LUXEMBURG
SVEN WOHL

Der luxemburgische Science-Fiction-Schriftsteller Claude Peiffer verrät, wie er zum Genre gefunden hat

Luxemburg ist alles andere als für seine Science-Fiction-Literatur bekannt - Trotz Space-Mining-Visionen des Wirtschaftsministers und Hugo Gernsback. Doch es gibt sie, die Schriftsteller, die sich auch hierzulande in diesem Genre versuchen. Zu den wichtigsten Autoren darf man in dieser Hinsicht Claude Peiffer zählen, der in seinem groß angelegten „Hammanon“-Zyklus zeigt, dass auch Luxemburg das Potenzial zur Science-Fiction-Nation hat.

Ihre Reihe umfasst gleich fünf Bücher, wovon der vierte Teil vergangenes Jahr erschienen ist. Die meisten Science-Fiction Autoren fangen mit Kurzgeschichten an. Ist das bei Ihnen anders?

Claude Peiffer Nein! Wobei abzusehen war, dass es selbst mit fünf Büchern nicht reichen würde. Angefangen habe ich in den 1980ern, wo ich meine ersten Geschichten noch auf einer Schreibmaschine tippte. Die wurden leider nie veröffentlicht. Später, als ich schon auf dem Computer schrieb, habe ich Pabel-Moewig, dem Verlag hinter Perry Rhodan, einige Geschichten hereingeschickt. Bei einem Storywettbewerb dieses Verlages habe ich auch mitgemacht. Da war meine Geschichte dann unter die zehn besten gekommen und wurde anschließend in einem Taschenbuch veröffentlicht. Davor habe ich auch Gedichte auf e-stories.de den Lesern angeboten.

Perry Rhodan hatte einen großen Einfluss auf Sie, oder?

Peiffer Perry Rhodan war eine große Inspiration, die Serie hat mich zum Schwärmen und Träumen gebracht! Viele Ideen, die man dort finden kann, sind wirklich gut! Vor allem in den 1980ern, wo die New Age-Tendenz stärker durchgeschimmert hat, war die Serie einer meiner Favoriten. Star Trek war selbstverständlich auch sehr wichtig für mich.

Später habe ich auch ein Fanzine zusammen mit anderen produziert. Das hat sich mit immerhin 500 Exemplaren - auch im Ausland - verkauft. Leider meinte da der Perry-Rhodan-Verlag, wir sollten Lizenzgebühren bezahlen.

Lesen Sie heute noch die Heftromane?

Peiffer Nicht mehr wirklich. Ich habe bereits vor einiger Zeit aufgehört, sie zu sammeln. Nach der Ausgabe 2.200 hat sich für mich alles zu sehr wiederholt. Im Netz lese ich immer wieder die Zusammenfassungen und muss mittlerweile den Kopf schütteln. Aber das ist dann wohl eher eine Frage der Generationen.

Wie stark beeinflusst Sie das Tagesgeschehen beim Schreiben?

Peiffer Sehr viel. Luxemburg kommt ja auch in meinen Büchern vor. Abgesehen davon rücken rechtsradikale Bewegungen durchaus in den Fokus. Und in den aktuellen Zeiten scheint das wieder Aufwind zu bekommen. Weil in meinem Plot spielen solche Tendenzen eine gewisse Rolle.

Wie plant man so eine lange Reihe?

Peiffer Unterwegs fällt einem viel ein, aber Vieles läuft über die Exposés. Ich bin auch ein eher langsamer Schreiber: Nur alle zwei bis drei Jahre erscheint ein neuer Roman. Wenn für jedes Volk, das einmal nebenbei Erwähnung findet, Seiten an Hintergrundmaterial geschrieben werden, kommt da einiges zusammen.

Kriegen Sie das noch alleine bewältigt?

Peiffer Ich befürchte, das Ganze wächst über mich heraus. Bei mir zu Hause liegen noch über 30 verschiedene Exposés. Alleine werde ich die nicht mehr umsetzen können. Ich würde mich freuen, wenn junge Menschen daran mitschreiben würden. Da könnten sie beispielsweise lernen, nach einem Exposé zu arbeiten. Es wird dabei längst nicht alles vorgeschrieben, doch die Haupthandlung ist auf jeden Fall dann vorgegeben. Ich hatte da einmal einen Aufruf gestartet, doch bis heute hat sich noch niemand gemeldet, der sich dafür eignen würde. Leider!

Dieser Tage wird ja der wichtige Science-Fiction-Preis, der Hugo Award, verliehen. Verfolgen Sie das?

Peiffer Früher mehr als heute. Als Alleinstehender war ich wesentlich mehr drin, heute gehen Familie und Job vor. Trotzdem kriege ich immer noch etwas davon mit. Ich lese gelegentlich noch das eine oder andere Buch, aber viel Zeit bleibt dafür nicht. Früher war das definitiv anders, da hat man immer versucht, bei Perry Rhodan mithalten zu können.

Sie haben Ihre Bücher im Selfpublishing veröffentlich. Wie sind Sie dazu gekommen?

Peiffer Ich habe bei Verlagshäusern angeklopft, doch das Interesse war eher gering und eine Selbstbeteiligung kam nicht in die Tüte. Da ich selbst im grafischen Bereich aktiv bin, konnte ich die Gestaltung selbst in die Hand nehmen. Und ob die Bücher später hier im Buchhandel liegen oder nicht, ändert wenig daran, wie viele ich verkaufe. Das meiste läuft über Amazon und ähnlichen Online-Plattformen. Mit den Verkäufen bin ich ganz zufrieden.

Wie sieht die Reaktion der Luxemburger aus?

Peiffer Ganz unterschiedlich: Manchmal wird geradeaus gesagt, dass ich da nur Mist schreibe, andere Male wird mir verraten, man würde es ganz interessant finden - was dann bitte geheim bleiben soll! Viele Leute lesen Science-Fiction eher heimlich, glaube ich. Das sieht man auch bei Perry Rhodan, das ja immer noch den Status des Groschenromans hat, womit gemeint ist, dass es Schundliteratur ist. Dabei ist das gar nicht der Fall.