REMICH
PATRICK WELTER

„Terroir Moselle“ - Erster Weinkongress der Großregion in Remich

Lange hat jeder nur seine Mosel gesehen. Was aus deutscher Sicht lange die Obermosel war, ist für das Großherzogtum die luxemburgische Mosel, und dass der Fluss nicht gleich hinter der Schleuse Apach entspringt, wurde lange ignoriert. Obwohl die Mosel in Frankreich auf einer langen Strecke aus den Vogesen bis zum Dreiländereck aus einem Bächlein zu einem veritablen Fluss wird. Heute ist die Mosel der gemeinsame Fluss - die europäischen Mosel.

Lange galt Moselwein als deutsche und luxemburgische Spezialität. Für Frankreich lagen diese merkwürdigen heimischen Moselwinzer viel zu weit im Norden. Erst vor wenigen Jahren hat die Weinnation Frankreich ihr eigenes Weinanbaugebiet „Moselle“ anerkannt. Die dortigen Rebflächen sind nicht so groß wie in Deutschland und nicht so zusammenhängend wie in Luxemburg, aber es gibt sie, beginnend mit der „Côte de Toul.“

Um 2010 herum erwuchs aus einem Leader-Projekt der Zusammenschluss „Terroir Moselle“. Woraus 2013 dann eine „Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung“ (EWIV) wurde, zu Beginn noch LEADER-finanziert. „Terroir Moselle“ setzt sich aus 16 Winzer- und Tourismusorganisationen des gesamten Tals von Toul (F) bis Koblenz (D) zusammen. Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich in Grevenmacher.

Erster Weinkongress der Großregion

Gestern hatten Corinne Cahen als Ministerin für die Großregion sowie Landwirtschafts- und Weinbauminister Fernand Etgen zu einem Weinbaukongress der Großregion, also des „Terroir Moselle“, nach Remich geladen. Dabei handelt es sich um das erste Treffen dieser Art. Im Mittelpunkt der ganztägigen Veranstaltung im Bildungszentrum in Remich standen zwei Themen. Zum einen die Förderung des Weintourismus, zum anderen die Auswirkung des Klimawandels auf die Region.

Folgen des Klimawandels

Die kontinuierliche Erwärmung des Moseltals, nicht mehr Vorbote, sondern Teil des Klimawandels, bringt nicht nur Vorteile, sondern auch Herausforderungen und Gefahren für den heimischen Wein mit sich. Nicht nur neue Rebsorten lieben die Wärme, sondern auch neue, bislang seltene oder unbekannte Schädlinge wandern mit der Wärme nach Norden oder werden über weite Transportwege eingeschleppt und können sich dank der neuen Witterungsbedingungen halten. Der bekannteste Schädling dieser Art ist im Augenblick die Kirchessigfliege.

Weinarchitektur zum Touristenmagnet machen

Marc Weyer, einer der Mitinitiatoren von „Terroir Moselle“, stellte klar: „Wir wollen keinen Ballermann-Tourismus“ . Man setzt darauf, ähnlich wie in Spanien oder Österreich aus der Verbindung von Architektur und Wein ein attraktives Angebot für Wein- und Kulturreisende zu machen.

Für die Initiatoren des Projektes ging es darum, die Besonderheit einer grenzüberschreitenden „Weinarchitektur-Route“ entlang der Mosel herauszustellen. Im Tagungspapier heißt es: „Grenzüberschreitend soll den Touristen und Weinliebhabern eine Route angeboten werden, auf der ihnen imposante Bauten, herrschaftliche Residenzen, einheitliche Winzerdörfer und moderne Vinotheken (im Gewölbekeller oder im Neubau) präsentiert werden. So kann die Weinbautradition in gleich drei Ländern kennengelernt und erlebt werden.“


www.terroirmoselle.eu