LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Prof. Katalin Ligeti leitet seit einem Jahr als Dekanin die Fakultät der Rechts-

Vor einem Jahr trat Prof. Katalin Ligeti ihre Tätigkeit als Dekanin der größten Fakultät der Universität Luxemburg an. Lange hat sie gewartet, bevor sie offiziell Bilanz zog. Jetzt war es so weit.

Prof. Ligeti, Ihr Vorgänger sagte, die Universität sei stark gewachsen, die Organisation nicht. Stimmen Sie dem zu?

Prof. Katalin Ligeti Wir haben 2.500 Studenten und sind die größte Fakultät. Da ist die Äußerung meines Vorgängers nicht verblüffend. Nach den Zeiten des Wachstums konsolidieren wir uns. Wir sind wie ein Startup, das zu schnell wuchs. Auf der Fakultätsebene haben wir viel Zeit auf den Ausbau der Verwaltungsstruktur verwendet. Jetzt haben wir einen Finanz-Controller, und ein Fakultätsmanager wird noch gesucht, es wird also deutlich besser.

Wie ist Ihr Kontakt zum Finanzplatz?

Prof. Ligeti Ich habe öfter mit dem Bankenverband ABBL gesprochen, weil mir das wichtig war. Ich habe mich auch intensiv mit dem Thema „Luxembourg School of Finance“ (LSF) auseinander gesetzt. Die noch vor der Universität gegründete LSF wurde ja später in die Universität eingegliedert.

Der Finanzsektor hat der LSF das Geld gestrichen, weil er überaus unzufrieden mit dem Personal und dessen Arbeit ist...

Prof. Ligeti Die LSF ist den Erwartungen des Finanzsektors sehr stark ausgesetzt. Doch sie ist zu klein, es gibt zu wenig Professoren. Wir setzen deshalb Schwerpunkte und wollen die Studienprogramme untersuchen. Wenn wir sie vergrößern wollen, müssen die Studienprogramme reformiert werden. Zurzeit gibt es zwei Master in Voll- oder Teilzeit. Jetzt denken wir über einen zweijährigen Master nach sowie über mehr Studieneinheiten auf Bachelorlevel, um auf fünf Studienjahre hinarbeiten zu können. Es dauert, bis das alles steht. Aber ich bin stolz, dass wir die Grundlagen dafür gelegt haben. Unser Ziel ist eine LSF als Marke mit eigenen Professoren. Dazu wollen wir Studienprogramme mit Außenwirkung; auch was die Praktika angeht.

Welche Faktoren sind ausschlaggebend für die
Reform?

Prof. Ligeti Die Reform beruht einerseits auf Feedback, andererseits auf internen Ressourcen. Wir wollen mehr Studenten als früher herbringen und Studiengänge auf Englisch durchführen. Aber viele Studenten müssen auch Französisch können. Man muss auch wissen, dass die Bedürfnisse des Finanzplatzes nicht nur durch die Bachelor- und Masterabsolventen abgedeckt werden können. Daher wollen wir unser Portfolio erweitern und mehr gebührenpflichtige Zertifikate anbieten. Beispielsweise haben wir gerade mit dem britischen Auktionshaus „Christie’s“ das Zertifikat „Owning and Investing in Art“ aufgelegt. Wir sind sehr froh über unsere Partner. Das Zertifikat besteht aus rund zehn Tagen Unterricht, also eine Woche hier und eine in London und wird rund 8.200 Euro Gebühren kosten. Wir werden die Portfolios nach und nach ausweiten. An einem Zertifikat arbeiten wir rund 1,5 Jahre. Dafür brauchen wir eine Struktur. Die ist das neu gegründete Competence Centre der Uni Luxemburg, ehemals IUIL. Wir sind die erste Fakultät, die Zertifikate anbietet. Wir werden auch Zertifikate in Fintech und nachhaltigen Finanzen lancieren. Da hoffen wir auf Sponsoren. Wir setzen klar auf Nischen.

Eine weitere Personalie, an der sich der Finanzplatz reibt, ist Julian Presber, der bei der Universität der Koordinator für die Beziehungen zum Finanzplatz ist. Der Bankenverband ABBL lehnt eine Zusammenarbeit mit ihm kategorisch ab. Gibt es da Entscheidungen?

