LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Kartheiser tritt als Präsident zurück - Mehlen übernimmt den Interim - Colombera geht

Henckes geht, Gatti geht, Colombera will gehen, Kartheiser geht, Mehlen kommt zurück, Colombera will gehen, Engelen soll kommen, Mehlen will wieder gehen... Bei der adr geht momentan alles drunter und drüber, seit der eher als liberal geltende Abgeordnete Jacques-Yves Henckes am letzten Freitag seinen Rücktritt aus der Partei ankündigte und mit Jean Colombera ein zweiter der vier noch verbleibenden Abgeordneten der „Alternativ Demokrateschen Reformpartei“ mit seinem Rücktritt drohte.

Ganz lebendige Diskussion

Letzterer hatte seiner Partei ein Ultimatum von einem Monat gestellt, dass Fernand Kartheiser von seinem Präsidentenposten zurücktreten müsse und die Partei wieder eine liberale Position zu gesellschaftspolitischen Fragen wie der Homo-Ehe einnehmen müsse, ansonsten er die Partei ebenfalls verlasse.

Henckes, der bis zu den Landeswahlen von 2014 als unabhängiger Abgeordneter im Parlament bleiben will, hatte seinerseits unüberbrückbare Differenzen zwischen ihm und Kartheiser angegeben, der ultrakonservative, stockkatholische und europaskeptische Positionen vertreten würde. Dann trat am Freitag auch noch Fernand Gatti zurück, den zwar keiner kannte, der aber immerhin einer der vier Vizepräsidenten der Partei war.

Die Parteispitze musste reagieren und berief am Dienstagabend eine außerordentliche Sitzung des Nationalkomitees ein, auf der es hoch hergegangen ist. Fernand Kartheiser sprach gestern von einer „ganz lebendigen Diskussion; Jean Colombera - übrigens auch einer der vier adr-Vizepräsidenten - zeigte sich über die im Laufe des Abends gemachten Aussagen aber emotional derart geschockt, dass dieser Abend ihm seinen Entschluss wohl erleichtert hat.

Zwei verschiedene Planeten

Sowohl Kartheiser als auch Colombera kündigten gestern nämlich ihren Rücktritt bzw. Rückzug an: Fernand Kartheiser von seinem Präsidentenposten, Jean Colombera aus der Partei und aus dem Parlament. Der Präsidentenposten soll nun übergangsweise von Ehrenpräsident Robert Mehlen übernommen werden, bis der Nationalkongress am 17. März einen Nachfolger von Fernand Kartheiser bestimmen wird, derweil Jean Colombera vorerst noch Abgeordneter bleiben will, um noch ein wichtiges gesellschaftspolitisches Projekt wie die Einführung der Homo-Ehe mitstimmen zu können.

Er möchte aber spätestens bis Ende 2013 zurücktreten und sein Mandat dann an den Nächstgewählten übergeben.

Das ist der langjährige Generalkassierer und aktuelle Präsident des Nordbezirks, Jeff Engelen.

Bitte melden

Wie Colombera gestern unterstrich, würden er und Fernand Kartheiser auf zwei verschiedenen Planeten leben, wobei Kartheiser auf der rechten Seite stehe und er auf der linken, sei doch schon seit Vater Kommunist gewesen und sei er vor 15 Jahren in die adr eingetreten, da diese damals noch das Ideal des kleinen Mannes von der Straße vertreten habe. Jetzt bewege sich die Partei in eine falsche Richtung; bei den nächsten Wahlen wolle er auf einer anderen Liste antreten. Wo, das wollte Colombera gestern nicht verraten, aber so viele Möglichkeiten kämen bei seinem Profil jawohl sowieso nicht in Frage. Wer möchte, könne sich ja bei ihm melden.

Dauerhafte Existenzberechtigung

Fernand Kartheiser zeigte sich gestern übrigens überzeugt, dass seine Partei eine „dauerhafte Existenzberechtigung“ in diesem Land haben müsse, sei die adr doch zusammen mit der „déi Lénk“ die einzige richtige Oppositionspartei in diesem Land. Von Auflösungserscheinungen könne keine Rede sein, wobei aber wieder Ruhe in die Partei eintreten müsse, und das sei auch die Hauptursache für seinen Rückzug vom Präsidentenposten. Ihm sei jedenfalls nicht bange, dass die adr bis zum Nationalkongress vom 17. März genügend geeignete Kandidaten für seine Nachfolge finden wird. Ansonsten Robert Mehlen ja einfach wieder zum richtigen Präsidenten ernannt werden kann...