LUXEMBURG
PATRICK WELTER

ArcelorMittal will den alten ARBED-Sitz schließen

Es ist eine vordergründig wirtschaftliche Maßnahme, aber eine mit tiefem Symbolcharakter - das Kapitel ARBED geht definitiv seinem Ende entgegen. So die pessimistische Sicht der meisten Beobachter.

Gestern Morgen teilte das Unternehmen ArcelorMittal lapidar mit, dass die „Büros an der Avenue de la Liberté“ bis auf weiteres geschlossen werden, kein Wort davon, dass es sich dabei um die ehemalige ARBED-Direktion handelt. Das Gebäude im Zuschnitt eines „Hôtel“ (d.h. eine Dreiflügelanlage um einen durch eine Mauer geschlossenen Innenhof) im besten Neobarock, zu seiner Bauzeit in den 1920er Jahren schon ein stilistischer Anachronismus, repräsentierte für mehr als achtzig Jahre die Bedeutung der Luxemburgischen Stahlindustrie.

Angeblich zu teuer

Die Begründung liest sich wie viele Mitteilungen des Konzern in den letzten Jahren, kalt und ohne Empathie für den Standort und seine Geschichte. „ArcelorMittal passt sich kontinuierlich dem wirtschaftlichen Umfeld an (...) Auf Grund anhaltender Schwäche im europäischen Markt überprüfen wir unsere gesamten Kosten (...). Daher hat ArcelorMittal beschlossen, das Bürogebäude an der Avenue de la Liberté bis auf weiteres zu schließen.“ Man beachte den immer wieder auftretenden Terminus „Bürogebäude“.

Geradezu zynisch klingt die Begründung, dass man angesichts der Werksschließungen in Europa solidarisch ist und „mit gutem Beispiel voran (geht) und reduziert Kosten bei den Büros an der Avenue de la Liberté. Das Gebäude (...) verursacht hohe Instandhaltungskosten.“ Es werde zur Zeit hauptsächlich von der ArcelorMittal University für Fort- und Weiterbildungen genützt. Diese sollen aber in Zukunft per Internet erfolgen. Die rund 200 Angestellten, die zurzeit dort arbeiten, sollen auf Bürogebäude verteilt werden.

Stilllegung oder Verkauf? Nutzung durch den Staat?

Offiziell spricht der indische Konzern nur von Einmotten der ehemaligen ARBED-Direktion. In verschiedenen Medien wurde gestern spekuliert, dass der offiziell dementierte Verkauf des Gebäudekomplexes beschlossene Sache sei…

Gleich nach bekannt werden der Nachricht richtete der CSV-Abgeordnete Serge Wilmes eine parlamentarische Anfrage an Staatsminister Juncker und Kulturministerin Modert ob der Staat bereit sei das, für das Land emotional wertvolle Gebäude zu übernehmen? Wilmes erinnert daran, dass der Staat, den Baugrund vor 90 Jahren dem Stahlkonzern ARBED gratis zu Verfügung gestellt hat. Wilmes will wissen ob die Regierung in Verhandlungen mit ArcelorMittal eintreten will, um das Gelände samt Gebäude zurückzuerhalten und ob man auch bereit wäre das Gebäude zu kaufen. Die Kulturministerin fragt der Abgeordnete nach der historischen Bedeutung des Gebäudes und einer eventuellen Umnutzung für kulturelle Zwecke.