CELLE/HAGEN INÈS PLUME (DAPD)

Zimmerexoten haben allerhand Ansprüche - Bei Orchideen kommt es auf die richtige Pflege an

Wer jetzt durch Gärtnereien und Gartenmärkte streift, dem leuchten sie je nach Gattung, Art und Sorte in kräftigem Pink, strahlendem Gelb oder edlem Weiß entgegen. Orchideen bezaubern durch ihre äußerst vielseitigen Farbfacetten. Im Winter, wenn sich das Leben von den Gärten in die Wohnzimmer verlagert, haben sie Hochsaison. Und ohnehin ist die exotische Schöne mit ihren elegant filigranen Blüten die Zimmerpflanze Nummer Eins.

Phalaenopsis und Frauenschuh sind klassische Einsteiger-Orchideen

„Phalaenopsis ist ganz klar die Beginner-Orchidee“, betont Gartenbauingenieur Christian Wichmann vom Orchideen Zentrum Celle: „Sie blüht lange und in den verschiedensten Farben. Außerdem ist sie sehr genügsam und leicht zu pflegen. Alles in allem eine sehr haltbare Orchidee.“ Dabei unterscheide sich die Phalaenopsis - auch Malaienblume oder Schmetterlingsorchidee genannt - in Sachen Pflege kaum noch von anderen Zimmerpflanzen, bekräftigt Andrea Pitzer, Vorsitzende der Orchideenfreunde Ostwestfalen-Lippe e. V. Schließlich sei die ursprünglich im Regenwald beheimatete und dort als sogenannte Epiphyte auf Bäumen wachsende Pflanze seit Jahrzehnten für die Fensterbank gezüchtet worden.

Am besten gedeiht die Phalaenopsis an einem hellen, warmen Standort, erklärt Wichmann. Bei direkter Sonneneinstrahlung allerdings sollten Orchideenliebhaber vor allem im Sommer für ausreichend Schatten sorgen. Oder aber die Pflanze während der Sonnenstunden kurzfristig an einen anderen Standort stellen und so vor Sonnenbrand schützen. Außerdem vertrage die Orchidee keine Zugluft. Und bevor man sie gießt, sollte speziell bei der Phalaenopsis das Substrat erst vollständig abtrocknen, erklärt Orchideen-Experte Wichmann. Denn nasse Füße mag sie nicht: „Einmal pro Woche taucht man dann den Topf kurz unter und lässt das Substrat Wasser ziehen.“ Während die trockenen Wurzeln eher silbrig erscheinen, sehen sie vollgesogen wieder satt grün aus, beschreibt Pitzer. Der erdwachsende Frauenschuh (botanisch: Paphiopedilum) dagegen bevorzuge eine gleichmäßige Feuchte. Die ausdrucksstarke Orchidee blüht von Oktober bis März - und ist ebenfalls pflegeleicht. „Frauenschuh ist mit die größte Orchideengattung überhaupt, hier gibt es wirklich eine atemberaubende Vielfalt an Farben und Formen“, schwärmt Wichmann. Daneben eigneten sich auch Zygopetalum und Oncidium sowie sogenannte Multi-Hybriden, also durch Zucht vermehrte Pflanzen wie Odontocidium oder Beallara, für Hobbygärtner, auch wenn diese etwas pflegeintensiver seien. Im Sommer könnten diese Orchideen halbschattig ins Freie gestellt werden.

Die Kunst des Gießens - Typische Fehler bei der Orchideenpflege

Was das richtige Gießen von Orchideen angeht, hält sich ein Ammenmärchen hartnäckig: „Orchideen immer nur mit einem Fingerhut voll Wasser zu gießen, das ist absoluter Quatsch“, betont Wichmann. Schließlich müsse das Substrat - ein grobes Material wie etwa Rinde und Moos - auf jeden Fall komplett durchfeuchtet sein. „Ich empfehle zum Beispiel einen Eimer mit Tauchwasser - oder aber den Wasserhahn aufzudrehen und von allen Seiten Wasser durch das Substrat laufen zu lassen.“ Denn nur wenn die Pflanzen auch wirklich durchdringend gegossen werden, komme das Wasser tatsächlich überall hin.

Und das ist wichtig für die Zimmerexoten. Denn man sollte gerade jetzt im Winter, wenn die Orchideen oftmals auf Fensterbänken über der Heizung stehen, darauf achten, dass die Luft nicht zu trocken wird. „Man kann aber das Mikroklima rund um die Blätter durchaus verbessern“, sagt Wichmann: So könnten die Orchideen zum Beispiel auf spezielle Plastik-Fensterschalen gestellt werden. Die Schalen selbst sind mit Wasser gefüllt, auf einem Plastikgitter darüber stehen die Orchideen. „So bekommen die Pflanzen von unten feuchte Luft an ihre Blätter.“ Sie mit Wasser zu besprühen, sei allerdings keine gute Idee: „Vor allem sollten Orchideen keinesfalls mit feuchten Blättern in die Nacht gehen“, warnt Wichmann - ansonsten könnten sich Bakterien und Pilzsporen schnell vermehren.

Auf Schädlingsbefall achten - und auf die Pflanzenqualität

Vor allem Schmierläuse sind ein gefürchteter Orchideen-Schädling, besonders im Frühjahr und Herbst: Bei gekipptem Fenster haben die fliegenden Tierchen leichtes Spiel - und streifen auf den Pflanzen ihre Eier ab. Diese und auch die Jungläuse sind kaum zu erkennen. „Wenn sie dann allerdings größer und damit sichtbar werden, haben sie bereits zweimal Eier abgelegt,“, erklärt Wichmann. Und so halte sich der Schädling hartnäckig auf den Pflanzen, sitze tief in den Herzblättern. „Denn mit Insektiziden lassen sich nur die lebenden Tiere selbst bekämpfen, nicht aber Eier oder Puppenstadium.“

Zeigt die Orchidee bereits nach kurzer Zeit statt üppiger Blütenpracht nur noch nackte Stängel, hat man nicht unbedingt selbst etwas falsch gemacht. „Es ist schon ein Qualitätsunterschied, ob ich die Orchidee im Supermarkt oder Baumarkt kaufe - oder aber frisch aus dem Gewächshaus“, gibt Wichmann zu bedenken. Denn dann wisse man nicht, wie lange sie dort schon steht oder vorher unterwegs war.“ Hat die Pflanze beispielsweise einen Kälteschaden, wirft sie ihre Knospen ab, schildert Pitzer: „Im Gartencenter sind die Orchideen gut temperiert, bei weniger als zehn Grad draußen bekommen sie dann einen Schock.“

Die Orchideenfreundin empfiehlt deshalb, Orchideen zum Transport gut in Zeitung einzupacken - und zuhause nicht unbedingt gleich ins beheizte Wohnzimmer, sondern erst nach und nach wärmer zu stellen. Hat etwa eine Phalaenopsis ihre Blüten verloren, sollte man den Blütentrieb abschneiden, rät Pitzer und die Pflanze etwa vier bis sechs Wochen lang bei etwa 16 Grad halten und nur wenig gießen. Nach einer solch kurzen Kühlphase schiebe sie dann wieder einen neuen Trieb.