LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Kontroverse um RTL-Video aus dem Schlachthaus: Tierquälerei oder normaler Vorgang?

Passend zu den mit Völlerei verbrachten Weihnachtsfeiertagen ließ das heimische Medienhaus RTL eine ziemlich unappetitliche Bombe platzen. Der Sender präsentierte, unter anderem auf seiner Webseite, Bilder von Zuständen in einem luxemburgischen Schlachthaus, die jedem Tierschutzgedanken Hohn sprächen. Auch das - durchaus legitime - Schlachten von Tieren soll nach moderner Auffassung des Tierschutzrechtes der Würde des Tieres, das ein Wesen mit Gefühlen ist, gerecht werden.

In einem aus einem luxemburgischen Schlachthaus - laut RTL im Osten des Landes - geschmuggelten Video sei zu sehen, dass die Praxis offensichtlich eine ganz andere sei. Dort würden Ferkel nicht sorgfältig einzeln mit der Elektrozange betäubt um sie dann per Messerschnitt ausbluten zu lassen, stattdessen erfolge die Tötung unter den Augen der andern Tiere, die dazu noch im Blut stehen müssten. Die Tötung sei nicht immer sachgerecht, so dass die Tiere unnötig leiden müssen. Im selben Schlachthaus seien Rinder, dies sich mit ihrem Gehörn in Gittern verkantet hätten, unnötig brutal geschlagen worden.

Laut der Tierschutzorganisation „Give us a voice“ habe sich seit einem halben Jahrhundert nichts an der rabiaten Praxis der Schlachtungen in Luxemburg geändert, trotz des 2018 in Kraft tretenden strengen neuen Tierschutzgesetzes.

Die Organisation wirft der Veterinärinspektion via RTL vor, dass diese die grausamen Praktiken kenne und nichts dagegen unternehme. Ihrer Meinung nach müssen alle Schlachthäuser kameraüberwacht werden, um das Verhalten der Mitarbeiter jederzeit kontrollieren zu können. Das Tierschutzgesetz sei eindeutig: Das Tier müsse vor dem Schlachten betäubt werden und dürfe keinem unnötigen Schmerz und Leiden ausgesetzt sein.

Prompte Reaktion des Veterinäramtes

Noch gestern Nachmittag meldet sich die amtliche Veterinärverwaltung mit einer anderthalbseitigen Stellungnahme zu Wort, die die Sachlage und vor allem die Bilder völlig anders interpretiert.

Beim Schlachten handele es sich um eine „delikate“ Angelegenheit, die ganz persönliche Emotionen berühre. Diese Emotionen dürften aber nicht zu ideologischem Denken führen. Das Wohlergehen der Tiere bis zum Moment der Schlachtung sei in europäischen Verordnungen geregelt, die mit Wissenschaftlern und Tierschutzorganisationen abgestimmt sind.

Die europäischen Vorschriften sähen vor, dass das Schlachthauspersonal entsprechend ausgebildet wird. Dies werde in Luxemburg von der Handwerkskammer und vom Veterinäramt übernommen. Darüber hinaus habe jedes Schlachthaus einen Beauftragten für das Tierwohl. Während des Schlachtens müsse außerdem ein Veterinär anwesend sein, der den Vorgang überwacht und bei Nichteinhaltung der Vorschriften sofort abbrechen kann.

„Ferkel sind nicht ängstlich, sondern neugierig“

Das Veterinäramt legt die Bilder des „Whistleblowers“ (dixit RTL) völlig anders aus. Die zu sehende Betäubung mit der Elektrozange sei korrekt. Das Ferkel werde danach angehoben, um es nach einem Messerschnitt in einem Abfluss ausbluten zu lassen. Dabei könne durchaus Blut auf den Boden laufen. Die übrigen Ferkel hätten zu dem Vorgang aber einen völlig anderen Zugang als Menschen, sie würden nicht verschreckt, sondern seien nur neugierig.

Die Käfighaltung der Rinder sei wichtig, um die Tiere vor Eigenverletzung zu schützen und für die ärztliche Untersuchung zu sichern.

In Bezug auf den Ruf nach Videokameras heißt es in der Erklärung, dass es in zahlreichen Schlachthäusern schon eine entsprechende Überwachung gibt. In anderen Bereichen müssten noch rechtliche Fragen geklärt werden.

Die Veterinärverwaltung hätte es begrüßt, wenn das Video zunächst mit den betroffenen Personen besprochen worden wäre - anstatt es an eine Medienanstalt weiterzugeben, heißt es abschließend.