LUXEMBURG
INGO ZWANK

Oekotopten-Projektbegleiter Camille Muller: „Wenn die Infrastruktur stimmt, werden Pedelecs in ein paar Jahren die Mobilität garantieren“

Noch vor einigen Jahren als Seniorenrad verpönt, hat das Pedelecs mittlerweile seinen festen Platz im Alltagsverkehr - bei Alt und eben auch vor Jung! Ob als trendiges Stadtfahrrad, als Drahtesel für längere Strecken, als Faltrad zum Kombinieren mit dem öffentlichen Verkehr oder als Lastenrad zum Transportieren größerer Objekte - die Zielgruppe der Nutzer elektrisch unterstützter Fahrräder breitet sich mittlerweile unaufhaltsam weiter aus - wie auch in Luxemburg.

Oekotopten nimmt sich immer wieder dem Thema der motorisierten Zweirädern an. Mit dem zuständigen Projektbegleiter, Camille Muller, haben wir uns über die Thematik unterhalten.

Herr Muller, was ist eigentlich genau ein Pedelec?

Camille Muller Ein Pedelec ist im Grunde nichts anderes als ein gewöhnliches Fahrrad mit einem elektrischen Hilfsmotor zur Tretunterstützung. Pedelec steht für „Pedal Electric Cycle“. Der Radfahrer muss jedoch weiterhin mit eigener Muskelkraft in die Pedalen treten. Durch die zusätzliche Leistung des Elektromotors wird das Pedalieren erheblich erleichtert. Ohne Treten gibt der Elektromotor allerdings keine Leistung ab. In diesem Zusammenhang sagte ich daher immer gerne, dass ich kein Radfahrer, sondern mobil bin.

Was ist also der Unterschied zwischen E-Bike und Pedelec?

Muller Pedelecs werden rechtlich als Fahrräder eingestuft. E-Bikes oder Electro-Scooter hingegen werden vom Gesetz her als Kleinkrafträder angesehen. Beide Typen unterscheiden sich durch die maximale Nenndauerleistung des Elektromotors. Ein weiteres Merkmal beider Typenmodelle ist die Unterstützung des Elektromotors, welche sich mit zunehmender Fahrzeuggeschwindigkeit progressiv verringert und beim Erreichen einer typenspezifischen Geschwindigkeit unterbrochen wird. Des Weiteren gilt Helmpflicht. Doch man muss sagen, dass auch Pedelec-Fahrer nicht auf das Tragen eines Helms verzichten sollten.

Ist die Nutzung entsprechend gesetzlich geregelt?

Muller Seit 2005 wird das Pedelec im nationalen „Code de la Route“ als „Cycle à pédalage assisté“ bezeichnet. Auf legislativer Ebene gibt es neben dem „Cycle à pédalage assisté“ noch eine weitere Zweiradgruppe, die sich nur von der Motorleistung vom Pedelec unterscheidet - das „Cycle électrique“. Dieses Rad mit elektrischem Hilfsmotor darf eine maximale Motorleistung von 500 Watt nicht überschreiten, in dem Fall die doppelt erlaubte Motorleistung eines Pedelecs. Man muss allerdings erwähnen, dass es diesbezüglich keine EU-einheitliche Regelung gibt.

Auf was muss ich generell beim Kauf aufpassen?

Muller Beim Kauf eines Pedelecs sollte man vor allem auf die Batterie achten. Pedelecs werden mit Lithium-Ionen-Akku, Nickel-Metallhydrid-Akku, Nickel-Cadmium-Akku und Bleiakku ausgestattet. Lithium-Ionen-Akkus sind die beste Lösung, da sie bei geringem Gewicht, die beste Leistung aufzeigen.

Wegen der hohen Energiedichte empfiehlt OekoTopten den Kauf eines Pedelecs mit Lithium-Ionen-Akku. Bleiakkus werden in Europa nicht mehr in Pedelecs verbaut. Schon alleine wegen des hohen Gewichts und des niedrigen Wirkungsgrades machen Bleiakkus in Pedelecs keinen Sinn. Nickel-Cadmium- und Nickel-Metallhydrid-Akkus verlieren nach einem Monat 15 Prozent bis 20 Prozent, respektiv 30 Prozent ihrer anfänglichen Ladungsmenge.

