LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Wir wussten zwar, dass Rob vor einigen Tagen schwer gestürzt war, waren dann aber trotzdem sprachlos, als uns am Dienstagabend kurz nach 21 Uhr die Nachricht erreichte, Rob sei kurz zuvor gestorben - ausgerechnet am Weihnachtsabend. Niemals hätten wir uns vorstellen können, dass so einer wie Rob Roemen überhaupt sterben kann, derart präsent war er immer noch in unseren Gedanken, ertappten wir uns doch wiederholt dabei, uns bei heiklen Dossiers zu fragen, wie Rob dieses denn wohl angepackt hätte.

Vom Chefredakteur zum Bürgermeister

Eigentlich hatte er ja leiser treten wollen, als er vor sieben Jahren das „Journal“ verließ, um seine wohlverdiente Rente in Anspruch zu nehmen, nachdem er in den 30 Jahren zuvor - darunter 25 Jahre als Chefredakteur - quasi Tag und Nacht in unserer Zeitung verbracht hatte, doch dann widmete sich Rob, der ein regelrechtes Arbeitstier war, der Kommunalpolitik. Mit dem bekannten Resultat: Schon wenige Monate nach seinem Ausscheiden aus dem „Journal“ eroberte er den Bürgermeisterstuhl von Leudelingen, auf dem er fortan mindestens genauso viel Zeit verbrachte wie zuvor in seiner Redaktion.

Ein richtiger Liberaler

Als (damals) junger Journalist, der seine ersten „Freelance“-Schritte anderswo gemacht hatte, hatte der Schreiber dieser Zeilen zwar schon viel vom Chefredakteur des „Journal“ gehört, aber persönlich kennengelernt hat er ihn erst, als dieser ihn im Jahre 1989 fragte, ob er nicht als Redakteur zu seiner Zeitung wechseln wolle. Dass der Journalist seinerzeit ziemlich langhaarig und ziemlich wild war, konnte Rob Roemen nicht erschrecken, war er doch nicht nur politisch, sondern auch in allen anderen Hinsichten mehr als liberal. Bei Rob bekam jeder eine Chance - oftmals sogar auch mehrere.

Rob selbst war kein gelernter Journalist, sondern arbeitete zuerst als „Carrossier“ im elterlichen Betrieb, schrieb aber nebenbei begeistert für die Zeitung der JDL (die es damals noch gab), so dass ihn irgendwann der damalige Chef der DP, Gaston Thorn, fragte, ob er nicht zum „Journal“ überwechseln wolle.

Der Rest ist Geschichte, jedenfalls für die Luxemburger Medienlandschaft, die ohne Rob Roemen mit Sicherheit eine andere wäre. Rob schrieb seinerseits aber auch selber ein Stück Pressegeschichte, als er in der Auseinandersetzung mit dem seinerzeitigen Innenminister Michel Wolter (es ging um einen „Journal“-Artikel über eine Steuerstrafe gegen den Minister) bis vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof zog - und Recht bekam. Zum Standwerk für politisch interessierte Leser wurde indes Robs Buch „Aus Liebe zur Freiheit - 150 Jahre Liberalismus in Luxemburg“.

„Wéi am Summer“

Fragte man Rob, der als Chef zwar manchmal ganz schön grantig, sein konnte, aber nie ungerecht war, wie es ihm gehe, dann antwortete er immer - sommers wie winters - „wéi am Summer“. In seiner knapp bemessenen Freizeit las und schaute er übrigens am liebsten Krimis, unter anderem auch „Quincy“, dessen Hauptdarsteller ja jetzt zufälligerweise auch gestorben ist. Vielleicht treffen sich Jack Klugman und Rob Roemen ja nun im Himmel, um dort eine „Männerwirtschaft“ zu gründen.

Der Familie, vor allem aber seiner Frau Berthe und seinen drei Kindern unser herzlichstes Beileid.

Rob, wir werden Dich ganz arg vermissen!