Prof. Ligeti Der Finanzsektor ist sicher sehr wichtig. Kollegen wie Herr Presber sind einem starken Erwartungsdruck ausgesetzt. Man muss ihnen helfen und in dieser Sonderfunktion unterstützen. Wir wollen mehr rekrutieren. Bislang ging das wegen des Einstellungsstopps nicht. Wir befinden uns in einer Zeit grundlegender Reformen. Aber man sollte nicht vergessen: Die Universität ist eine halböffentliche Institution und die LSF ist Teil der Fakultät. Sie wird über die Regierung und nicht über die ABBL finanziert.

Es sollte der neue Lehrstuhl „Capital Markets and Post Trade“ eingerichtet werden, den Clearstream, die EZB und ein Konsortium aus weiteren Partnern unterstützen wollen. Wie sieht es da aus?

Prof. Ligeti Wir sind in der letzten Phase des Rekrutierens. Sobald der Einstellungsstopp im Februar aufgehoben wurde, haben wir den Lehrstuhl ausgeschrieben und jetzt, nach einigen Monaten, besetzt. Wir hatten sehr interessante Bewerber und es war schwierig, eine Shortlist aus den über 40 Bewerbungen zu erstellen.

Auch an eine Rechtsklinik für Flüchtlinge hatte die Universität gedacht…

Prof. Ligeti Eine Rechtsklinik ist insgesamt eine innovative Lehrmethode, die im Verbraucherrecht bereits gut läuft. Die Kollegen haben EU-Gelder zum Aufbau eines EU-Netzwerkes erhalten. Das wird aber wohl eher in andere Bereiche fließen und nicht in das Flüchtlingsrecht, wo es bereits andere Hilfsangebote gibt. Es ist aber zum Beispiel eine „Street Law Clinic“ für Obdachlose im Gespräch.

2018 feiern Sie zehn Jahre Master of Entrepreneurship and Innovation - ein Erfolg?

Prof. Ligeti Das ist eines der erfolgreichsten Programme. Wir arbeiten dabei mit der Handelskammer zusammen. In jedem Jahr haben wir insgesamt rund 40 Studenten im zweijährigen Master. Vor kurzem haben wir es von einem auf zwei Jahre ausgebaut. Es ist ein sehr internationaler Studiengang mit dem Ziel, mehr Unternehmertum in Luxemburg zu fördern. Da gibt es vielfältige Beispiele wie zum Beispiel eine Absolventin, die eine App für Teilzeitarbeit entwickelt hat; JobToday heißt sie.

Sie haben auch einen Master in Logistics-Studiengang. Ist der so teuer wegen der Zusammenarbeit mit dem Massachusetts Institut of Technology?

Prof. Ligeti Das einjährige Programm mit einem dreiwöchigen Aufenthalt beim MIT kostet 24.000 Euro, das ist für solche Programme im internationalen Rahmen üblich. An unserer Fakultät gibt es zwei Konzepte: kostenlose und kostenpflichtige Ausbildung. Wenn wir Gebühren für solche Studiengänge einnehmen, erhalten wir unsere Unabhängigkeit und binden uns nicht. Wir sind eine öffentliche Institution, und normalerweise sind alle Plätze subventioniert, da die Studenten nur 200 Euro Gebühr zahlen. Eine Ausnahme ist die LSF, nicht die einzige aber vielleicht die wichtigste, die Einnahmen generiert. Studenten zahlen rund 17.500 Euro jährlich. Es werden zwar hohe Einnahmen generiert, aber die Ausgaben waren lange auch sehr hoch.

Welche Prioritäten wollten Sie setzen?

Prof. Ligeti Für mich lag der Schwerpunkt im Aus- und Umbau der Fakultätsverwaltung, die jetzt kurz vor dem Abschluss steht. Was Lehre und Forschung betrifft, arbeiten wir an Doppel-Diplomen. Glücklicherweise sind unsere Studiengänge nachgefragt. Mit der Keio-Universität in Tokio, einer Top-Privatuniversität, verhandeln wir derzeit über einen Doppel-Diplom Master in Recht, der noch nicht unterzeichnet ist. Uns liegen - auch wegen des Brexits - weitere Anfragen vor. Wir haben einheimische Studenten, die aber häufig auch aufgrund der hiesigen Tradition ins Ausland gehen.