EHRENFRIEDERSDORF
CHRISTIAN SPIELMANN

DDR-Filmmusical „Heißer Sommer“ begeistert immer noch

Deutschland wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zweigeteilt, in die Deutsche Demokratische Republik (DDR) und in die Bundesrepublik Deutschland (BRD). Mit dem Mauerbau 1961 wurden beide Bevölkerungen regelrecht voneinander weggesperrt. Die DDR entwickelte nicht nur eine eigene Politik, sondern auch eine eigene Kultur. Filme, Musik, Theaterstücke und Literatur unterlagen der Zensur der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), dennoch gelang es in Nischen eine kritische Subkultur jenseits der Prinzipien des Arbeiter- und Bauernstaats zu schaffen.

Erst als die Mauer 1989 fiel, war Deutschland wieder vereint. Trotz der Übernahme westlicher Gewohnheiten, werden in der Ex-DDR heute noch manche Kulte gepflegt, die von der älteren Bevölkerung nicht vergessen wurden. Dazu zählt „Heißer Sommer“ von Joachim Hasler des DEFA-Studios, der 1968 in die Kinos kam und es mit knapp 3,5 Millionen Zuschauern auf die Liste der 50 der erfolgreichsten Filme in der DDR. Die beiden Hauptdarsteller Chris Doerk und Frank Schöbel erlangten mit dem Film Kultstatus.

Kultstücke

Gerd Natschinski (1928 - 2015) komponierte die Musik zu „Heißer Sommer“. Er erschuf 13 Stücke für das Musiktheater, rund 70 Filmmusiken und etwa 400 Lieder, vor allem Schlager. Seine Schlager „Zwei gute Freunde“ oder „Rom-ta-rom“ waren sehr erfolgreich. „Messeschlager Gisela“ (1960) war seine erste Operette und „Mein Freund Bunburry“ (1964) sein erstes Musical, das auf Oscar Wildes „The Importance of Being Earnest“ basiert. Mit über 6.000 Vorstellungen ist dieses Musical das meist gespielte deutsche Musical. „Servus Peter“ (1961) war eine weitere erfolgreiche Operette und „Ein Fall für Sherlock Holmes“ (1982) ein „Krimical“, also ein Krimi-Musical. Natschinski komponierte einige Lieder für den Film „Nicht schummeln, Liebling“ (1973), den Joachim Hasler ebenfalls inszenierte. Gerhard Siebholz und Frank Schöbel komponierten die restlichen Lieder. Schöbel spielte an der Seite von Doerk die Hauptrolle. Beide waren von 1966 bis 1974 verheiratet.

„Heißer Sommer“ im Open-Air

In Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge betreibt das Eduard-von-Winterstein-Theater von Annaberg-Buchholz das Naturtheater Greifensteine. Diesen Sommer spielt man „Heißer Sommer“ auf dem Freigelände inmitten von bizarren Felsformationen. 2005 wurde der Film erstmals in Rostock als Bühnenmusical gespielt, in einer Überarbeitung von Axel Poike, der in Greifensteine auch Regie führt. Die mittlerweile 76 Jahre alte Chris Doerk war zur Premiere eingeladen worden.

Die 1.200 Zuschauer im Theater sind begeistert, als diese sympathische Sängerin die Zuschauerränge betritt. Sie, der Film und die Lieder sind nicht vergessen worden, jedenfalls bei der älteren Generation.

Die Geschichte handelt von zwölf Mädchen aus Leipzig und 13 Jungen, die von Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz) aus an die Ostsee fahren, wo einerseits für die Mädels Ferien in einem Heim anstehen und andererseits für die Jungs das Flottmachen eines alten Kutters. Nach anfänglichen Streitigkeiten breitet sich die Liebe aus. Auf der Bühne ist Friederike Kury die Stupsi, jene Rolle, die Doerk im Film spielte. Nick Körber steht als Kay auf der Bühne, den Schöbel 1968 gab. Die Lieder, speziell der Titelsong, sind sicher das Zeitlose in der Geschichte, die sich nicht viel von jenen der westdeutschen Schlagerfilme unterscheidet.

Nach der Premiere spendet das Publikum Chris Doerk tosenden Applaus, und sie singt zum Dank das Lied, das sie zum ersten Mal öffentlich gesungen hatte, den „Schneeschuhfahrer-Marsch“, ein Weihnachtslied! Fast alle Besucher stimmen ein und sind einfach nur glücklich. Doerk muss noch eine Zeit lang Autogramme schreiben. Und die zwei Luxemburger im Publikum kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie groß die Begeisterung für die Schlagersängerin hier noch immer ist, wie auch für dem Film. Sollte ein Leser oder eine Leserin die Ferienregion des Erzgebirges besichtigen, so ist „Heißer Sommer“ den Besuch wert. Auch wenn Chris Doerk nicht mehr da ist.

Informationen zum Musical „Heißer Sommer“ findet man unter www.winterstein-theater.de. „Heißer Sommer“ läuft noch bis zum 2. September. Informationen zur Tourismusregion Erzgebirge unter www.erzgebirge.de