LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft beantragt 36 Monate Haft und 22 Jahre Fahrverbot

Eigentlich hätte er zehn Jahre kein Auto mehr fahren dürfen, er tat es trotzdem. Am 16. Juni 2016 wurde ihm wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und ohne Versicherung der Führerschein für zehn Jahre entzogen. Jahrelang hatte die luxemburgische Justiz versucht, den Mann auf den richtigen Weg zu bringen. Vergeblich.

„Eine Gefahr für die Gesellschaft“

Jetzt stand er erneut wegen Fahrens ohne Führerschein und ohne Versicherung vor Gericht. Weitere Anklagepunkte sind hinzugekommen: Diebstahl und Betrug. Der Mann sei „eine Gefahr für die Gesellschaft“, heißt es.

Am 28. August 2017 bringt er seinen Wagen in die Reparatur, ohne Geld zu haben. Danach entwendet er in der Garage heimlich die Autoschlüssel, nimmt noch ein Handy mit, das ihm nicht gehört und fährt weg - ohne die Rechnung zu bezahlen. Obwohl ein Zeuge ihn beim Diebstahl beobachtet hatte, bestreitet er den Handydiebstahl vor Gericht kategorisch.

Am 22. November 2017 gerät er in eine Polizeikontrolle. Auch diesmal muss er passen: kein Führerschein, keine Versicherung.

Am 27. Dezember 2017 verursacht er unter Drogeneinfluss einen Unfall. Nachdem er das Fahrzeug verlassen hatte, verschwand er zu Fuß vom Unfallort. Als die Polizei zum Unfallort kam, wurde unverzüglich eine Fahndung nach ihm eingeleitet. Am selben Tag stahl er in einem Geschäft eine Kamera wird aber von Sicherheitsbeamten festgenommen.

Der Verteidiger hatte einen schweren Stand. Die Beweislage sah nicht gut aus, das erkannte auch Anwalt Sam Ries. Die Vertreterin der Anklage fand, dass der Autofreak, Unfallverursacher und Langfinger diesmal ganz klar eine Grenze überschritten hat.

Die Staatsanwaltschaft beantragte am gestrigen Donnerstag für den 27-Jährigen eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Dazu kommen 268 Monate (22 Jahre) Führerscheinentzug und Fahrverbot.

Mit versteinerter Mine nimmt der Angeklagte die Beantragung hin, während der Anwalt sich kurz zu ihm beugt. Alle Argumente halfen nichts: Für die Richter der zwölften Strafkammer und die Staatsanwaltschaft hat es der Luxemburger jetzt endgültig zu weit getrieben.

„Was machen wir nur mit Ihnen“?, fragte der Vorsitzende Marc Thill den Beschuldigten. Der Mann ist in Justizkreisen bekannt und sitzt seit fünf Monaten in der Justizvollzugsanstalt. Sein Strafregister ist drei Seiten lang, er gilt als ein unbelehrbarer Kleinkrimineller.


Das Urteil fällt am 14. Juni 2018.