LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Zwei Jahre nach seiner Gründung baut „Digital Inclusion“ seine Aktivitäten weiter aus - und sucht nach neuen Räumlichkeiten

Von Dachbodentreffen im kleinen Kreis hin zur voll ausgewachsenen gemeinnützigen Organisation mit neun Angestellten: In nur zwei Jahren hat „Digital Inclusion“ eine beachtliche Entwicklung hinter sich gebracht. „Ich hätte das nie erwartet“, sagt Patrick de la Hamette heute. Doch auch wenn die asbl inzwischen mehr als 1.000 Rechner auseinandergebaut, repariert, montiert und an Flüchtlingsfamilien verteilt hat, geht den Mitarbeitern und zahlreichen Freiwilligen die Arbeit nicht aus. Denn das ambitionierte Ziel von „Digital Inclusion“ lautet, dass niemand in Luxemburg von der digitalen Gesellschaft ausgeschlossen sein soll“, sagt ihr Präsident de la Hamette.

Es ist Freitag, kurz vor 14.00. Im Weiterbildungssaal mit Klassensaal-Flair leuchten die Bildschirme der Laptops und Desktop-PCs. Digitale Inklusion heißt auch, Wissen zu vermitteln. Mehrere Einführungskurse, die beispielsweise auf den Europäischen Computerführerschein vorbereiten, hat die asbl im Programm. Da sich die Kurse vor allem an Flüchtlinge richten, verfolgt der Verein eine hybride Vorgehensweise. So wird beim Erlernen des Umgangs mit der Software in Französisch oder Englisch eine Hilfestellung in Arabisch oder Portugiesisch angeboten. Dima Naeem, IT-Ingenieurin aus Syrien, hilft beispielsweise bei der Übersetzung ins Arabische.

Sozial, ökologisch und digital inklusiv

Bei all seinen Projekten versucht „Digital Inclusion“, sozial, ökologisch und digital inklusiv vorzugehen. Der IT-Ingenieur de la Hamette spricht von einer „ganzheitlichen Philosophie“, die sich am besten anhand der Computerinstandsetzung illustrieren lässt. In einem angrenzenden Raum kümmert sich Aws Alomar um die Werkstatt. Hier sind zahlreiche Bildschirme, Kabel und andere Hardwarekomponenten gelagert, die auf einen neuen Einsatz warten. Instandgesetzt werden die Rechner von Asylbewerbern, die in der Asylprozedur ansonsten nicht viele Möglichkeiten haben, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen. Die recycelten Rechner gehen dann an Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge oder Menschen, die in Sozialläden einkaufen dürfen. Mit den bislang verteilten Computern - wie gesagt über 1.000 Stück - „haben wir die meisten Flüchtlingshaushalte abgedeckt“, sagt de la Hamette sichtlich stolz. Für den Informatiker geht es dabei allerdings um mehr als nur die Spende an sich. „Wer sich integrieren will, kommt mit einem Computer und Internet viel weiter“, ist der Luxemburger überzeugt. Wer wenig Geld habe, neige dazu, sich eher ein Smartphone zuzulegen als einen Computer. Doch dadurch sei man in seinen Möglichkeiten eingeschränkt, sei es nur, um ein Bewerbungsschreiben aufzusetzen oder um Zugriff auf Medieninhalte zu bekommen. De la Hamette nennt den Computer das digitale Äquivalent zum Schweizer Taschenmesser und spricht auch von digitaler Autonomie. Allerdings ist er sich auch bewusst, dass der Internetzugang und der damit verbundene Kostenpunkt für viele Familien ein Problem darstellt.

2019 muss die asbl umziehen

„Digital Inclusion“ ist eine der vielen Initiativen, die 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise aus der Zivilgesellschaft heraus entstanden sind - und laut Aussagen ihres Mitbegründers weiterhin viel Unterstützung erhält, sei es in Form von Spenden oder Zeit, die freiwillige Helfer zur Verfügung stellen, um beispielsweise Kurse zu halten. Von den rund 50 Freiwilligen sind zwei Drittel Flüchtlinge. Auch die Kurse sind gut besucht. Gleichzeitig bietet die asbl heute auch viele andere Aktivitäten an. Für die von ihr bereitgestellten Rechner bietet der Verein einen kostenlosen Vor-Ort-Supportservice an. „Digital Inclusion“ leiht anderen Organisationen auch Hardware aus oder hilft Flüchtlingsstrukturen beim Auf- oder Ausbau ihres Wifi-Netzes. Wesentlich zum Aufbau all dieser Aktivitäten beigetragen und für das tagtägliche Management verantwortlich ist Anna Szymanska. Die Soziologin arbeitet seit anderthalb Jahren für „Digital Inclusion“. „Anna hat den größten Anteil am Aufbau des Projekts“, sagt de la Hamette.

Auf die Vereinigung kommt auf ihrem Weg hin zur digitalen Inklusion indes noch eine andere Herausforderung zu. Im kommenden Jahr muss der Verein aus dem zum Abriss bestimmten Gebäude in Howald ausziehen. Die asbl ist daher auf der Suche nach etwas Neuem in der Größenordnung von 300m2 im Zentrum in Luxemburg Stadt.