LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Claude Meisch: Schulentwicklung soll transparent, sachlich fundiert und praxisnah sein

Im Mittelpunkt ging es um die Frage, wie es in der luxemburgischen Bildungspolitik weitergeht: Im Rahmen eines informellen Treffens mit Medienvertretern ging Claude Meisch, Minister für Bildung, Jugend und Kindheit gestern auf die zukünftigen Herausforderungen ein, auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext. In den vergangenen sieben Monaten seien viele Gespräche darüber geführt worden, wo das Bildungssystem hinsteuern soll.

Transparente, sachliche und praxisnaheMethode

Der Weg dorthin soll vor allem als Schulentwicklung und weniger als Reform verstanden werden - ein Stichwort, das viele Ängste wecke. Das Schulsystem soll Schritt für Schritt anhand einer transparenten, praxisnahen und sachlich fundierten Methode kontinuierlich verbessert werden. In erster Linie im Dialog mit den direkten Akteuren des schulischen Umfelds. Das alleine reiche allerdings nicht aus. In der Bildungspolitik gehe es auch um gesellschaftliche Fragen, so Meisch, deshalb sei die Einbindung der Gesellschaft notwendig.

Das gilt zum Beispiel für die Ausarbeitung der Schulprogramme und die geplante nationale Programmkommission, in die, wie im Regierungsprogramm angekündigt, auch Akteure aus der Gesellschaft ihre Sichtweise mit einbringen sollen. Diese Kommission sei unter anderem auch für die Vernetzung der Programme in der Grundschul- und Sekundarschulbildung verantwortlich.

Höherer Stellenwert für die Schul-autonomie

Besonders im Kontext der Sekundarschulreform soll der Autonomie der Schulen ein höherer Stellenwert eingeräumt werden. Schulen sollen mehr Freiheiten bekommen, eigene Projekte und Lösungen für die spezifischen Herausforderungen auszuarbeiten, um so auch der Heterogenität der Gesellschaft Rechnung zu tragen. Positive Beispiele gebe es hierfür bereits. An der Politik sei es hingegen, die Zielsetzung vorzugeben und die Rahmenbedingungen festzulegen.

In der Frage der Mehrsprachigkeit in Luxemburg gelte es laut Meisch zwei Aspekte zu berücksichtigen: Die Schwierigkeiten von Kindern mit Migrationshintergrund mit dem Deutschen sowie die Probleme von luxemburgischen Schülern mit der französischen Sprache. Meisch wies auf die „verkehrte Welt“ in den Betreuungsstrukturen hin. Während luxemburgische Kinder mehrheitlich auf luxemburgisch betreut würden, werde vor allem in den privaten „Crèchen“ Französisch gesprochen. In Anbetracht der Tatsache, dass Kindern der Spracherwerb in jungen Jahren leichter falle, sollten die Betreuungsstrukturen insgesamt bilingual ausgerichtet sein. Dass die Kinderbetreuung bis drei Jahre gratis sein soll, sei als Stärkung der Frühförderung zu verstehen, auch im Sinne von mehr Chancengleichheit.

„Stage“ auch in der Grundschule

Was die Lehrerausbildung anbelangt, laufen bereits die Arbeiten am geplanten nationalen Institut, denn hier ist man an den Zeitplan der Reform im öffentlichen Dienst gebunden. Dass auch in der Grundschule nach dem Muster der Sekundarschule ein „Stage“ eingeführt werden soll, sieht Meisch als Chance, um junge Lehrern bestmöglich auf den Berufsalltag vorzubereiten. „Wir brauchen eine praxisnahe Grundausbildung“, so Meisch. Der Schwerpunkt solle auf didaktischen und pädagogischen Aspekten liegen. Das gelte wiederum auch für die Sekundarschule. Die von den angehenden Lehrern geforderte schriftliche Arbeit solle sich nicht mehr nur auf das Fach beschränke, sondern auch die Wissensvermittlung eine Rolle spielen.