PATRICK WELTER

Luxemburg Eigentlich hätten diese Zeilen frühestens in zehn Jahren geschrieben werden sollen. Dass es schon so früh nötig sein würde, einen Mann zu würdigen, dem ich sehr viel zu verdanken habe, macht es besonders traurig.

Im Februar wären es elf Jahre gewesen, die wir uns gekannt hätten. Im Februar 2002, ich hatte den Äquator der Vierzig schon überschritten, stolperte ich über eine Stellenanzeige des Journal mit der Headline „Spitze Feder für investigativen Journalismus gesucht“. Typisch Rob. Genauso typisch war aber seine Reaktion auf meine Bewerbung. Ich schrieb ihm, dass der investigative Journalismus in Luxemburg einen schlechten Stand hat „weil alles unter den Teppich gekehrt wird“. Wörtlich. Prompt lud er mich zu einem Vorstellungsgespräch ein.

Das Erstaunliche war, dass ich von einem publizistischen Musikdampfer (zehn Jahre „Muselzeidung“) kam und nun auf einem regelrechten politischen Schlachtschiff, klein aber feuerkräftig, anheuern durfte. Für Rob war das kein Problem. So begann mein Weg durch das Journal: Korrespondent, Reporter, Redakteur... .

Was Rob Roemen auszeichnet und was ich mir gerne bei ihm abgeschaut habe, ist seine Art der respektvollen Respektlosigkeit. Kritisch und scharf fragen, kritisch kommentieren, aber keine Schläge unter die Gürtellinie.

Hart waren nur die nächtlichen SMS in denen er noch schnell einen Auftrag für den nächsten Morgen vergab, weil er im Café eine Geschichte gehört hatte und möglicherweise ein Scoop dahinter steckte.

Vielleicht verstanden wir uns so gut, weil wir beide ideologische Liberale waren. Die Freiheit des Menschen zuerst, wohlgemerkt verantwortliche Freiheit. Obwohl wir in den elf Jahren, die wir uns kannten, niemals vom „Sie“ abgekommen sind, kann ich heute sagen, dass ich mit Rob Roemens Tod nicht nur ein journalistisches Vorbild, sondern auch einen Freund verloren habe.