Welche Fahrstrecke kann ich denn mit einem Pedelec zurücklegen?

Muller Die Reichweite der Pedelecs ist recht unterschiedlich und hängt von mehreren Faktoren ab. Gewicht, Topographie, Alter der Batterie, dies alles spielt eine Rolle. Die Pedelecs der OekoTopten-Liste geben eine Reichweite von 40 bis 85 Kilometern gemäß Angaben des Herstellers. Mit den neueren Modellen ist es kein Problem, auch weiter zu fahren, nach Herstellerangaben durchaus zwei mal 180 Kilometern, zwei mal wegen der neuinstallierten und dünneren, leistungsstärkeren Akkus.

Kann ich damit auf Fahrradpisten fahren oder muss ich auf die Straße?

Muller Pedelecs dürfen ohne weiteres auf Fahrradpisten genutzt werden. E-Bikes, mit einer Motorenleistung über 250 Watt, haben allerdings nichts auf Fahrradwegen verloren. Durch ihre hohe Maximalgeschwindigkeit von 45 km/h stellen sie eine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer dar.

Wie war und ist die Akzeptanz aus Ihrer Sicht bei den Luxemburgern zum Pedelec - hat sich diese Akzeptanz in den Jahren verändert?

Muller Ja, die hat sich verändert. Seit Jahren setzten sich Mouvement Ecologique und Oekozenter Pafendall mit unserem Projekt Oekotopten.lu sowie die „Lëtzebuerger Vëlos’ Initiativ“ dafür ein, dass die Verbreitung von Pedelecs nicht durch beschwerliche und widersinnige Behördengänge zur „Société Nationale de Contrôle Technique“ (Sandweiler) gebremst werden soll. Bis zum 31. Januar 2016 musste der Käufer eines Pedelecs mit der Rechnung zur Kontrollstation, um dann dort ein Konformitätszertifikat ausgehändigt zu bekommen. Die Abschaffung der Vignette stellt nun einen deutlichen Anreiz dar, wenn man die Bürger dazu ermuntern will, sich unter anderem auch mit dem Pedelec an der sanften Mobilität zu beteiligen.

Das hat man auch schon deutlich gemerkt, nach dem Wegfall von Sandweiler boomten die Verkäufe, die Nachfrage ist ohne Zweifel da.

Und ich gehe auch davon aus, dass wenn entsprechend passende Infrastrukturen wie Radschnellwege entstehen, bald das Pedelec zum absoluten Alltagsfortbewegungsmittel zählen wird. Diese Radschnellwege sind Radverkehrsverbindungen, die direkt geführt und qualitativ hochwertig Wohn- und Gewerbegebiete und Zentren miteinander verknüpfen. Ihr besonderes Merkmal ist die Möglichkeit einer gleich bleibenden Fahrgeschwindigkeit mit relativ geringem Energiebedarf, also optimal für Pedelecs - wie beispielsweise an der N7.

Denn erwiesenermaßen fahren Pedelec-Radler öfter und länger auf ihrem elektrisch unterstützten Drahtesel zur Arbeit als mit dem klassischen Fahrrad, da der aktive Radiusbereich größer, die benötigte Zeit kürzer und beschwerliche Steigungen leichter zu meistern sind. Je nach Verkehrslage und Strecke ist man mit dem Pedelecs bis zu drei Mal schneller als mit dem Auto.

Hinzu kommt ja auch, dass es eine immer leichtere und kompaktere Bauweise der Bikes gibt.

www.oekotopten.lu

Das „Vël’Ok“-System im E-Modus: 300 Abonnenten und rund 1.000 monatliche Zugriffe: 16 weitere Elektroräder für Schifflingen

ESCH/ALZETTE-SCHIFFLINGEN Viele Gemeinden haben den Trend der Zeit erkannt und setzen immer mehr auf Elektromobilität - auch in einem einfachen System für die Bürger. Ein Beispiel ist hier das „Vël’OK“-System, das in Esch/Alzette seinen Ursprung hat. Derzeit sind 170 Fahrräder auf 24 Stationen an strategischen Stellen in der Stadt verteilt. In den kommenden Monaten werden noch mehr dazukommen. Die Gemeinde Schifflingen hat sich 2015, wie andere Südgemeinden auch, an das Mietfahrradsystem „Vël’OK“ angeschlossen, was sich als toller Erfolg herausgestellt hat.

