisiert. In diesem Rahmen bot die „Ligue Luxembourgeoise d’Hygiène Mentale“ die Möglichkeit, mittels moderner Technik in die Schuhe eines Schizophrenie-Kranken zu schlüpfen. Daran teilnehmen konnten etwa Personen aus dem Gesundheitswesen sowie eigentliche alle, die bei ihrer Arbeit mit Personen mit Schizophrenie zu tun haben könnten.

Einprägsames Erlebnis

Die Erfahrung „Labyrinth Psychotica“ ist ursprünglich von der Künstlerin Jennifer Kanary geschaffen worden und ist somit zum Teil auch Kunstprojekt. Trotzdem vermittelt es laut Navet einen Eindruck von dem, was Personen mit Schizophrenie erleben. Dazu gehören etwa Halluzinationen, sowohl optisch wie auch akustisch, die dazu führen können, dass die Betroffenen überwältigt werden und den Bezug zur Realität verlieren. Der Teilnehmer dieser ungewöhnlichen Erfahrung zieht zunächst einen Rucksack mit Laptop und Powerbank an. Anschließend bekommt er von einer Begleitperson eine Brille und Kopfhörer aufgesetzt. Mit einem Controller von Nintendos Wii-Konsole, die an den Laptop angeschlossen ist, kann man mit dem Programm interagieren. Die Brille enthält ein Display, auf dem die Umgebung, die durch eine Kamera eingefangen wird, dargestellt wird. Allerdings mischen sich zwischen die realen Bilder schemenhafte Erscheinungen, Rauschen und andere ganz andere Bilder, wodurch es dem Träger schwerfällt, sich zu orientieren und Realität von Fiktion zu unterscheiden. Hinzu kommen Stimmen, die einem sagen, dass man nichts wert ist, Rauschen oder auch unangenehme Geräusche. Die Begleitperson führt einen durch den Raum, spricht mit einem, was durch die Geräusche zum Teil nicht möglich oder aber recht schwer ist. Aufgaben wie Hände geben oder Namen schreiben fallen schwer. Und auch wenn das, was jeder Betroffene im Einzelnen erlebt, sich von Fall zu Fall unterscheidet, versteht man nach diesem Erlebnis besser, wie betroffene Personen im Alltag leiden und kann entsprechend besser auf diese reagieren.

Mehr zur „Semaine de la Santé Mentale“ und zu psychischen Erkrankungen unter www.llhm.lu