LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Brudermordprozess: Staatsanwaltschaft fordert wieder lebenslänglich

Er brachte seinen Bruder im Dezember 2014 auf bestialische Weise um: Für einen Mord wurde Eric L. (26) am 24. Februar 2017 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Motive waren klar : Hass und Habgier, denn sein Bruder hatte 500.000 Euro auf seinem Bankkonten. Gegen das Urteil hat L. Berufung eingelegt. Der Täter fordert eine mildere Strafe.

Am Dienstag fielen Worte der Reue: „Es ist nicht zu entschuldigen, was ich getan habe. Ich bereue, was ich gemacht habe. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was ich gemacht habe. Ich habe meinem Bruder das Leben genommen“, sagte L. als Entschuldigung für den brutalen Mord an seinem Bruder.

Zur großen Überraschung saß auch der zweite Angeklagte Allessandro S. am Dienstag auf der Anklagebank im Berufungsprozess - in Handschellen. Die Staatsanwaltschaft hat den ehemaligen Carabinieri wegen „abus de faiblesse“ angeklagt. Er galt für die Staatsanwaltschaft als Nutznießer des Mordes. Ihm war Hehlerei vorgeworfen worden, weil er sich an der Mutter des Angeklagten bereichert haben soll.

Er soll 180.000 Euro ergaunert haben. Mit dem Geld hatte er sich ein Appartement gekauft. Außerdem soll S. dem verurteilten Mörder in erster Instanz ein falsches Alibi verschafft haben. Der mitangeklagte Italiener war in erster Instanz am 24. Februar 2017 freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte für ihn zwei Jahre Haft beantragt. Jetzt sitzt er seit dem 3. März 2017 in der Vollzugsanstalt Schrassig. Der Anklagevertreter versuchte im Prozess Widersprüche zwischen den Aussagen zwischen L. und S. herauszuarbeiten.

Vergiftet und verbrannt

Die Tat hatte in Luxemburg für Bestürzung gesorgt, als die verkohlte Leiche des 30-jährigen Mannes am 20. Dezember 2014 in seiner Wohnung in Esch/Alzette von der Feuerwehr gefunden wurde. Schnell war klar, dass es sich um „Charlie“ handelte. Ein ruhiger, beliebter und angesehener Mensch, der von seinem Bruder mit einem Medikamentencocktail vergiftet und dann angezündet worden war. So sei Charlie bei lebendigem Leibe verbrannt und erstickt.

Es war niederträchtig

Erst vor Gericht konnte man L. den Mord aufgrund seines Geständnisses und der Indizienbeweise nachweisen. Im Mordprozess hatte der Angeklagte versucht, die Mordtat auf Totschlag herunterzuspielen. Sein Verteidiger pochte jetzt erneut auf die miserable Jugend des Mörders und beantragte mildernde Umstände für seinen Mandanten Eric L.. Für den Staatsanwalt soll es bei der Strafe aus erster Instanz bleiben. Er sprach von einem niederträchtigen und perfiden Mord und sah keine mildernden Umstände für diese Tat. Er forderte außer der lebenslangen Freiheitsstrafe auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Entgegen dem Freispruch in erster Instanz fordert der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und eine Geldstrafe von 3.000 Euro für S.. Die Beschaffung des falschen Alibis sei bewiesen. Hinzu komme Hehlerei, sagte der Staatsanwalt. Der Verteidiger von S. meinte allerdings, dass es keine schlüssigen Beweise gebe, die seinen Mandanten so tief in die Sache involvieren würden. Er forderte den Freispruch wie in erster Instanz. Der Berufungshof wird nun den Fall überprüfen.

Das Urteil soll am 12. Dezember gesprochen w erden.