Die drei ersten Säulen zum Entnehmen oder Aufladen der Elektrofahrräder wurden vor der Gemeinde, auf dem Parkplatz neben dem Bahnhofsgebäude, sowie im Eingang der „Cité op Hudelen“ aufgestellt. Mit mittlerweile fast 300 Abonnenten und rund 1.000 monatlichen Zugriffen ist der Erfolg nicht zu leugnen und somit hat die Gemeinde beschlossen, weiter in das System zu investieren.

Drei weitere Säulen wurden während der Mobilitätswoche 2016 in der Escher Straße „beim Rio“, beim Gemeindeschwimmbad und bei der „Hall Polyvalent“ in Betrieb genommen. Doch das Angebot weitet sich weiter aus!

140.000 Euro Kredit sind im außergewöhnlichem Haushalt 2017 vorgesehen und so entstanden drei weiter Stationen (Ecke „rue des Fleurs“-“rue Pierre Krier“, zwischen der „Cité Emile Mayrisch“ und der „Cité Um Benn“, sowie eine zusätzliche in der „Cité op Hudelen“. Außerdem wurden noch 16 weitere Elektroräder angeschafft.

Um sich dem „Vël’OK-System“ anzuschließen, genügt es im Amt für Urbanismus und Nachhaltigkeit (14, Liberationsstraße) vorstellig zu werden und einen Ausweis, ein Bankkarte, sowie eventuell eine „mKaart“ mit sich zu führen. Sollten Sie noch nicht im Besitz einer „mKaart“ sein, wird Ihnen diese kostenlos ausgestellt

„BE Bike“-Fahren: In Bartringen werden seit 2012 E-Bikes verliehen

LUXEMBURG Die Gemeinde Bartringen bietet bereits seit Jahren einen eigenen Dienst zum Verleih von E-Bikes mit Batteriebetrieb. Der „BE Bike“ genannte Service steht seit 2012 jedem zur Verfügung, der in der Gemeinde wohnt oder arbeitet. Die Nutzung der Fahrräder beschränkt sich dafür nur auf die Fläche der Gemeinde, über die Grenzen hinaus dürfen die Räder nicht rollen. Dafür ist ihre Benutzung vollständig kostenlos. Derzeit seien knapp 300 Mitgliedskarten für den „BE Bike“-Verleih ausgestellt worden, wie die Gemeinde auf Nachfrage des „Journal“ mitteilte.

An insgesamt sechs Stationen (direkt an der Gemeinde, an der „Belle Etoile“, drei Mal in der Industriezone „Bourmicht“ sowie an der „City Concorde“) stehen den Nutzern alles in allem 30 Fahrräder zur freien Verfügung. Im Rahmen des DICI-Kooperationsprojektes mit der Stadt Luxemburg und den Anrainergemeinden sei zudem ein Ausbau geplant: So werde künftig das städtische „Velo’h“-Netz ebenfalls zum Teil mit Elektro-Rädern ausgestattet.

300 Euro Steuervorteil vom Staat: „Clever fahren, Steuern sparen“

LUXEMBURG Im Rahmen der Steuerreform wurde eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität eingeführt. Neben dem neuen Steuerfreibetrag für emissionsfreie Privatfahrzeuge und einer Neubewertung des pauschalen geldwerten Vorteils für Dienstwagen entsprechend ihrer umweltbelastenden Wirkung in Bezug auf den Treibhausgaseffekt und die Luftverschmutzung (Partikelemissionen und NOx-Emissionen), sind die großen Gewinner der Steuerreform das Fahrzeug mit 100 Prozent elektrischem Antrieb, das Fahrrad und das Pedelec, die beide mit 300 Euro über Steuervorteile „bezuschusst“ werden.

Alle Infos hierzu unter www.tinyurl.com/PedelecPraemie