LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert für Ladendiebstahl eine Haft von 18 Monaten ohne Bewährung

Ladendiebstahl ist eines der großen Probleme des Einzelhandels. Trotz modernster Sicherheitsanlagen gehört er zum Alltag. Ein derzeit vor Gericht verhandelter Fall verrät, welche Tricks sich Ladendiebe einfallen lassen.

Am letzten Donnerstag stand ein 29-jähriger Mann vor der 9. Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen räuberischen Diebstahls angeklagt. Nach eigenen Angaben kommt er aus Albanien und lebt laut Staatsanwaltschaft seit geraumer Zeit in Metz (Frankreich). Der Mann soll sich dort um Asyl beworben haben. Nach seiner Verhaftung sitzt der Angeklagte seit Juli 2017 in Schrassig in Untersuchungshaft.

Mit einer präparierten Tüte den Alarm ausgetrickst

Im Juli 2017 betrat der Mann, vermutlich mit zwei Mittätern, ein Bekleidungsgeschäft in Luxemburg. Laut Anklage hatte er vor, mit Hilfe einer präparierten Tragetüte, die innen mit Aluminium ausgeschlagen war, Hosen zu stehlen. Der Plan ging auf. Mit der präparierten Tüte schmuggelte der Mann sieben Hosen nach draußen, ohne zu bezahlen. Laut zweier Verkäuferinnen, die am Donnerstag als Zeugen vor Gericht aussagten, hatte die präparierte Tüte beim Verlassen des Geschäfts den Alarmsensor im Eingangsbereich ausgetrickst. Allerdings stellten die sieben Hosen keinen großen Wert dar, sie sollen gerade einmal 150 Euro gekostet haben.

Eine wortlose Drohung

Der Albaner war jedoch einer aufmerksamen Verkäuferin aufgefallen, weil er das Bekleidungsgeschäft mit einer leeren Tüte in der Hand betrat und es mit einer gut gefüllten Tüte wieder verließ. Sie verfolgte den Dieb und versuchte ihn festhalten. Dieser versuchte zunächst zu flüchten, und setzte sich danach massiv gegen die Verkäuferin zur Wehr. Laut der Frau kam es dann zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Sie gab vorgestern zu Protokoll, dass der Mann sie in den Bauch getreten und an der rechten Hand leicht verletzt habe. Danach habe er sie mit der international üblichen Halsabschneider-Geste bedroht, indem er mit der flachen Hand über seine Kehle strich. Letzteres bestritt der Mann, während er den Diebstahl zugab.

Aufgrund seines Vorgehens fordert die Staatsanwaltschaft eineinhalb Jahre Haft - ohne Bewährung - für den Ladendieb. Die Begründung der Anklagevertreterin lautete: Der Mann sei nicht wegen einfachen Diebstahls, sondern wegen räuberischen Diebstahls angeklagt. Bei seiner Flucht hätte er Gewalt gegenüber der Verkäuferin angewandt und sie auch noch bedroht.

Dies, zusammen mit dem professionellen Vorgehen mit der präparierten Tüte, reiche der Staatsanwaltschaft, um auf Diebstahl in einem besonders schwerem Fall zu erkennen und damit auf die 18-monatige Haftstrafe.

Der Angeklagte seinerseits beharrte weiter darauf, niemanden bedroht zu haben. Der Verteidiger widersprach deshalb vehement der Anklagevertreterin und forderte die Streichung der „Bedrohung“ aus der Anklage. Für den Verteidiger ist der hohe Strafantrag höchst ungewöhnlich, vor allem bei einem Ladendiebstahl geringwertiger Sachen. Weil der Mann seine Tat gestanden habe, bat die Verteidigung um eine „milde Strafe.“

„Das ist so in Luxemburg“

Kurz vor Ende des Verfahrens wandte sich die Richterin an den Angeklagten: „Sie wundern sich, dass sie für so eine kleine Summe so lange in Untersuchungshaft sitzen. Das ist so in Luxemburg. Ich will, dass sie das absolut ernst nehmen.“

Das Urteil ist für den 11. Januar 2018 vorgesehen.